Heilmittel

CBD: Helfen die Hanf-Produkte oder sind sie überflüssig?

Produkte mit dem Hanf-Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD) sollen Schmerzen lindern und beruhigend wirken. Experten sehen sie eher kritisch.

Zehn Milliliter eines CBD-Öls können je nach Anbieter bis zu 80 Euro kosten.

Zehn Milliliter eines CBD-Öls können je nach Anbieter bis zu 80 Euro kosten.

Foto: JETACOM AUTOFOCUS / Shutterstock

Berlin. Sie werden im Internet, in Reformhäusern, Apotheken und bald womöglich auch durch die Parfümerie-Kette Douglas vertrieben: Produkte mit dem Hanf-Inhaltsstoff Cannabidiol – kurz CBD – sind gefragter denn je.

Egal ob Öle, Kapseln, Kaugummis oder Tees – immer mehr Waren werden mit dem Wirkstoff und dem Versprechen beworben, unterschiedlichste psychische und körperliche Beschwerden zu lindern. „Es hilft mir bei Stress und Angst“, schwärmte Schauspielerin Jennifer Aniston erst kürzlich in einem Interview.

Längst preisen Hersteller und Prominente CBD als eine Art Allheilmittel an. Verbraucherschützer hingegen raten vom Konsum ab. Wundermittel oder Marketing-Trick? Was steckt dahinter?

CBD: Hanf-Produkte enthalten auch psychoaktive Substanzen

Anders als psychoaktives Tetrahydrocannabinol (THC), das als Cannabis-Inhaltsstoff weit bekannter sein dürfte, wirkt Cannabidiol nicht berauschend, sondern lediglich beruhigend. Der Wirkstoff macht weder fahruntauglich noch süchtig. CBD-Produkte enthalten zwar ebenfalls THC, allerdings maximal 0,2 Prozent. Dieser Gehalt gilt als unbedenklich.

Was CBD für die Gesundheit leisten kann, ist allerdings unklar. Es gibt zwar Hinweise auf seine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung. „Klinische Langzeitstudien fehlen jedoch. Das liegt vor allem daran, dass CBD lange nicht im Fokus der medizinischen Wissenschaft stand“, sagt Psychiater Markus Leweke vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim.

Rechtslage bei Cannabidiol ist strittig

Auch Fragen zu Dosierung, Sicherheit und Wechselwirkungen sind bislang weitestgehend ungeklärt. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA äußerte sich besorgt darüber, Konsumenten würden irrtümlicherweise glauben, CBD könne ihnen „nicht schaden“. Die Behörde warnte, dass je nach Dosierung Nebenwirkungen wie Fieber, Erbrechen, Durchfall und sogar Leberschäden auftreten können.

„Besonders sensible Zielgruppen wie Kinder, Jugendliche und Schwangere müssen geschützt werden“, sagt Wiebke Franz, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen. „Wir raten deshalb ausdrücklich vom Verzehr ab.“

Doch wenn sie gar nicht so unbedenklich sind, wie viele Verbraucher glauben, warum stehen Öle und Co dann überhaupt im Drogerieregal? „Weil die Rechtslage strittig ist“, sagt Franz. Die Hersteller würden ihre Hanfprodukte nicht als sogenannte neuartige Lebensmittel (Novel Food), sondern als Nahrungsergänzungsmittel oder eben Kosmetik anmelden. Dadurch umgehen sie die Novel-Food-Verordnung der Europäischen Union.

CBD-Produkte: Ein Spiel mit der Hoffnung kranker Menschen?

Die Novel-Food-Verordnung besagt, dass neue Lebensmittel erst dann auf dem Markt landen dürfen, wenn sie eine Zulassung erhalten haben. Bisher liegen für CBD-Produkte aber ausschließlich Anträge vor. Aus Sicht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) dürften sie deshalb gar nicht verkauft werden. Die unterschiedlichen Rechtsauffassungen beschäftigen derzeit die Gerichte. Und so lange diese rechtliche Grauzone existiert, werden die Hanfprodukte auch weiterhin angeboten.

Obwohl CBD-Produkte Arzneimitteln durch ihre Aufmachung und Verpackung optisch ähneln können, gelten die Präparate nicht als Medikamente. Herstellern ist es deshalb untersagt, Empfehlungen zur Dosierung zu geben oder irgendeine Wirkung zu versprechen.

Produktwerbungen, die konkrete Hilfe bei Schlafstörungen, Depressionen oder Menstruationsbeschwerden anpreisen, sind deshalb verboten – existieren im Internet, einem der Hauptumschlagsplätze für CBD, aber trotzdem. Ein Spiel mit der Hoffnung kranker Menschen?

