Kinderzuschlag

Starke-Familien-Gesetz: 185 Euro mehr im Monat pro Kind

Das Starke-Familien-Gesetz soll Familien und Alleinerziehende mit niedrigem Einkommen stärker unterstützen. Was Sie dazu wissen müssen.

Gesetz soll Familien von Geringverdienern helfen

Die Bundesregierung hat höhere Sozialleistungen für Geringverdiener mit Kindern auf den Weg gebracht.

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Berlin.  Kinder sind teuer. Zwar brauchen sie am Anfang nur wenig: ein paar Klamotten, die oft von Bekannten weitergereicht werden, und ein paar Windeln. Aber häufig muss schon bald eine größere Wohnung her.

Das kommt doppelt teuer: mehr Quadratmeter und mit dem neuen Mietvertrag meist ein höherer Preis pro Quadratmeter. Manchmal geht es auch nicht mehr ohne Auto – ein teurer Spaß. Und dann schwächeln noch die Einnahmen. Anfangs gibt es zwar Elternzeit und Elterngeld. Oft zeigt sich danach: Dass beide wieder Vollzeit arbeiten, haut nicht hin. Also ist Teilzeit angesagt.

Kinderzuschlag: Unterstützung für Familien mit niedrigem Einkommen

Inzwischen gibt es allerdings das Starke-Familien-Gesetz – und damit mehr Möglichkeiten, von Zuschüssen zu profitieren. Davon sollen in Deutschland knapp vier Millionen Kinder profitieren.

Starke-Familien-Gesetz: Bis zu 185 Euro im Monat je Kind

Kindergeld bekommen fast alle Eltern, es wird unabhängig vom Einkommen oder Vermögen gezahlt. Anders verhält es sich beim Kinderzuschlag: Diese Leistung gibt es für Familien, die nur wenig verdienen und kein Arbeitslosengeld II bekommen. Wer schon einmal versucht hat, Kinderzuschlag zu beantragen, verdreht meist die Augen: Die Formulare sind umfangreich und kompliziert. Und der Zuschlag wird immer nur für sechs Monate bewilligt. Dennoch lohnt sich der Aufwand!

Je Kind kann man einen Zuschlag von bis zu 185 Euro im Monat bekommen. Anfang des Jahres sind die oberen Einkommensgrenzen entfallen. Dadurch können auch Familien mit etwas höherem Einkommen zumindest einen geminderten Kinderzuschlag beziehen. Ob ein Kinderzuschlag möglich ist, kann mit dem KiZ-Lotsen der Familienkasse geprüft werden.

Der Antrag muss so schnell wie möglich bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit gestellt werden, denn für die Monate vor Antragseingang gibt es kein Geld. Wurde der Antrag auf Kinderzuschlag in den vergangenen Jahren abgelehnt, können Eltern mit einem erneuten Antrag gute Chancen haben.

Kita und Busticket kostenlos, 150 Euro für Schulhefte

Wer staatliche Unterstützung erhält, egal ob als Kinderzuschlag und Wohngeld oder als Arbeitslosengeld II, muss auch keine Gebühren für den Kindergarten oder die Kita zahlen. Zusätzlich gibt es als Unterstützung das kostenlose Mittagessen in Kita und Schule. Selbst für diejenigen, die keine staatliche Unterstützung bekommen, ist der Kitaplatz vielleicht gar nicht so teuer wie gedacht.

Einen Überblick zu den Kitagebühren gibt es auf dem Bildungsserver von Bund und Ländern unter http://bit.ly/326fc4c. In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern etwa ist die Kinderbetreuung für alle gratis. Für den Schulweg kann für Kinder ein kostenloses Ticket für den öffentlichen Nahverkehr beantragt werden. Das können die Kleinen dann auch nutzen, wenn sie Freunde besuchen oder zum Sport fahren. Für Aktivitäten im Verein oder an der Musikschule können Eltern zudem 15 Euro Zuschuss pro Monat bekommen.

