Insolvenz

Geld zurück? Was Kunden von Thomas Cook jetzt tun können

Thomas Cook hat auch Reisen für 2020 abgesagt. Doch es gibt Hoffnung, den Gesamtschaden ersetzt zu bekommen. Was Kunden wissen müssen.

Thomas Cook sagt gebuchte Reisen ab – das muss man wissen
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Passagiere besteigen am Flughafen von Kreta eine Maschine der Airline Thomas Cook.

Passagiere besteigen am Flughafen von Kreta eine Maschine der Airline Thomas Cook.

Foto: - / dpa

Berlin. Der insolvente Reiseveranstalter Thomas Cook hat alle Reisen für 2020 abgesagt – für viele Urlauber platzen die Urlaubspläne für das kommende Jahr. Klar ist damit auch: Die Haftungssumme von insgesamt 110 Millionen Euro reicht nicht für die Rückzahlung der Reisepreise oder der Anzahlungen.

Die für die Regulierung zuständige Zurich Versicherung hat allerdings eine konkrete Summe noch nicht genannt. Für betroffene Kunden gibt es Hoffnungsschimmer.

Welche Kunden sind betroffen?

Betroffen ist, wer eine Reise über die deutschen Tochterunternehmen des britischen Touristikkonzerns Thomas Cook gebucht hat. Dazu gehören die Veranstaltermarken Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin sowie über Thomas Cook International gebuchte Trips. Nicht betroffen sind laut Thomas Cook Reisen von Drittveranstaltern, die Kunden über neckermann-reisen.de und urlaub.de oder in den Thomas-Cook-Reisebüros gebucht haben.

Wie können Betroffene Ansprüche anmelden?

Zurich hat für die Abwicklung einen Dienstleister eingesetzt. Unter der Webadresse www.kaera-ag.de finden Cook-Kunden ein Formular, mit dem sie ihre Forderungen geltend machen können. Wer keine Internetverbindung hat, kann auch telefonisch Kontakt über die Nummer 06172/99 76 11 23 aufnehmen.

Für die Anmeldung des Anspruchs müssen Pauschalreisende ihre Unterlagen einreichen. Dazu gehören unter anderem die Buchungsbestätigung des Reiseveranstalters, ein Nachweis über die Zahlung des Reisepreises und der Sicherungsschein, den sie nach der Buchung bekommen haben.

Verbraucherschützer raten zu einer raschen Anmeldung. Zwingend ist Eile jedoch nicht, da etwaige Ansprüche aus der Insolvenzsicherung erst nach drei Jahren verjähren.

Können Betroffene bereits geleistete Zahlungen selbst zurückholen?

Eventuell ja. Kunden, die ihre gebuchte Reise mit einer Kreditkarte bezahlt haben, können das sogenannte Chargeback-Verfahren nutzen, um die Zahlung zurückzurufen. Ein einklagbarer Rechtsanspruch darauf bestehe aber nicht, erläutert das Kartenunternehmen Visa. Ansprechpartner für das Chargeback-Verfahren sind nicht die Kreditkartenfirmen, sondern die Banken und Sparkassen, die diese Karten ausgeben.

Nach Angaben der Stiftung Warentest verhalten sich die Institute ihren Kunden gegenüber sehr unterschiedlich. Einige Banken würden Auskünfte dazu nur unvollständig oder mit schwammigen Formulieren erteilen, andere schon vorbildlich Informationen und Formulare auf ihrer Internetseite bereitstellen.

Bevor das per Karte gezahlte Geld auf diesem Wege zurückgeholt werden kann, müssen die Ansprüche bei der Versicherung gestellt worden sein. Erst wenn von der Zurich beziehungsweise der Kaera AG eine Rückzahlung des Reisepreises ausgeschlossen oder nur ein Teilbetrag erstattet wird, kommt das Chargeback-Verfahren zum Zug.

Pech haben jene Kunden, die ihren Urlaub per Überweisung bezahlt haben. Hier ist kein Rückruf möglich. Besser sieht es für eine Bezahlung über eine Lastschrift aus. Diese Zahlung könne innerhalb von acht Wochen zurückgerufen werden, stellt die Stiftung Warentest fest.

Welche weiteren Schritte können Betroffene ergreifen?

Offen ist, wann die Zurich-Versicherung die Höhe des angemeldeten Schadens bekannt gibt. Erst mit dieser Mitteilung kommen für die Betroffenen weitere Schritte in Betracht.

Noch ungeklärt ist der Streit zwischen der Bundesregierung und Thomas Cook. Dabei geht es um die Kosten für den Rücktransport gestrandeter Urlauber. 80 Millionen Euro soll die Rettungsaktion verschlungen haben. Zurich steht auf dem Standpunkt, diese Kosten sind Bestandteil der maximalen Haftung von 110 Millionen Euro. Das Bundesjustizministerium sieht das anders. Sollte sich die Bundesregierung mit ihrer Rechtsauffassung durchsetzen, können die Kunden auf einen deutlich höheren Schadensausgleich hoffen.

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Welche Hoffnung gibt es aus Sicht der Betroffenen, doch noch den Gesamtschaden ersetzt zu bekommen?

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) prüft eine Klage gegen die Zurich-Versicherung. Das Argument erscheint zunächst schlüssig: Die Versicherung habe gewusst, dass die Haftungssumme von 110 Millionen Euro nicht ausreichen würde, und habe mit der Police eine Unterdeckung des Risikos in Kauf genommen.

Dafür will der vzbv das Unternehmen haftbar machen. Denkbar sei eine Musterfeststellungsklage, aber auch ein Pilotverfahren mit einem einzelnen Kläger, erläutert eine Juristin des Verbands. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Einen anderen juristischen Ansatzpunkt verfolgt der Rechtsdienstleister Myright, der auch viele VW-Kunden im Dieselskandal vertritt. Der Chef der Firma, Jan-Eike Andresen, sieht den Staat in der Pflicht, für den von Zurich nicht abgedeckten Schaden aufzukommen.

Vor wenigen Tagen hat Andresen die Bundeskanzlerin per Brief aufgefordert, eine solche Staatshaftung zuzugestehen. Das Argument: Die Bundesregierung habe die Haftung bei einem zu geringen Betrag gedeckelt, obwohl die entsprechende EU-Richtlinie eine vollständige Absicherung der Kundengelder vorsieht.