Selbstversuch

40 Tage ohne Zucker - Woche 3: „Ich bin wacher und leichter“

Wacher, leistungsfähiger und einige Kilogramm leichter: Welche Veränderungen machen sich nach drei Wochen Zuckerverzicht bemerkbar?

Anne-Kathrin Neuberg-Vural verzichtet 40 Tage lang auf Zucker.

Anne-Kathrin Neuberg-Vural verzichtet 40 Tage lang auf Zucker.

Foto: Ural Karabıyık

Berlin. Ich habe mich der Herausforderung gestellt: Von jetzt auf gleich habe ich radikal auf Zucker verzichtet. 40 Tage lebe ich ohne die süße Sünde – so der Plan. Die ersten drei Wochen ohne Industriezucker, seine natürlichen Alternativen wie Agavendicksaft, Sirups, Kokosblütenzucker oder Honig sowie künstliche Süßstoffe und Alkohol sind geschafft. Auch Reis, Getreide und Getreideprodukte sind noch eine Woche lang von meinem Speiseplan gestrichen, genauso wie stärkehaltiges Gemüse (Mais, Kartoffeln und Süßkartoffeln). Und wirklich schwer, fällt mir das persönlich mittlerweile gar nicht mehr.

Auch meine Kinder haben sich an die neue Situation auch gewöhnt, weisen mich darauf hin, wenn ich etwas nicht essen darf. Wir waren letztens zu Besuch bei meinem Bruder. Es gab selbstgemachte Waffeln mit Himbeeren. Und Kind eins meine nur: „Schade, Mama, aber das darfst du nicht essen. Da ist Zucker drin.“ Kurze Pause. „Mehr für mich.“ Es habt die Vorteile der zuckerfreien Ernährung also schon verinnerlicht.

40 Tage ohne Zucker: So verzichtet man im Restaurant auf Zucker

Aber tatsächlich: Meine zwei Kleinen finden mein selbst gemachtes zuckerfreies Müsli mittlerweile richtig gut. Etwas anderes gibt es bei uns nicht mehr. Trinkschoki besteht nur aus Milch und Backkakao. Sie lieben es. Eis haben wir diese Woche auch selbst gemacht und dafür einfach Joghurt und gefrorene Mango püriert. „Mhmmm, Mama, lecker“, jubelte Kind zwei. Soll es etwas Besonderes zwischendurch sein, lösen Erdnüsse zum Selber-Knacken oder naturbelassene Cashewkerne wahre Begeisterungsstürme aus. Gekaufte Zuckerbomben braucht es also auch hier nicht. Alles eine Frage der Gewöhnung.

…und des Umfelds. Wir waren ein Wochenende unterwegs. Familien-Kurztrip. Für mich war die Zuckerfrei-Challenge erstaunlicherweise recht gut durchzuziehen. Vom Frühstücksbuffet gab es für mich einfach Rührei, etwas Joghurt, ein paar Sonnenblumenkerne drüber und ein wenig frisches Obst. Im Restaurant Salat ohne Dressing oder ich bat einfach um etwas gebratenes Gemüse mit Fisch oder Fleisch – ohne sogenannte Sättigungsbeilage.

Aber wie oft unsere Kinder etwas Süßes angeboten bekommen haben, fand ich wirklich erstaunlich: beim Bäcker, am Markt, vom Hotelpersonal, von Bekannten und Freunden. Süß ist in unserer Gesellschaft als Verwöhn-Faktor eben fest verankert.

Zuckerfrei, Woche drei: Der Stoffwechsel stellt sich um

Dabei darf ich mittlerweile die Vorteile des nicht-süßen Lebens kennen lernen. Nachdem mein Körper am Anfang erst einmal mit der Ernährungsumstellung zu kämpfen hatte und mir das Ganze mit Pickeln, Müdigkeit, entsetzlichem Frieren und Kopfschmerzen dankte, habe ich das Schlimmste hier offenbar überstanden. Mein Stoffwechsel scheint umgestellt. Der „Entzug“ geschafft. Ein bisschen fühlte es sich so an.

Jetzt, wo mein Körper nicht mehr mit den Unmengen an Zucker klar kommen muss, habe ich plötzlich viel mehr Energie. Das sonst so übliche Mittagstief gibt es nicht mehr. Auch sonst fühle ich motivierter und voller Energie. Selbst früh komme ich kleiner Morgenmuffel mittlerweile deutlich besser in die Gänge. Für meinen Geschmack teilweise sogar etwas zu gut.