Forscher: „Cannabidiol ist eine vielversprechende Substanz“

Als Medikament zugelassen ist bislang nur ein einziges CBD-Präparat. Die Arznei mit dem Namen Epidiolex lindert die Zahl der Krampfanfälle bei zwei schweren und seltenen Epilepsieformen bei Kindern. An der Berliner Charité wird aktuell außerdem in einer Studie erforscht, ob der Wirkstoff Menschen mit Schizophrenie helfen könnte.

„Cannabidiol ist eine vielversprechende Substanz. Es besteht aber ein großer Unterschied zwischen medizinischem, hoch dosiertem CBD und beispielsweise frei verkäuflichen Ölen“, betont Leweke, der selbst seit Jahren an dem Hanf-Wirkstoff forscht. Die etwa in Drogerien erhältlichen Produkte seien fast immer so niedrig dosiert, dass sie keine Wirkung hätten.

Doch warum berichten Konsumenten dann, dass CBD-haltige Präparate Schmerzen oder gar Angstzustände lindern würden? „Dahinter steckt meiner Meinung nach nur ein Placeboeffekt“, sagt Leweke. Verbraucher sollten sich fragen, ob sie nicht lieber auf herkömmliche Medikamente vertrauen wollen, statt viel Geld für Produkte auszugeben, deren Wirksamkeit überhaupt nicht nachgewiesen ist, so der Mediziner. Zehn Milliliter eines CBD-Öls können je nach Anbieter immerhin bis zu 80 Euro kosten.

Lebensmittelüberwachung prüft Verunreinigungen und Kennzeichnung

Ein weiteres Problem: Untersuchungen haben gezeigt, dass die angegebene CBD-Dosierung auf Produkten nicht immer der Wahrheit entspricht. Bei Stichproben wurde mal mehr, mal weniger des Wirkstoffes nachgewiesen. Die Kontrollen werden von den einzelnen Bundesländern durchgeführt.

Deren Lebensmittelüberwachung prüft unter anderem, ob etwa Cannabidiol-Öle mit THC verunreinigt oder vorschriftsmäßig gekennzeichnet sind. „Bei manchen Produkten ist trotz Zutatenliste nicht klar ersichtlich, was wirklich drinsteckt“, sagt Verbraucherexpertin Franz. In den vergangenen Monaten wurden bereits einige Produkte vom Markt genommen, weil sie den Grenzwert von 0,2 Prozent THC bei Stichproben überschritten haben sollen.

Doch obwohl weder der rechtliche Status noch die Wirksamkeit von Cannabidiol abschließend geklärt sind, ist ein Ende des Booms nicht in Sicht. Nach Angaben des amerikanischen Marktforschungsinstitutes Brightfield Group soll der europäische CBD-Markt von 291 Millionen Euro im Jahr 2018 bis 2023 auf fast 1,5 Milliarden Euro ansteigen. Ein lukratives Geschäftsfeld, das auch mehr und mehr Einzelhändler für sich entdecken.

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CBD-Produkte bald bei Douglas?

Darunter das Berliner Cannabis-Start-up Sanity Group. Unter der Marke Vaay vertreibt es seine Hanf-Wellnessprodukte längst im Internet und eröffnet nun auch seine erste Filiale in der Hauptstadt. Dort wollen die Gründer Finn Hänsel und Fabian Friede unter anderem Badekugeln, Öle und Kosmetik anbieten. Darunter ein mit CBD angereichertes Mundspray, das Anwendern „Momente der Balance und des Wohlbefindens“ verschaffen soll. Kostenpunkt: 64,90 Euro.

„Wir investieren sehr viel Zeit und Geld in die Entwicklung von hochwertigen und wirkungsvollen Produkten. Daher vertrauen wir darauf, dass unsere Kunden die Wirkung spüren“, sagen die Geschäftsführer auf Nachfrage. Ihre Produkte könnten bald sogar in den Regalen einer Parfümeriekette stehen. Angeblich sollen sie mit Douglas im Gespräch sein. Das Unternehmen wollte eine mögliche Zusammenarbeit auf Anfrage nicht bestätigen.

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Der Cannabis-Stoff CBD soll bei Ängsten, Schmerzen und Schlafproblemen helfen. Der Markt wächst rasant. Was steckt hinter dem Hype? Die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung schlägt neue Töne an. Die CSU-Politikerin will Abhängige aus der Schmuddelecke holen – und fordert bei Cannabis einheitliche Regeln. Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen gibt es bei Lidl schon lange. Doch in einigen Filialen kamen auch Cannabis-Produkte hinzu.