Geldanlage

Mehr Rendite, aber auch mehr Risiko – das bieten Zinsportale

Die Anlage auf Tages- und Festgeldkonten ausländischer Banken kann sich für deutsche Sparer lohnen. Es gibt allerdings einen Haken.

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Berlin. Minizinsen – und immer häufiger sogar Minuszinsen: Wer sicher Geld anlegen möchte, steckt in der Klemme. Sogenannte Zinsportale wittern hier ihr Geschäft. Sie vermitteln Sparern ausländische Tages- und Festgeldkonten mit teils weit höheren Zinsen als bei deutschen Anbietern. Das Problem ist nur: Das Risiko einer mangelnden Einlagensicherung schwingt mit.

Für ein jederzeit verfügbares Tagesgeld erhalten Anleger im Schnitt nur noch 0,007 Prozent Zinsen bei 640 betrachteten Banken, berichtet die unabhängige FMH-Finanzberatung in Frankfurt. Festgelder, bei denen sich der Sparer für eine vereinbarte Mindestzeit bindet, werfen kaum mehr ab. Das bringt Zinsportale wie Savedo, Weltsparen oder Zinspilot ins Spiel: Die Auslandsbanken der Plattformen warten mit manchem Zinsschnäppchen auf.

Zinsportale versprechen: 100 Prozent Einlagensicherung

Die meisten dieser Banken sind für deutsche Sparer ausschließlich über die Portale erreichbar. Entsprechend groß ist der Andrang. So hat allein Weltsparen nach eigenen Angaben bereits mehr als 200.000 Kunden. „Die Zinsportale haben den Wettbewerb befeuert“, sagt Uwe Döhler, Projektleiter der Stiftung Warentest.

Die Geldhäuser im Portfolio der Portale sitzen in Ländern wie etwa Bulgarien, Malta oder Rumänien. Auch Banken aus Estland, Lettland oder Italien gehören dazu. Da die Staaten zur EU gehören, greifen alle Anbieter auf dasselbe Werbeversprechen zurück: das der absoluten Sicherheit des Geldes.

Denn laut EU-Richtlinie sind mindestens 100.000 Euro pro Bank und Kunde gesetzlich vor Insolvenz geschützt. Das Schlagwort: „100 Prozent Einlagensicherung“.

Stiftung Warentest: „Nicht empfehlenswert“ für Geldanlage

Über das Weltsparen-Portal etwa können Kunden für eine Tagesgeldanlage von 10.000 Euro derzeit 0,35 Prozent von der bulgarischen Fibank bekommen. Die Festgeldanlage von 10.000 Euro für ein Jahr bringt 0,8 Prozent Rendite bei der Haitong-Bank in Portugal.

Bindet sich der Kunde für drei Jahre, kann er 1,2 Prozent jährlich von der Banca Progetto in Italien erhalten. Das Savedo-Portal vermittelt zur Kovanica-Bank in Kroatien, die sogar 1,3 Prozent pro Jahr für das Drei-Jahres-Festgeld zahlt (Stand jeweils: 21. Fe­bruar 2020).

Allerdings haben alle genannten Angebote einen Haken: Sie stammen aus Ländern, deren Institute die Stiftung Warentest ausdrücklich als „nicht empfehlenswert“ für eine Geldanlage einstuft. Das heißt nicht, dass die Stiftung den Zinsportalen generell ablehnend gegenüberstehen würde. In ihre Zinsvergleiche nimmt sie von den Portalen gelistete Banken sehr wohl mit auf – vorausgesetzt, es sind bestimmte Bedingungen erfüllt.

Sicherungssysteme in vielen Ländern nicht stabil

Besonders wichtig ist den Testern, dass der Staat, in dem die Bank sitzt, die versprochene hundertprozentige Einlagensicherung im Ernstfall tatsächlich leisten könnte. Aber so stabil, um eine größere Bankenpleite stemmen zu können, seien die Sicherungssysteme in etlichen EU-Ländern nicht, warnt die Stiftung.

„Nach EU-Recht soll der Sparer sein Geld bei einer Pleite der Bank innerhalb von sieben Arbeitstagen zurückerhalten – dafür halten wir eine hohe Wirtschaftskraft des Landes für nötig“, erläutert Experte Döhler.

Diese Sicherheit bringen nach Einschätzung der Stiftung ausschließlich Staaten mit, die von allen drei großen Ratingagenturen Fitch, Moody’s und Standard Poor’s Topbewertungen erhalten. Ein „Double A“, also zwei von drei möglichen A – wie für Deutschland – bilde die Grenze, sagt Döhler. Wichtig: Sparer, die etwas mehr Risiko eingehen möchten, müssen sich an diesen sehr strengen Maßstab nicht halten.

Nur wenige Staaten erreichen eine AA-Bewertung

So erreichen etwa Estland und Tschechien – knapp unterhalb der Grenze – die Noten AA- und A1. Von den von der Stiftung erfassten Staaten mit Banken, die Zinsangebote für deutsche Anleger haben, können sich mit mindestens einem „doppelten A“ neben Deutschland nur schmücken: Belgien, Frankreich, Großbritannien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich und Schweden.

Für ein Tagesgeld zahlt die vom Weltsparen-Portal vermittelte schwedische Hoist-Finance aktuell 0,25 Prozent. Für ein dreijähriges Festgeld kann der Kunde 0,9 Prozent im Jahr bekommen. Achtung: Aufgrund von Wechselkursschwankungen ist die Sicherheit von vollen 100.000 Euro in Schweden nicht unbedingt gewährleistet. Allerdings legen die meisten Sparer geringere Summen an.

Das Währungsrisiko entfällt, wenn sich der Portalkunde für ein Konto in einem Euro-Staat entscheidet. So zahlt die Addiko-Bank in Österreich für eine Festgeldanlage aktuell 0,4 Prozent (Laufzeit: ein Jahr) oder 0,5 Prozent jährlich (Laufzeiten: ab zwei Jahren). Bei der Younited-Credit aus Frankreich streicht der Anleger 0,7 Prozent im Jahr für ein Drei-Jahres-Festgeld ein.

Beim Zins-Hopping von Zuschlägen profitieren

Bei aller Attraktivität der Offerten bleiben auch einzelne deutsche Anlagen interessant – vor allem für Kunden, die rasch zwischen Banken wechseln. Durch das sogenannte Zins-Hopping können sie regelmäßig von Zinszuschlägen für Neukunden profitieren.

„Man sollte über den Tellerrand der Portale hinausschauen“, rät Experte Döhler. Zu den Spitzeninstituten mit Niederlassung in Deutschland gehören derzeit die Renault Bank Direkt mit 0,25 Prozent beim Tagesgeld (bei Neukunden 0,451 Prozent für drei Monate) und CosmosDirekt mit 0,31 Prozent.

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