Mit dieser Diät hat Adèle 40 Kilogramm abgenommen
Mit dieser Diät hat Adèle 40 Kilogramm abgenommen

Die letzten drei Tage bin ich jeweils gegen fünf oder halb sechs aufwacht – und war hellwach. An Schlafen war nicht mehr zu denken. Also habe ich die neu gewonnene Zeit genutzt: Ich habe in Ruhe geduscht, während die Kinder noch selig schlummerten, habe Pausenbrote geschmiert und freiwillig (!) die Wohnung geputzt. Irre.

So geht die Ernährung nach Clean-Eating-Konzept

Gesundheitswissenschaftlerin Hannah Frey und Autorin des Buches „Zuckerfrei – Die 40-Tage-Challenge“ hatte mir bereits im Vorfeld prognostiziert, dass ich mich durch den Zuckerverzicht vermutlich bald im Alltag viel leistungsfähiger und fitter fühlen würde. Sie selbst hat vor knapp zehn Jahren angefangen, sich nach dem Clean-Eating-Konzept zu ernähren und sich in diesem Zusammenhang auch zunehmend mit dem Thema „Zucker“ beschäftigen und diesen immer weiter zu reduzieren.

Auslöser bei ihr war, dass sie sich während ihres Studiums sehr ungesund ernährt hatte und merkte, dass es ihr dadurch immer schlechter ging. Sie fühlte sich schlapp und war oft müde – was unter anderem daran lag, sagt sie, dass sie viel zu viel Zucker gegessen habe. Einer der Gründe, warum auch ich beschlossen hatte, mich der 40-Tage-Zuckerfrei-Challenge zu stellen.

Abnehmen ohne Zucker

Hannah Frey berichtete mir, dass sich bei ihr am Ende viele positive Auswirkungen zeigten, die sie bis heute noch motivieren, sich gesund und möglichst zuckerfrei zu ernähren.

  • Einmal die bereits erwähnte Leistungsfähigkeit.
  • Außerdem sei ihre Haut reiner geworden und sie habe ein paar Kilos verloren. Das ist bei mir nach der ersten Pickelattacke mittlerweile auch so.
  • Kilos gingen zum Start auch gleich ein paar runter, mittlerweile stagniert das Gewicht.

Allerdings muss man sagen: Eine zuckerfreie Ernährung ist per se nicht auf eine Gewichtsreduktion ausgelegt. Schließlich wird hier auch mit Nüssen, Nussmus, Kokosmilch und Co. gekocht – kleine Kalorienbomben.

Ich erfuhr ebenfalls, dass sich bei Hannah Frey auch der Geschmackssinn verändert habe. Nach einiger Zeit habe Süßes für sie plötzlich viel intensiver geschmeckt. Manchmal sogar so schlimm, dass die Autorin Essen, das sie früher mal sehr gerne mochte, heute gar nicht mehr essen könne, weil es ihr viel zu süß sein. Damit seien dann auch die Heißhungerattacken verschwunden.

40 tage ohne zucker- echt hart, aber drückt mir die daumen!

40 tage ohne zucker- mein stoffwechsel spielt verrückt

Beides kann ich auch bei mir bestätigen. Leider! Ich muss nämlich etwas beichten: Es gab da just einen dieser verdammten Tage… Ich war genervt. Sehr genervt. Eigentlich ein banaler Auslöser. Ich bin begleitend zur Challenge in einer Facebook-Gruppe. Nett zum Erfahrungsaustausch, für Fragen, Rezeptanregungen und zur Motivation. Man ist nicht so allein.

Fazit: Heißhungerattacken gehören der Vergangenheit an

Aber an jenem Morgen hatte mich jemand missverstanden, meinte mich analysieren zu müssen. Kluge Ratschläge zu geben – nur am eigentlichen Thema vorbei. Es fühlte sich übergriffig an. Ich war gekränkt.

Den ganzen Tag spürte ich diesen Drang. Mein Hirn, mein Körper so: „Frustessen, bitte!“ Völlig falsche Kompensationsmechanismen, ich weiß. Doch irgendwann war das kleine Schoko-Milch-Kügelchen im Mund. Und: Es schmeckte einfach nur pappig süß und verdammt künstlich. Ein paar Himbeeren hätten mich in diesem Moment definitiv glücklicher gemacht und ich habe mir geschworen, es nicht mehr so weit kommen zu lassen. Denn eigentlich, ja eigentlich sind meine Heißhungerattacken wirklich Vergangenheit und Hunger habe ich auch deutlich weniger.

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