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Oneplus 8 Pro im Praxistest: So schlägt sich das Topmodell

Oneplus hat zwei neue Modelle vorgestellt: das 8 und das 8 Pro. Ausstattung, Preise und ein Ersteindruck des Pro-Modells in der Praxis.

Das Oneplus 8 Pro ist das neue Flaggschiff des chinesischen Smartphone-Herstellers. Es wurde zusammen mit dem Oneplus 8 vorgestellt und ist ab dem 21. April in Deutschland erhältlich. Wir konnten es vorab testen.

Das Oneplus 8 Pro ist das neue Flaggschiff des chinesischen Smartphone-Herstellers. Es wurde zusammen mit dem Oneplus 8 vorgestellt und ist ab dem 21. April in Deutschland erhältlich. Wir konnten es vorab testen.

Foto: Maik Henschke / ZRB

Berlin. Oneplus hat am Dienstag per weltweitem Livestream seine neuen Flaggschiff-Modelle enthüllt: das Oneplus 8 und das Oneplus 8 Pro. Sie sind die Nachfolger des 7T und 7T Pro, die vor einem halben Jahr erschienen sind.

Mit den Neuzugängen will der chinesische Hersteller weiter aufschließen zu den Smartphone-Platzhirschen Samsung, Huawei und Apple und sich in der Premiumklasse etablieren. Dafür hat Oneplus seine Modelle an wichtigen Stellen verbessert.

Die Kameras, bislang nicht auf Topniveau, wurden optimiert. Das Spitzendisplay kann jetzt auch 120 Hertz darstellen. Die sehr flotte Leistung hat nochmal an Tempo zugelegt. Vor allem aber hat Oneplus sich offenbar Wünsche der Nutzer und Kritiker zu Herzen genommen: Das Oneplus 8 Pro lässt sich jetzt erstmals drahtlos aufladen und ist wasser- und staubgeschützt nach IP 68-Zertifizierung.

Was außerdem in beiden Geräten steckt und welchen Eindruck das Pro-Modell nach ein paar Tagen im Alltag hinterlässt, verrät unser Praxistest.

Oneplus 8 Pro: Bildschirm gebogen und extrem scharf

Der Bildschirm gehörte bereits bei den Vorgängern zur obersten Kategorie auf dem Markt. Hier hat Oneplus dieses Jahr nochmal nachgelegt. In beiden Modellen sind AMOLED-Displays von Samsung verbaut, bestehend aus kratzfestem „3D Corning Gorilla Glass“.

Das Pro-Modell ist in einigen Punkten besser ausgestattet und dürfte eines der derzeit besten Smartphone-Displays bieten. Oneplus selbst wirbt damit, dass die 8er-Serie die Note A+ sowie den „Best Smartphone Display Award“ bei „DisplayMate“ erhalten hat, einem führenden Bewerter von Smartphone-Displays.

Das Pro-Modell kommt mit einem 6,78-Zoll-Display mit QHD-Plus-Auflösung. Es misst 3168 x 1440 Pixel und hat eine äußerst hohe Pixeldichte von 513 PPI. Wie bei den Pro-Modellen der Vorgänger ist der Bildschirm leicht zu den Seiten gebogen, das bleibt Geschmackssache.

Spitzendisplay mit 120 Hertz nur beim Pro-Modell

Neu ist: Das Display des Pro verfügt jetzt, statt bisher 90 Hertz, über eine 120 Hertz-Bildwiederholrate. Das stellt Bewegungen auf dem Bildschirm, das Scrollen in Menüs und den Wechsel zwischen Apps noch flüssiger und weicher dar. Zugegeben: Den Unterschied zwischen 60 und 120 Hertz sieht man deutlich. Wer aber etwa den Vorgänger mit 90 Hertz kennt, wird keinen großen Unterschied mehr erkennen.

Mit den 120 Hertz schließt Oneplus auf zu den aktuellen Samsung-S20-Modellen oder dem Oppo Find X2 Pro. Der Clou: Trotz aktivierter 120-Hertz-Frequenz lässt sich die höchste Displayauflösung wählen. Das geht bei den aktuellen Samsung-Modellen nicht. Diese Kombination dürfte sich aber bei der Akkulaufzeit bemerkbar machen.

Die maximale Bildschirmhelligkeit beträgt bis zu 1300 Nits, es ist somit auch bei starker Sonneneinstrahlung noch gut lesbar. Oneplus will zudem die Farbgenauigkeit verbessert haben. Des Weiteren bietet das Display eine HDR10 Plus-Unterstützung für größere Dynamik bei Video-Wiedergabe. Im Praxistest ist am beeindruckenden Display nichts zu beanstanden.

Das normale Oneplus 8 hat mit 6,55-Zoll einen etwas kleineren Bildschirm und eine Full-HD-Plus-Auflösung. Das Display ist leichter gebogen als beim Pro, aber mehr als beim direkten Vorgänger 7T. Es kommt mit 90 Hertz Bildwiederholfrequenz aus, was aber ebenfalls butterweiche Bewegungen ermöglicht.

