Lungenkrankheit

Coronavirus: So sinnvoll sind Masken und Mundschutz

Aus Angst vor dem Coronavirus greifen viele Menschen zu Schutzmasken. Auch Promis empfehlen sie. Doch bieten sie ausreichend Schutz?

So nähen Sie sich selbst einen Mundschutz

Wegen der Coronakrise bekommt man kaum noch Mundschutz-Masken zu kaufen. Doch mit dieser Anleitung können Sie selbst einen nähen, mit dem Sie Ihre Umgebung schützen können.

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Berlin. 
  • Immer mehr Menschen stecken sich auch hierzulande mit dem Coronavirus an: Derzeit gibt es in Deutschland mehr als 92.000 Infektionen und mehr als 1300 Todesfälle (Stand: 4. April)
  • Immer mehr Menschen wollen sich mit Atemmasken und Mundschutz vor dem Virus schützen
  • Das Tragen kann jedoch ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen. Einige vernachlässigen dadurch beispielsweise eine gute Händehygiene
  • Dennoch: Das Robert-Koch-Institut (RKI) sagt, das Tragen einer Maske könnte das Risiko einer Übertragung von Viren auf andere mindern
  • Wir erklären, warum viele Masken keinen richtigen Schutz vor dem Coronavirus bieten und worauf es bei der Wahl der richtigen Maske ankommt

Das Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich weltweit immer weiter aus. Das öffentliche Leben wurde in fast allen Ländern nahezu komplett heruntergefahren. Die Angst vor der Pandemie allerdings hat viele Menschen schon vor Wochen ergriffen und sie dazu gebracht, nach Schutzmaßnahmen zu suchen.

Viele Menschen suchen diesen Schutz in Mundschutz- und Atemmasken. Die Nachfrage ist seit dem Bekanntwerden der ersten Fälle in Deutschland rasant gestiegen. In Apotheken und Drogeriemärkten waren die Masken schnell vergriffen.

Doch helfen die einfachen Schutzmasken überhaupt? Wir klären die wichtigsten Fragen.

• News-Ticker: Alle aktuellen Infos zur Coronavirus-Pandemie

Mundschutz gegen Coronavirus – hilft das wirklich?

Nach Ansicht des Robert-Koch-Instituts (RKI) könnte eine Maske das Risiko einer Übertragung von Viren auf andere mindern. Eine Maske zu tragen könne auch für Menschen ohne Symptome sinnvoll sein. Wissenschaftlich belegt sei das aber nicht, teilte die Behörde am Donnerstag in einer neuen Einschätzung mit. Zuvor hatte das RKI den Mundschutz nur Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen empfohlen.

Am Freitag veröffentliche die Akademie der Wissenschaft Leopoldina eine Stellungnahme zur Wirksamkeit von Schutzmasken und spricht sich klar für das Tragen dieser aus. „Da sich eine große Zahl unerkannt Erkrankter ohne Symptome im öffentlichen Raum bewegt, schützt ein Mund-Nasen-Schutz andere Menschen.“ Ein Mund-Nasen-Schutz diene eingeschränkt auch unmittelbar dem Eigenschutz.

Nicht jeder, der mit Sars-CoV-2 infiziert ist, bemerke das auch, hieß es jetzt. Manche Infizierte erkrankten gar nicht, könnten den Erreger aber trotzdem weitergeben. Eine Maske könne das Risiko womöglich minimieren. Regeln zum Husten und Niesen, zur Händehygiene und zum Mindestabstand sollten auch mit Masken weiterhin eingehalten werden.

Das RKI fügte hinzu, es gebe keine hinreichenden Belege dafür, dass ein Mund-Nasen-Schutz oder eine selbstgenähte Maske einen selbst vor einer Ansteckung schützt.

Kommt auch in Deutschland wegen der Coronavirus-Pandemie eine Maskenpflicht?

