Finanzen

Richtig feilschen: Elf Tipps, um beim Handeln Geld zu sparen

Feilschen lohnt sich nur auf dem Markt? Falsch. Wer schlau agiert, kann bei Verträgen viel Geld sparen. Wenn man die Spielregeln kennt.

Schnapper gemacht? Feilschen lohnt sich, auch bei Mobilfunk- und Internetanbietern.

Schnapper gemacht? Feilschen lohnt sich, auch bei Mobilfunk- und Internetanbietern.

Foto: via www.imago-images.deAntonioGuillem / imago

Berlin.  Nur wenige Leute feilschen mit ihrem Internetanbieter, der Bank oder dem Pay-TV-Sender. Aber es lohnt sich. Egal, ob O2, Vodafone, Sky, RWE oder Vattenfall: All diese Anbieter geben Neukunden viel bessere Konditionen als ihren vorhandenen Kunden.

Wer sich beschwert, kündigt oder einfach mal nachhakt, kann oft auch als langjähriger Kunde an die besseren Preise kommen. Denn nicht immer will man den Anbieter wechseln. Mal ist der Aufwand recht groß (wie beim DSL-Vertrag), mal hat der Anbieter ein Monopol (zum Beispiel Sky), mal stört nur eine Extragebühr bei einem ansonsten guten Anbieter.

Das Feilschen lohnt sich laut einer Umfrage unter den Finanztip-Lesern vor allem bei der Kfz-Versicherung, bei Mobilfunk- und Internetanbietern. Etwas zu holen gibt es auch bei Gas- und Stromversorgern. Bei Banken ist dagegen nicht so viel drin.

Feilschen für den besten Vertrag – so sparen Sie bei vielen Anbietern

Ganz besonders erfolgreich waren die Befragten offenbar beim Bezahlsender Sky: Zwei von Dreien gaben an, dort „viel Geld herausgeholt“ zu haben. Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, zeigt aber, dass sich der Versuch lohnt: In zwei von drei Fällen konnten die Leser beim Feilschen etwas herausholen. Hier die elf goldenen Regeln für eine aussichtsreiche Verhandlung:

  • 1. Nicht mit einem schlechten Angebot starten. Wer als neuer Kunde mit einem teuren Vertrag bei einem Anbieter einsteigt, hat es oft schwerer, später ein günstiges Rückholangebot zu bekommen. Man sollte also möglichst zu einem guten Angebotspreis einsteigen: Es ist leichter, einen guten Einstiegspreis zu halten, als von hohen Kosten runterzukommen.
  • 2. Rechtzeitig kündigen. Solange man noch kein Kunde ist, lockt der Anbieter großzügig: Anfangs sind die Monatsraten attraktiv, doch irgendwann nach 12 oder 24 Monaten steigen die Kosten deutlich. Der Anbieter setzt darauf, dass seine Kunden ihn vergessen und die automatische Vertragsverlängerung und höhere monatlichen Lastschriften gar nicht bemerken. Deshalb: Rechtzeitig kündigen. Nichts spricht dagegen, das schon kurz nach Abschluss zu tun.
  • 3. Geduld haben. Jeder moderne Anbieter hat eine Verkaufsabteilung. Die meldet sich nach der Kündigung irgendwann und macht ein besseres Angebot, meist per Post, manchmal auch telefonisch. Kunden sollten sich keinesfalls zuerst melden. Es gilt, die Nerven zu bewahren. Egal ob 1und1, O2 oder Sky, spätestens vier bis sechs Wochen vor Ablauf des Vertrags kommt in aller Regel ein gutes Angebot.
  • 4. Nicht das erstbeste Angebot annehmen. Oft rücken Anbieter nicht gleich mit dem besten Deal heraus. Man sollte abwarten. Zwischen dem Standardpreis und dem besten Angebot ist eine Menge Spielraum. Und so folgt auf das erste Angebot oft das zweite und dritte. Und ist jedesmal ein bisschen besser.
  • 5. Den Anbieter mit seinen eigenen Preisen konfrontieren. Man sollte vorbereitet sein, wenn der Kundendienst anruft. Kunden sollten unbedingt wissen, welche Preise Neukunden zahlen – und diesen Preis auch verlangen. Das klappt sowohl bei Internetanbietern wie auch Kfz-Versicherungen (zumindest in der Wechselsaison).
  • 6. Höflich sein, aber bestimmt. Die Leute in der Hotline tun auch nur ihren Job. Als Kunde sollte man seinen Ärger daher nachvollziehbar und ruhig vortragen. Dann ist oft einiges drin. Wer schon lange Kunde ist, sollte seine Treue als Argument nutzen. Es spricht nichts dagegen, am Telefon ein wenig zu feilschen.
  • 7. Ernst machen. Wenn man nicht so recht vorankommt, dann wechselt man halt – und teilt das dem alten Anbieter beim nächsten Rückholungstelefonat direkt mit. Häufig macht dann der alte Anbieter ein vergleichbares Angebot. Ein Leser berichtet Finanztip, dass der Antrag auf Rufnummernmitnahme (nach dem Wechsel) seinen alten Anbieter schließlich auf Trab brachte. Allerdings darf man nicht vergessen, vom Vertrag beim alternativen Anbieter rechtzeitig zurückzutreten.
  • 8. Angebote genau anschauen. Viele Preise setzen sich kompliziert zusammen. Man sollte sich das Angebot daher genau vorrechnen lassen. Manchmal erhöht sich der Preis nach drei Monaten wieder. Manchmal war die Gebühr für ein Extra (zum Beispiel die zweite Sim-Karte oder die HD-Auflösung beim TV) bislang inbegriffen und wird nun plötzlich monatlich fällig. Nicht, dass man am Ende dasselbe zahlt, nur später oder für etwas anderes.
  • 9. Keine vorzeitige Vertragsverlängerung akzeptieren. Ein beliebter Trick der Verkaufsabteilungen ist, eine Kleinigkeit anzubieten, aber dafür die Laufzeit gleich um 12 oder 24 Monate zu verlängern. Kunden sollte eine neue Vertragsbindung nur akzeptieren, wenn sie dafür ein sehr gutes Angebot bekommen, also eines, das denen für Neukunden entspricht.
  • 10. Die Konkurrenz im Blick behalten. Hilft alles Feilschen nichts und die Konkurrenz hat einfach die besseren Angebote, dann sollten Kunden wechseln, auch wenn’s die Mühe macht. Und manchmal ist auch der Hinweis auf die Lockangebote der Konkurrenz das entscheidende Argument, das den alten Anbieter doch noch dazu bringt, den entscheidenden Rabatt anzubieten.
  • 11. Erfahrungen austauschen. Wer Erfolg hat, sollte das ruhig weitererzählen. Deshalb wird ein Anbieter nicht gleich aufhören, mit sich verhandeln zu lassen. Denn eigentlich ist es ja ärgerlich, dass manche viel mehr für dasselbe zahlen müssen.

Auch beim Heizen können clevere Verbraucher so richtig sparen. Für Studenten gibt es ebenfalls eine ganze Reihe Tipps, um Hunderte Euro weniger zu zahlen. Und wer Geld über hat: Rentenfonds oder Festgeld? Das sind die Vor- und Nachteile.

Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit Finanztip. Finanztip ist gemeinnützig und hilft Verbrauchern bei den täglichen Finanzentscheidungen.