Kamera: Mehr Licht in der Dunkelheit

Bei der Kamera hatte Oneplus zuletzt immer noch Aufholbedarf gegenüber Samsung, Apple und Huawei. Der Rückstand hat Oneplus offenbar angestachelt, mehr in die mobilen Knipsen zu investieren.

Auf der Rückseite des Pro-Modells sitzen im länglichen Kameramodul vier Sensoren. Die Hauptkamera kommt mit 48 Megapixeln und einer f/1.78-Blende. Er ist der bisher größte von Oneplus verbaute Sensor und stammt wie alle weiteren von Kameraspezialist Sony. Mit der gleichen Auflösung, einer f/2.2-Blende und einem 120 Grad Winkel knipst die Ultraweitwinkel-Kamera.

Ergänzt werden die beiden durch eine Acht-Megapixel-Telezoom-Linse mit dreifachem optischen Sensor. Neu ist zudem ein Fünf-Megapixel-Sensor namens „Color Filter Camera“ zur Erfassung der Farbdaten. Er soll kreative Farbfilter wie bei Instagram ermöglichen.

Aufnahmen im Nachtmodus bei Dunkelheit sahen im Praxistest sehr ansprechend und detailreich aus. Neben dem Sensor, der mehr Licht einfangen kann als frühere Modelle, hilft die Software dabei, das fehlende Licht auszugleichen. Das Ergebnis sind sehr ausgewogen beleuchtete Nachtfotos mit natürlichen Farben und ohne Verwacklungen – selbst aus der Hand.

4K-Videos auch mit viel Bewegung wackelfrei

Videos können Nutzern in 4K-Qualität mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Verbessert hat Oneplus den Bildstabilisator, der actionreiche Videos mit viel Bewegungen nun verwacklungsfrei aufnehmen soll wie mit einem Gimble-Stativ. Das war beim Ausprobieren spürbar.

Das kleinere Modell hat nur drei Sensoren: Neben der 48-Megapixel-Hauptkamera (f/1.8-Blende) sorgt eine 16-Megapixel-Kamera für Weitwinkelaufnahmen. Als drittes ist ein Makro-Objektiv mit einem Zwei-Megapixel-Sensor verbaut, zum Aufnehmen von Tiefeninformationen für Porträtaufnahmen

Die Selfie-Frontkamera beider Modelle löst mit 16 Megapixeln auf. Optisch hat sich Oneplus hier etwas Neues einfallen lassen: In beiden Geräten sitzt die Kamera jetzt links oben im Display unter einem angenehm kleinen Kamera-Loch. Das Punch Hole ersetzt die nach oben ausfahrbare Selfie-Kamera beim Pro und die tropfenförmige Notch beim Basismodell.

Musik und Videosound kommen bei den Oneplus-Geräten aus Stereo-Lautsprechern, die hochwertigen Dolby-Atmos-Klang erzeugen können. Für besonders gute Tonaufnahmen hat der Hersteller gleich drei Mikrofone eingebaut: An der Ober- und Unterseite sowie am Rücken. Auf diese Weise sollen Nutzer beim Filmen einen 3D-Klang einfangen können. Zoomt man mit der Kamera ins Geschehen hinein, verändert sich auch der aufgenommene Ton. Hintergrundgeräusche sollen die Mikros wirksam reduzieren.

Oneplus-8-Reihe punktet mit leistungsstarker Hardware

Auf Schnelligkeit hat Oneplus bereits in der Vergangenheit viel Wert gelegt. Das ändert sich auch bei der achten Generation nicht – im Gegenteil: Die Oneplus 8-Geräte sind bei Prozessor und Arbeitsspeicher im Highend-Bereich angesiedelt und auch höheren Aufgaben gewachsen. Im inneren werkelt der Snapdragon 865, Qualcomms diesjähriger Top-Prozessor mit 5G-Modem. Oneplus will nach eigenem Bekunden nur noch 5G-Smartphones bauen.

Zudem setzt der Hersteller auf schnellen Arbeitsspeicher vom Typ LPDDR5: Die Basismodelle haben 8 Gigabyte (GB) an Board, was für die meisten Situationen ausreicht, die teureren Modelle erhalten sogar 12 GB. Der moderne Speichertyp soll rund 30 Prozent mehr Leistung bringen bei bei 20 Prozent weniger Akkuverbrauch.

Für Videos, Fotos, Musik oder sonstige Dateien bieten die Oneplus 8-Modelle wahlweise 128 oder 256 GB schnellen UFS 3.0-Flashspeicher. Größere Speichervarianten bietet der Hersteller leider nicht an. Ein Minus: Der Speicher ist erneut nicht erweiterbar.

