Selbstversuch

40 Tage ohne Zucker: Mein Stoffwechsel spielt verrückt

Seit zwei Wochen verzichtet unsere Autorin auf Zucker. 26 Tage kommen noch. Auf der Waage macht sich der Verzicht schon bemerkbar.

Mit dieser Diät hat Adèle 40 Kilogramm abgenommen

Sirtfood lautet der Name der neuen Diät. Welche Lebensmittel man dabei essen darf, verrät das Video.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Die ersten beiden Wochen meiner 40-Tage-Zuckerfrei-Challenge habe ich überstanden. Bereits seit 14 Tagen ist bei mir Schluss mit zuckrig! 26 weitere folgen. In dieser Zeit verzichte ich nicht nur auf Industriezucker, sondern auch auf seine natürlichen Alternativen wie Agavendicksaft, Sirups, Kokosblütenzucker oder Honig sowie zusätzlich auch auf künstliche Süßstoffe und Alkohol.

Auch Reis, Getreide und Getreideprodukte sind selbst in der Vollkornvariante die ersten vier Wochen tabu, genauso wie stärkehaltiges Gemüse (Mais, Kartoffeln und Süßkartoffeln). Und das habe ich bislang tatsächlich geschafft. Ein kleiner Triumph.

Zuckerfrei: Vier Kilo weniger nach zwei Wochen

Ich habe mein Ziel vor Augen und das hilft mir durchzuhalten. Ich will meinem Körper langfristig etwas Gutes tun, gesünder leben. Meinen Kindern ein Vorbild sein. Und wenn sich dabei auch noch mein Body-Mass-Index (BMI) verbessert und ich mich dadurch in meiner Haut wieder wohler fühle, wäre das großartig. Denn mein BMI liegt bei 30,4 und damit habe ich „leichtes Übergewicht“ im tendenziell oberen Bereich.

Und tatsächlich zeigt die Waage bereits nach den ersten 14 Tagen vier Kilo weniger. Klar, das ist wohl überwiegend Wasser und kein Fett, dass ich da verloren habe. Trotzdem fühlt es sich gut an und ist eine Belohnung für die bislang teils doch sehr anstrengende Zeit. Denn Hand aufs Herz: Leicht gefallen ist mir das ganze Zuckerfrei-Projekt bislang nicht immer. Und das hat gleich mehrere Gründe.

Ich koche jetzt doppelt: Für meine Kinder – und für mich

Zwei davon sind sehr klein. Der eine Grund ist gerade mal zwei, der andere vier Jahre alt. Und auch wenn wir in der Familie schon lange versuchen, uns halbwegs gesund und ausgewogen zu ernähren, ist Mamas neuer Speiseplan für die beiden Kleinen doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Während ich mich quer durchs Gemüsebett probiere und teils ganz neue Zubereitungsarten kennenlerne, essen die Beiden Gemüse am Liebsten roh und in Form von Paprika, Gurke, Kohlrabi und Möhren.

Das heißt, ich koche mittlerweile oft doppelt oder wandle meine Gerichte für die Kinder ab. Als wäre eine zuckerfreie Ernährung nicht ohnehin schon zeitintensiv genug, da man eben kaum noch auf Fertigprodukte zurückgreifen kann wenn es mal schnell gehen muss.

Die selbstgemachte zuckerfreie Gemüsebrühe ist der Hit

Das stellt mich – voll berufstätig und unter der Woche alleinerziehend – zugegebenermaßen vor zeitliche Herausforderungen und verlangt mir ein gehöriges Maß an Planung und wohl überlegtem Zeitmanagement ab. Die Gefriertruhe und meine alten Frischhalteboxen gehören da zu lieb gewonnenen Helfern. Ich habe gelernt, einfach immer gleich etwas mehr zu kochen und für die kommenden Tage oder Wochen einzufrieren.

Alles Lüge: Diese 3 Diät-Mythen stimmen nicht
Alles Lüge- Diese 3 Diät-Mythen stimmen nicht

Auch die selbstgemachte zuckerfreie Gemüsebrühe ist der Hit. Meine Kinder lieben nämlich Nudelsuppe mit Karotten und Erbsen. Das geht schnell und wenn ich dafür Linsennudeln verwende, kann sogar ich die Suppe essen.