Zumindest wurde eine Maskenpflicht bereits in der Politik diskutiert. In anderen Ländern, zum Beispiel in Tschechien, darf man mittlerweile nur noch mit Mundschutz auf die Straße gehen. Zunächst jedoch, so hieß es von Spitzenpolitikern, wolle man nur auf eine Empfehlung zum Maskentragen setzen, damit die ohnehin knappen Masken nicht dort fehlen, wo sie dringend gebraucht werden, also in Krankenhäusern, in Pflegeheimen, bei der Polizei.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat nun Atemschutzmasken für alle Arbeitnehmer gefordert. „Jeder Arbeitnehmer sollte, wenn er das möchte, die Chance haben, eine solche Maske zu tragen“, sagte Altmaier bei „Bild Live“ am Freitag. Deutschland müsse sich darauf einstellen, „dass wir sehr viel mehr Masken brauchen werden – nämlich nicht nur die medizinischen Masken für die Ärzte, für das Pflegepersonal in den Krankenhäusern, in den Altenheimen, in den Pflegeheimen, sondern eben auch im Alltag, in den Betrieben, in den Werkstätten.“

Altmaier sagte zur Begründung: „In Südkorea hat man sehr früh auf das Tragen von Masken gesetzt. Und es hat offenbar funktioniert.“ Wenn man das Beispiel Südkorea auf Deutschland umlege, „dann würden wir etwa für zwei Monate anderthalb Milliarden Masken benötigen“. Das sei zwar „sehr, sehr viel“, doch „ein Land wie Deutschland kann das stemmen“.

Selbst Donald Trump, der wochenlang die Coronavirus-Pandemie kleinredete, hat den US-Bürgerinnen und -Bürgern nun empfohlen, Mund- und Nasenschutz zu tragen. Zum Bedecken von Mund und Nase könnten Schals oder selbstgemachte Masken zum Einsatz kommen, sagte der US-Präsident. Medizinische Schutzmasken sollten aber dem Fachpersonal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen vorbehalten bleiben.

• Anleitung So kann man sich in Zeiten des Coronavirus Mundschutz und Atemmasken selbst nähen.

Coronavirus: RKI warnt vor zu großem Sicherheitsgefühl bei Maskenträgern

Bereits zuvor hatte das RKI davor gewarnt, dass das Tragen einer Maske auch einen gegenteiligen Effekt haben könnte. „Nach Angaben der WHO kann das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen, durch das zentrale Hygienemaßnahmen wie eine gute Händehygiene vernachlässigt werden können“, heißt es auf der Website des RKI.

Ähnlich sieht es Marylyn Addo, Professorin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): „Wenn die Masken nicht richtig angewendet werden, können sie mehr schaden als helfen.“ Denn die Menschen würden sich dann in falscher Sicherheit wiegen und zum Beispiel trotz Sorge um das Coronavirus die Handhygiene vernachlässigen. Anders verhält es sich in den Ausbruchsgebieten, dort sollte man eine Mund-Nase-Schutzmaske im öffentlichen Raum tragen.

Die wichtigste und effektivste Maßnahme seien stattdessen eine gute Händehygiene, korrekte Husten- und Niesetikette und das Einhalten eines Mindestabstands von einem bis zwei Metern von krankheitsverdächtigen Personen.

Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hieß es dazu, die Masken würden nicht als Vorbeugung für Gesunde empfohlen, sondern für Patienten und Menschen, die sich möglicherweise angesteckt haben – damit sie das Virus nicht verbreiten.

Das sagt Coronavirus-Experte Christian Drosten zu Mundschutz und Atemmasken

Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der aktuellen Pandemie, hält das Tragen der Masken zumindest nicht für völlig abwegig, sagte er im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. Wenn jemand beim Tragen eines solchen Mundschutzes ein gutes Gefühl habe, könne man das ruhig machen, so Drosten.

Allerdings reduzieren schon einfache medizinische Masken die Verbreitung von Corona- und Influenzaviren, wie Drosten auf Twitter erklärte. Der Virologe verwies dabei auf eine Studie zahlreicher Experten, die am Freitag veröffentlicht worden war.

Er räumte jedoch mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: „Man denkt immer, man schützt sich selbst mit der Maske, in Wirklichkeit schützt man aber andere.“ Bei feuchter Aussprache etwa könne auch ein einfacher Mundschutz grobe Tröpfchen des Mundschutz-Trägers abhalten. Das Einatmen eines mittelgroßen Aerosols, das gerade in der Luft stehe, werde aber wahrscheinlich nicht dadurch abgehalten.