Ausdauernder Akku – erstmals drahtloses Laden bei Oneplus-Smartphones

Den Geräten dürfte auch bei starkem Gebrauch die Puste den Tag über nicht ausgehen. Der verbaute Akku ist in beiden Modellen nochmal angewachsen: Das Oneplus 8 kann im Basismodell auf 4300 Milliamperestunden (mAh) zurückgreifen. Das leistungsstärkere Pro-Modell verfügt jetzt über 4510 mAh.

Beim Aufladen holt Oneplus – zumindest beim Pro-Modell – nun endlich nach, was die Konkurrenz um Samsung und Apple schon seit Jahren können: Erstmals ist drahtloses Laden möglich – und das sogar ausgesprochen zügig. Dank der sogenannten „Warp Charge 30 Wireless“-Technologie kann das Smartphone in nur 30 Minuten auf 50 Prozent geladen werden.

Die schnurlose „Warp“-Technologie lädt ebenso mit starken 30 Watt auf wie das beiliegende normale Netzteil. Hier sind die 50 Prozent schon in 23 Minuten erreicht. Das kabellose Aufladen war im Praxistest noch nicht verfügbar. Ein entsprechendes Lade-Dock mit kleinem Lüfter bietet Oneplus aber zum Marktstart für zusätzlich rund 70 Euro zum Kauf an.

Wie bei Wettbewerbern bereits möglich, kann das Oneplus 8 Pro mittels „Reverse Charging“ andere kompatible Geräte ohne Kabel aufladen, wie etwa Bluetooth-Kopfhörer oder andere Smartphones.

IP 68: Oneplus 8 Pro jetzt auch offiziell gegen Wasser und Staub geschützt

Anders als viele Premium-Hersteller hat Oneplus bislang – dem Vernehmen nach aus Kostengründen – darauf verzichtet, seine Smartphones nach dem Industriestandard IP68 zertifizieren zu lassen. Mit dem Nachweis hat man schwarz auf weiß, dass ein Gerät gegen Wasser und Staub geschützt ist. Beim Pro-Modell hat es der Hersteller jetzt nachgeholt. Aber auch das normale Oneplus 8 soll dem in nichts nachstehen, nur eben ohne offizielles Dokument.

Die sonstige Ausstattung zeigt ebenfalls keine nennenswerten Schwächen: Das Entsperren per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung gehören weiterhin zu den schnellsten am Markt. Mit Routern verbindet es sich mit dem aktuellen Wi-Fi-6-Standard. Wer gern Sprachsteuerung nutzt, etwa im Smart Home, kann beispielsweise via Alexa-App per Freisprech- und Push-to-talk-Zugang auf Amazons Assistenten zugreifen. Andere Sprachassistenten sind aber ebenfalls ungehindert nutzbar.

Verarbeitung und Haptik top – neue Farben im Sortiment

Das Oneplus Pro lässt bei der Verarbeitung keine Wünsche offen. Das gebogenen Display geht nahtlos in den Metallrahmen über. Die Tastenanordnung bleibt unverändert. Das Pro-Modell liegt trotz seiner Größe gut und sicher in der Hand. Von Vorteil ist hier die matte Glasrückseite der meisten Farbvarianten: Sie rutscht weniger, reduziert Fingerabdrücke und bringt die Farbe der Rückseite je nach Lichteinfall schön zur Geltung.

Übersicht: Farben, Ausstattungen und Preise

In den Handel kommt die Oneplus-Serie in Deutschland ab dem 21. April in verschiedenen Ausführungen:

Oneplus 8:

  • Onyx Black (glänzend) / 8GB RAM + 128GB Speicher / 699 Euro
  • Interstellar Glow (lebendiger Farbverlauf) / 12GB RAM + 256GB Speicher / 799 Euro (erhältlich ab 4. Mai)
  • Glacial Green (matt) / beide Ausstattungen / 699 bzw. 799 Euro

Oneplus 8 Pro:

  • Onyx Black (glänzend) / 8GB RAM + 128GB Speicher / 899 Euro
  • Glacial Green (matt) / 12GB RAM + 256GB Speicher / 999 Euro
  • Ultramarine Blue (matt) / 12GB RAM + 256GB Speicher / 999 Euro

Fazit: Oneplus 8 (Pro)

Oneplus hat bei der 8er-Reihe an den richtigen Punkten nachgebessert. Eine verbesserte Kamera, drahtloses Laden und IP-Zertifizierung waren zuletzt oft genannte Schwachstellen. Tempo und Ausstattung haben nochmals zugelegt, jetzt sogar mit 5G. Das Oneplus 8 wird seine Käufer finden. Wer ein Vorjahresmodell besitzt, muss aber nicht zwingend wechseln. Das Pro-Modell wird sich mit den besten Smartphones des Jahres messen wollen.

Aber auch ab der Preisschraube hat Oneplus nochmal gedreht. Das Topmodell stößt an die 1000-Euro-Marke. Damit dringt man klar in die Premiumklasse vor und ist auch preislich auf Augenhöhe zu Apple, Samsung, Huawei und Co. Das langgehegte Image vom günstigen Herausforderer der „Großen“ legt Oneplus damit endgültig ab.

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