Auch Erbsen- oder Kichererbsennudeln wären möglich. Die schmecken meinen Kindern aber leider nicht und auch mir nur, wenn eine reichhaltige Soße mit viel Gemüse und gerne auch etwas reinem Erdnussmus oder Kokosmilch, deren Eigengeschmack etwas abmildert. Hirse und Quinoa sind je nach Zubereitungsart ok, aber nicht der Renner.

Teil 1 der Challenge: Echt hart, aber drückt mir die Daumen!

Teil 2 der Challenge: Welche Lebensmittel darf ich einkaufen?

Mein Mann baut das Pfefferkuchenhaus – dieser Geruch im Haus!

Leider teilt auch mein Mann die von mir neu entdeckte Liebe zu Quinoa nicht, versucht mich aber an den Wochenenden, wenn er daheim ist, so gut es geht zu unterstützen. Bereitet mir ein zuckerfreies Frühstück vor, nimmt mir die Kinder ab – und baut mit ihnen endlich das noch von Weihnachten liegen gebliebene Pfefferkuchenhaus. Herrlich dieser Geruch im Haus. Und am Abend gibt’s dann ein schönes, kaltes Glas Cola. Schließlich braucht er ja wieder etwas Energie. Zisch. Ahhh.

Ich habe die Verlockungen also ständig vor der Nase – muss sie in Form von Nudeln teils sogar selbst zubereiten. Das ist bisweilen sehr hart, auch wenn es mir leichter fällt auf Süßigkeiten und Zucker zu verzichten, als ich befürchtet hätte.

Statt Haushaltszucker – das sind fünf Alternativen
Statt Haushaltszucker – das sind fünf Alternativen

Nach dem gemeinsamen Abendessen snacke ich mittlerweile gar nichts mehr, auch wenn Nüsse, Gemüsesticks, Käsewürfel oder etwas Obst ja erlaubt wären. Ich habe aber für mich gemerkt, dass dieses Nebenbei-Essen meine Lust auf etwas „richtiges“ zum Naschen leider eher noch verschärft.

Er warnte: Allein der Verzicht auf Zucker ist nicht die Lösung

Als ich Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung bei meiner Recherche zu einem Zucker- und einem Diättext von der Challenge berichtete, hat er mich bereits gewarnt: Weniger Zucker sei zwar ein guter Anfang. Es solle einem aber bewusst sein, dass allein der Verzicht auf den Zucker nicht die Lösung ist. Man müsse auch schauen, warum man in der Vergangenheit so viel Zucker gegessen habe und sich diese Gewohnheiten im eigenen Leben eingebürgert hätten.

Gründe dafür gibt es viele: Der eine hat vielleicht einfach zu wenig Zeit, etwas anderes, etwas Vernünftigeres zu essen. Andere sind gezwungen, ihre Energiezufuhr irgendwie in kurze Pausen zu stopfen. Auch Faulheit und Unwissenheit können eine Rolle spielen.

Wieder andere haben viel Stress und es wird nach zusätzlichen Belohnungsreizen gesucht. Und Zucker löst im Hirn evolutionsbedingt eben leider Belohnungsreize aus. Letzteres spielte wohl bei mir auch eine Rolle. Dragierte Erdnüsse, Gummibärchen und Co. waren als Nervennahrung treue Begleiter.

Mehrheit will weniger Zucker in Lebensmitteln für Kinder

Brandy Melville: Modermarke verleitet Teenies zu Diätattacken

Ich bekomme Pickel, friere und bin ständig müde

Der radikale Zucker-Verzicht von einem auf den andren Tag war da für mich gefühlt genau das Richtige. Ich schaffe es tatsächlich mit meinem gewohnten Mustern zu brechen – und hoffe, das bleibt auch so. Dass meinem Körper dieser plötzliche Verzicht aber nicht so leicht fällt, wie meinem Kopf, merke ich auch.

Und damit verbunden sind weitere Gründe, warum die letzten Tage nicht immer einfach waren: Ich bekomme Pickel, friere wie sonst noch nie in meinem Leben und bin gefühlt ständig müde. Kurz. Mein Stoffwechsel spielt verrückt. Er stellt sich um. Auch wenn es hart ist – ich sollte es vermutlich als gutes Zeichen werten.