Technik

Zehn Jahre Apple iPad: Wo steht das beliebte Tablet heute?

Steve Jobs läutete mit Apples iPad im Januar 2010 die Ära der flachen Alleskönner ein. Was die aktuellen Tablet-PCs können und kosten.

Das iPad von Apple galt lange Zeit als Platzhirsch auf dem Tablet-Markt. Ist das auch zehn Jahre nach Markteinfühung noch so?

Das iPad von Apple galt lange Zeit als Platzhirsch auf dem Tablet-Markt. Ist das auch zehn Jahre nach Markteinfühung noch so?

Foto: dpa Picture-Alliance / Uncredited / picture alliance/AP Photo

Berlin. Schwarzer Rollkragenpulli, lockere Jeans, graue Turnschuhe: In seinem typischen Outfit steht Apple-Chef Steve Jobs am 27. Januar 2010 auf der Bühne und enthüllt stolz das neueste Apple-Gerät. Hinter ihm auf der Leinwand: links das zwei Jahre zuvor gestartete iPhone, rechts der Apple-Laptop Macbook.

Was Jobs dann zwischen beiden virtuell einfliegen lässt, sollte das Beste aus beiden Welten vereinen: Das iPad war geboren. Die Mischung aus Smartphone und Laptop-Computer.

iPad-Hype: Plötzlich war die Computerwelt eine Scheibe

Zwar war das iPad nicht der erste Tablet-Computer. Doch erst Apple gelang es, mit der flachen Neuschöpfung einen Hype zu erzeugen und die Nischensparte Tablet-PC für die breite Masse attraktiv zu machen. Plötzlich war die Computerwelt eine Scheibe. Trotz mancher Kritik an fehlender Ausstattung wie einem USB-Anschluss oder einer Kamera: Das iPad traf einen Nerv und feierte den bis dahin erfolgreichsten Verkaufsstart eines Elektronikprodukts für den Massenmarkt. In knapp einem Monat verkaufte Apple eine Million Stück – das iPhone brauchte dafür die doppelte Zeit. Neun Monate nach dem Start waren es 15 Millionen.

„Viele Kollegen waren neidisch, man hatte plötzlich sehr viel Besuch im Büro“, erinnert sich Kirstin Wethekam lachend. „Wenn man damit unterwegs war, war das ein richtiger Hingucker, das hatte nicht jeder.“ Wethekam ist heute bei der Stiftung Warentest Projektleiterin im Team Multimedia. 2010 gehörte sie zu den Ersten, die in Deutschland das berüchtigte Apple-Tablet auf Herz und Nieren testen durften.

„Die Gemüter waren gespalten“, sagt sie heute. Manche hätten es bloß für einen großen iPod Touch gehalten, den tragbaren Musikspieler von Apple. Bei den meisten Nutzern aber sei der handliche Computer dann aber schnell sehr beliebt gewesen.

Zwei Jahre beherrschte das iPad den Tablet-Markt allein

Die Vorzüge lagen damals wie heute auf der Hand: ein im Vergleich zum Smartphone größerer Bildschirm, der sich per Fingertipp einfach bedienen lässt und zum Videoschauen, Internetsurfen, Spielen oder Zeitschriftenlesen einlädt. Dazu die recht lange Akkulaufzeit – für viele das ideale Sofa-Utensil.

Zwei Jahre lang konnte sich Apple mit dem iPad im Tablet-Triumph sonnen. Erst dann zogen Android-Konkurrenten wie Samsung, Amazon oder Mi­crosoft langsam nach. 2013 erreichten die Verkaufszahlen des iPad mit 70 Millionen Stück ihren Höhepunkt. 2018 waren es nur noch gut 43 Millionen.

Der Rückgang beim gesamten Tabletverkauf verwundert kaum: Tablets werden weniger häufig ersetzt als Smartphones, und wirkliche Neuerungen halten sich in Grenzen. Leistung, Speicherplatz und Bildschirmauflösung werden von den Herstellern Jahr für Jahr ein Stück nach oben geschraubt. Einiges getan hat sich seit 2010 aber bei den Formaten.

Mit dem kleineren iPad Mini und dem größeren iPad Pro versucht nicht nur Apple seit Jahren, abseits der üblichen Maße von neun bis zehn Zoll mehrere Zielgruppen, Geschmäcker und Geldbeutel abzudecken. Für eine wachsende Modellvielfalt sorgte in der Vergangenheit aber vor allem die Android-Fraktion um Samsung und Lenovo. Ungeachtet der Größe: Tablet-PCs sind heute aus den meisten Haushalten nicht mehr wegzudenken.

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Sechs von zehn sind auf dem Tablet unterwegs

Heute nutzen sechs von zehn Bundesbürgern (58 Prozent) zumindest hin und wieder privat oder beruflich ein Tablet, bei Kindern zwischen sechs und neun Jahren sind es sogar 79 Prozent. Das ergab eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom. „Tablet-Computer bieten ein Maximum an Multifunktionalität“, kommentiert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder die Studie.

„Mit ihnen lassen sich Fernsehgeräte ebenso steuern wie die Heizung und ganze Industrieanlagen, sie sind gleichermaßen Unterhaltungs- und Informationszentrale in Privathaushalten, dienen Ärzten bei der Visite am Krankenbett und Lehrern beim Unterricht.“

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine aktuelle Yougov-Studie im Auftrag des Portals Ebay Kleinanzeigen. Demnach besitzen 63 Prozent der Deutschen ein Tablet. Gut jeder vierte Tablet-Besitzer (28 Prozent) nutzt dabei ein iPad. Verbreiteter sind mit 38 Prozent aber Tablets von Samsung.

„Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Topgeräten von Apple und Samsung“

Doch Anfang 2020 gehört Apple technisch immer noch zu den Vorreitern im Tablet-Kosmos. Vom einst klaren Vorsprung kann aber keine Rede mehr sein, meint auch Kirstin Wethekam. „Wir haben ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Topgeräten von Apple und Samsung“, fasst sie die Ergebnisse der Stiftung Warentest zusammen.

Das iPad Pro und das Samsung Galaxy Tab S6 geben derzeit technisch den Ton an. Beide sind mit Preisen ab rund 650 Euro beim Samsung-Modell und rund 800 Euro beim iPad Pro eher kostspielig. Dafür lassen sich beide auf Wunsch mit einer Tastatur erweitern oder per Stift bedienen und sind daher auch für Profis interessant. Die Ausstattung erlaubt es sogar, Filme zu schneiden und Fotos zu bearbeiten, präzise zu zeichnen und aufwendige Spiele darzustellen.

Für das heimische Sofa genügen allerdings auch günstigere Tablet-Modelle für unter 350 Euro, wie etwa das Samsung Galaxy Tab S5e oder das Standard-iPad von Apple, bestätigt Wethekam: „Die Mittelklassegeräte, die wir testen, haben ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.“

Enthüllt Apple 2020 ein neues iPad?

Für das laufende Jahr erwartet die Bitkom-Studie hierzulande mit 6,38 Millionen verkauften Geräten einen leichten Anstieg. Dafür will auch Platzhirsch Apple zehn Jahre nach dem iPad-Start sorgen. Beobachter gehen von einem neuen iPad Pro im Frühjahr aus. Das Modell könnte die Dreifachkamera vom iPhone 11 Pro erben, um Objekte auf dem Display räumlich noch besser darzustellen. Zudem soll es den neuen Mobilfunkstandard 5G unterstützen. (mit dpa-Material)

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