Zu Beginn eines Schuljahres gibt es für jedes Schulkind 150 Euro, um damit Hefte, Stifte, Taschenrechner oder Ähnliches zu kaufen. Klassenfahrten und Ausflüge können ziemlich teuer werden. Auf Antrag gibt es eine vollständige Erstattung dieser Kosten. Braucht ein Kind Nachhilfe, gibt es Möglichkeiten, sich die Kosten dafür erstatten zu lassen – dazu muss das Kind nicht einmal versetzungsgefährdet sein. Wo sich Leistungen des Bildungspakets vor Ort beantragen lassen, zeigt das Ministerium für Arbeit und Soziales unter http://bit.ly/2uOumPG.

Wohngeld beantragen – darauf sollte niemand verzichten

Familien, die Kinderzuschlag erhalten, haben oft auch Anspruch auf Wohngeld. Es lohnt sich, beide Anträge gleichzeitig zu stellen – das spart unnötigen Aufwand. In Berlin etwa hängt der Antrag auf Kinderzuschlag am Wohngeldformular. Wer vorher wissen will, ob sich der Antrag für die eigene Familie überhaupt lohnt, kann einen Wohngeldrechner benutzen.

Der bundesweite ist etwas irreführend, dort muss man im Feld für das Gesamteinkommen bereits das bereinigte Gehalt eintragen. Besser macht es der Berliner Rechner. Am besten schaut man auf die Webseite seiner Stadt, denn die Wohngeldhöhe hängt von der Gemeinde ab. Personen, die Grundsicherung, Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld bekommen, erhalten kein gesondertes Wohngeld. In diesen Leistungen sind die Kosten der Unterkunft bereits enthalten.

Bezieher von Bafög oder jene, die es zumindest erhalten könnten, haben ebenfalls keinen Anspruch. Der Antrag auf Wohngeld kann bei den Wohngeldstellen der Gemeinde-, Stadt-, Amts- oder Kreisverwaltung gestellt werden. Die Ämter sind verpflichtet, Interessierten beim Ausfüllen zu helfen. Auch Mietervereine oder Beratungsstellen von Caritas, Diakonie oder Arbeiterwohlfahrt helfen.

Unterhaltsvorschuss – wenn der Ex nicht zahlt

Alleinerziehende, die vom anderen Elternteil keinen oder nicht regelmäßig Unterhalt für ihr Kind erhalten, können Unterhaltsvorschuss beantragen. Seit Januar hat sich die Leistung für Kinder bis fünf Jahre auf bis zu 165 Euro erhöht und für Kinder zwischen sechs und elf Jahren auf bis zu 220 Euro. Auch für ältere Kinder gibt es Unterhaltsvorschuss bis zum 17. Geburtstag – und zwar bis zu 293 Euro.

Diese Leistungen werden nicht mehr voll als Einkommen des Kindes bei der Berechnung des Kinderzuschlags angerechnet, sondern nur noch zu 45 Prozent. Dadurch können seit Jahresbeginn mehr Alleinerziehende neben dem Unterhaltsvorschuss auch Kinderzuschlag bekommen. Für den Antrag auf Unterhaltsvorschuss ist das Jugendamt des jeweiligen Wohnorts zuständig.

Das steckt hinter dem Starke-Familien-Gesetz

Seit dem 1. Juli 2019 ist das Starke-Familien-Gesetz in Kraft. Es soll Familien und Alleinerziehende mit niedrigem Einkommen stärker unterstützen. Knapp vier Millionen Kinder in Deutschland sollen davon profitieren. Neben dem Kinderzuschlag wurden Bildungs- und Teilhabepakete ausgebaut.

Zum 1. Januar ist beim Kinderzuschlag die obere Einkommensgrenze gefallen. Er verringert sich ab bestimmten Einkommen nun erst allmählich. Ein Ziel des Gesetzes ist, die Antragstellung zu vereinfachen. In den Formularen wurde die Sprache vereinfacht und die Schrift vergrößert. Die Zeit zum Ausfüllen soll so halbiert werden.

Unterstützung für Familien – mehr zum Thema:

Anfang 2021 soll es ein neues Elterngeld geben. Es greift viele Wünsche von Mamas und Papas auf. Topverdiener hingegen gehen leer aus.

Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit finanztip.de. Finanztip ist gemeinnützig und hilft Verbrauchern bei den täglichen Finanzentscheidungen.