Müsste aus gesellschaftlichem Druck heraus jeder eine Maske tragen, dann fange die Maßnahme an, sehr viel Sinn zu machen: Dann sei zu erwarten, dass eine Infektionsausbreitung, allerdings nur im Nahbereich, etwas verringert werde, so Drosten. Wegen der kulturellen Unterschiede zwischen Europa und Asien glaube er aber nicht daran, dass das Maskentragen in der westlichen Gesellschaft Standard wird.

Diese Virologen haben das Regiment übernommen
Diese Virologen haben das Regiment übernommen

Drosten bekräftigte, dass es keine wissenschaftlichen Daten für die Wirkung einfacher chirurgischer Masken und sogenannter FFP2-Schutzmasken gebe. „Wogegen die normalen Masken schützen, ist vielleicht der häufige Griff an Mund und Nase – also die Schmierinfektion“, so Drosten.

Im Zuge der Sars-Epidemie 2002/2003 hätten einige Studien für sogenannte FFP3-Masken einen schützenden Effekt nahelegen wollen, sagt Drosten. „Das waren aber keine normalen Masken, wie man sie in Asien auf der Straße sieht oder bei uns im OP, sondern spezielle Feinpartikelmasken.“ FFP3-Masken schlössen ganz dicht am Gesicht ab und hätten belegbar einen Infektionsschutz für solche Arten von Viren.

Um Ärzte, Pfleger und andere Mitarbeiter des Gesundheitssystems für den Kampf gegen die Pandemie zu wappnen, kommt jetzt auch staatlich organisierter Nachschub in Gang. Zehn Millionen dringend benötigte Atemschutzmasken sollen an Praxen und Krankenhäuser verteilt werden, wie das Bundesgesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte. In Heimen sollen Sonderregelungen die ohnehin am Limit arbeitenden Pflegekräfte entlasten. Die Praxisärzte wollen sich als eine Art Bollwerk vor die Kliniken stellen.

Promi-Kampagne ermutigt zum Tragen von Mundschutz und Atemmasken

Die Aussage von Christian Drosten, dass das Infektionsrisiko durch kollektives Tragen von Schutzmasken in der Öffentlichkeit verringert werden könne, griff eine Kampagne von mehreren Prominenten auf. Auf www.maskeauf.de fordern unter anderem Lena Meyer-Landrut, Jan Böhmermann und Joko Winterscheidt: „#maskeauf!“.

Auf der Internetseite der Kampagne sind unter anderem Infos über den Nutzen von Schutzmasken, ein paar wissenschaftliche Erklärungen zur Pandemie und eine Anleitung zu finden, mit der man sich selbst eine Atemschutzmaske basteln kann. „Weil die medizinischen Masken in die Medizin gehören, basteln wir sie uns selbst“, heißt es auf der Seite. „Damit schützen wir alle.“

Atemmasken für medizinisches Personal sehr wichtig – WHO warnt

Für medizinisches Personal sind Masken unabdingbar. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte zu Beginn der Epidemie und der ersten Masken-Hamsterkäufe in Europa, dass die Versorgung mit Atemmasken gerade in Kliniken sichergestellt sein müsse.

„Wir können Covid-19 nicht aufhalten, ohne unsere Gesundheitspersonal zu schützen“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Die Vorräte gehen rapide zur Neige.“ Die Preise für OP-Masken hätten sich versechsfacht, die für Beatmungsgeräte verdreifacht und für Schutzkleidung mehr als verdoppelt.

Tedros sagte, dass die weltweite Versorgung mit persönlicher Schutzausrüstung um 40 Prozent gesteigert werden müsse, und forderte die Regierungen auf, den Herstellern Anreize zu bieten. Nach Schätzung der WHO werden jeden Monat etwa 89 Millionen Atemschutzmasken gebraucht und 76 Millionen Untersuchungshandschuhe.

Erhöhte Nachfrage nach Mundschutz führt zu Abzocke

Die EU-Kommission hatte zu Beginn der Epidemie in Europa vor Geschäftemachern gewarnt, die überteuerte Mittel gegen das Coronavirus verkaufen. Händler insbesondere auf Online-Plattformen spielten „mit den Ängsten der Verbraucher, die durch den Ausbruch von Covid-19 in der EU ausgelöst wurden“, erklärte Justizkommissar Didier Reynders am Donnerstag. Seine Behörde kündigte ein abgestimmtes Vorgehen mit nationalen Verbraucherschutzbehörden gegen diese Praxis an.

Auch Renate Künast machte im Gespräch mit unserer Redaktion auf das Problem aufmerksam: „Es ist Verbraucherabzocke, wenn Anbieter das Coronavirus nutzen, um ‚Schutz-Artikel‘ überteuert an die Frau und den Mann zu bringen.“ Zudem rief die Grünen-Politikerin dazu auf, sich auf „seriösen Internetseiten wie zum Beispiel beim Robert-Koch-Institut (RKI) über Schutzmaßnahmen gegen das Corona-Virus zu informieren, anstatt „Hals über Kopf Hamsterkäufe zu starten“.

Seit Beginn der Epidemie habe es laut Reynders „einen Anstieg von unseriösen Händlern, die online falsche Produkte verkaufen, die angeblich vor dem neuen Virus schützen oder dieses heilen können“, erklärte die EU-Kommission. Betroffen seien etwa Waren wie Masken, Hauben und Handdesinfektionsmittel. Diese würden „zu sehr hohen Preisen“ verkauft, indem auf zu Neige gehende Lagerbestände verwiesen werde.

Einwegmasken, wie sie etwa Ärzte tragen, sind normalerweise Cent-Artikel: Eine Packung mit 50 Masken kostete bis zum Ausbruch des Coronavirus beispielsweise wenige Euro.

Bei Drittanbietern, die die Masken auf dem Amazon-Marketplace angeboten haben, waren die Preise zwischenzeitlich jedoch exorbitant gestiegen. Wer auf der deutschen Amazon-Seite nach „Mundschutz“ suchte, bekam beispielsweise 50 Einwegmasken für 90 Euro angeboten, ein Angebot liegt sogar bei weit über 100 Euro.

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Atemmasken und Mundschutz: Abzocke auf Amazon und Ebay

Ebay zog daraus Konsequenzen und verbot den Verkauf von Atemschutzmasken, Hand-Desinfizierern und anderen antibakteriellen Reinigungsprodukten auf seiner US-Website. Das Unternehmen begründete den Schritt mit rechtlichen Bedenken und unfairen Preisen in Verbindung mit dem Coronavirus. Das Unternehmen werde alle Angebote außer Bücher, deren Produktbeschreibung in Zusammenhang mit dem Virus steht, im Blick behalten und schnell entfernen.

Auch Amazon war bereits dagegen vorgegangen, dass Verkäufer aus der Angst vor einer Ausbreitung des Virus Profit schlagen. Der Online-Händler ging gegen Anbieter vor, die mit Wucher-Preisen auf die Handelsplattform Amazon-Marketplace drängten. Didier Reynders begrüßte die Reaktionen der Online-Plattformen.

Atemschutzmasken in drei Kategorien unterteilt

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat ein umfassendes Papier zum Thema Atemschutzmasken erarbeitet.

In diesem werden auch die verschiedenen FFP-Klassen erklärt, es gibt insgesamt drei – alle sind zumindest wirksamer als die handelsüblichen Standard-Mundschutzmasken. Je höher die Klasse, umso höher die Schutzwirkung. Klassifiziert wird nach der Leckage, also der Durchlässigkeit. Bei FFP1 darf diese maximal 22 Prozent betragen, bei FFP3 nur noch zwei Prozent.

Die Hersteller müssen dabei eine DIN-Norm erfüllen. „FFP-Masken sind Einmalartikel und müssen aus hygienischen Gründen nach der Benutzung korrekt entsorgt werden“, heißt es in dem Merkblatt des Landesamtes.

Das Wichtigste zu Atemschutzmasken in Kürze:

  • Einfache Masken können zumindest gegen Schmierinfektion helfen
  • Empfohlen werden die Masken für Menschen, die sich bereits angesteckt haben
  • Spezielle Feinpartikelmasken bieten einen höheren Schutz, sind aber unbequem und vor allem für medizinisches Personal gedacht

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(bef/dpa/bekö/msb)