Gesundheit

Die ersten schmerzfreien High Heels - wie gut sind sie?

High Heels mit neuer Technik sollen Schmerzen verhindern und trotzdem gut aussehen. Unsere Autorin testet den angeblichen Wunderschuh.

Endlich bequeme High-Heels? Der junge Schuh-Designer Christof Baum hat einen Absatzschuh erfunden, der nicht weht tun soll. Johanna Rüdiger und Laura Rethy haben ihn getestet.

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Berlin. Hohe Schuhe sind weder besonders bequem noch gesund. Aber schön, werden Liebhaber der High Heels vermutlich sagen. Das müsse reichen. „Muss es nicht“, sagt Christof Baum.

Er ist 26 Jahre alt, Sohn eines Orthopäden und Gründer eines Berliner Unternehmens für bequeme High Heels. „Maison Baum“ will das Tragen von hohen Schuhen mit einem speziell entwickelten Fußbett angenehm machen. Kann das funktionieren?

Die Frage, warum eine Frau aus freien Stücken auf zehn Zentimeter hohen Absätzen läuft, treibt die Wissenschaft schon länger um. Eine abschließende Antwort gibt es dazu noch nicht. Aber viele Theorien.

Schuhe haben ein speziell entwickeltes Fußbett

Eine Annahme: Das Tragen der Schuhe verstärkt die Krümmung der Lendenwirbelsäule, was die Frau wiederum für Männer attraktiver mache, wie Forscher im Fachblatt „Frontiers in Psychology“ vor zwei Jahren schrieben.

Eine andere Idee geht davon aus, dass das Tragen hoher Schuhe einen Einfluss auf bestimmte biomechanische Eigenschaften des weiblichen Gangs hat – und so deren Attraktivität erhöht. Auch die medial geschaffene Assoziation von High Heels und Sexualität wird diskutiert.

Das Problem mit dem High Heel liegt eigentlich schon in seiner Form begründet. „Wenn man die Ferse erhöht, kommt es zu einer Verlagerung des Körpergewichts auf den Vorfuß“, erklärt der Fußchirurg und Orthopäde Dr. Dariusch Arbab vom Klinikum Dortmund, „der ist dafür aber nicht gemacht. Die Mittelfußköpfchen werden ungewöhnlich stark belastet.“ Kurzfristig könne das Schmerzen auslösen. Langfristig drohe eine Fehlstellung der Füße.

Hallux valgus und andere Fehlstellungen

Aus den für Wochen tauben Zehen einer durchtanzten Nacht können also nach Jahren der falschen Schuhmode Fehlstellungen wie Hammerzehen, Krallenzehen oder der Hallux valgus werden. Bei Letztgenanntem weicht der Knochen des großen Zehs nach außen weg.

Diese Ballenzehe genannte Fehlstellung ist zwar in erster Linie erblich bedingt und trifft Männer wie Frauen – aber zu hohe und zu enge Schuhe begünstigen diese oftmals schmerzhafte Veränderung des Fußes. Dariusch Arbab sieht den Beweis dafür tagtäglich in seinem Behandlungszimmer.

Auch die Schwester von Christof Baum hatte schmerzende Füße wegen hoher Schuhe, sagt er. Gemeinsam seien sie abends oft ausgegangen, am Ende der Party habe sie ihre High Heels dann meistens in der Hand getragen. „Ich dachte: Die Menschen fliegen zum Mond, aber meine Schwester läuft barfuß nach Hause, weil sich die Schuhindustrie bislang gegen Innovationen gesperrt hat“, sagt Baum.

„Wie sieht das perfekte Fußbett aus?“

Das wollte er ändern und beschaffte sich das technische Know-how in einem Spezialstudiengang und bei einem Leistenhersteller. Und er lernte für einige Monate als Schuhverkäufer, was den Käuferinnen wichtig ist – „zuerst muss der Schuh schön aussehen. Wenn er dann aber nicht bequem ist, kaufen ihn die Frauen nicht“ – und setzte sich dann mit seinem Vater, dem Orthopäden, zusammen. „Wir haben uns gefragt, wie sieht das perfekte Fußbett aus?“

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Herausgekommen sind Schuhe – zehn oder sieben Zentimeter hoch – mit einem durch anatomische Bauteile besonderen Fußbett. Christof Baum hält die Hand schräg. „Auf herkömmlichen High Heels steht man wie auf einer Rutsche“, erklärt er.

Vier Fünftel des Körpergewichts müsse der Vorfuß tragen. Bei seinen Schuhen sei die Belastung um 50 Prozent reduziert, das Gewicht werde nach hinten verlagert.

Nicht zu leugnen: Es sind High Heels

Der Vorfuß einer Frau, die 60 Kilogramm wiegt, müsste also in herkömmlichen High Heels 48 Kilogramm Gewicht tragen. Mit den Schuhen von Maison Baum wären es demnach nur 24 Kilogramm. Klingt schon besser – und fühlt sich tatsächlich gar nicht so schlecht an, w ie ein Test im Alltag zeigt.

Die mit mehr als 260 Euro nicht gerade preiswerten Schuhe sind gut gepolstert, sie geben der Trägerin selbst auf zehn Zentimeter hohen Absätzen einen guten Halt, die Zehen schmerzen auch nach längerem Tragen nicht besonders – dennoch ist nicht zu leugnen: Es sind High Heels.

Das Attribut „bequem“ wird wahrscheinlich immer fehl am Platz sein. Baum weiß das: „Auch unser Schuh ist kein Hausschuh, aber Frau kann damit in der Regel einen Abend überstehen ohne ihre Schuhe auszuziehen.“

Patientinnen mit hohem Leidensdruck

Bei Schuhen dieser Art komme häufig noch hinzu, dass sie spitz und schmal geschnitten sind, weiß Fußchirurg Arbab. „Auch das begünstigt Fehlstellungen wie den Hallux valgus.“ Es gebe Patientinnen mit einem hohen Leidensdruck, erzählt er – „und ich meine nicht einen optischen“. Denn wenn der große Zeh abweiche, komme es zu einer Verdrängung des zweiten Zehs. „Der zweite Zeh stößt dann oben an den Schuh an.“ Im schlimmsten Fall drohe dann eine Operation.

Als Mediziner könne er High Heels also nicht unbedingt empfehlen, aber erstens gebe es Menschen, die ihr ganzes Leben auf hohen Schuhen gelaufen seien und keine Probleme hätten, und zweitens: „Wichtig ist einfach, dem Fuß nicht dauerhaft diese Belastung zuzumuten und die Schuhe immer wieder zu wechseln.“

Mindestens zwei paar Schuhe auf der Arbeit

Auf die Arbeit gehöre zum Beispiel immer ein zweites Paar Schuhe. Und zum Glück, sagt Arbab, sei es gesellschaftlich inzwischen akzeptiert, dass Frauen im Beruf nicht in Pumps erscheinen müssten.

Aber wenn sie es möchten, sollte es doch so angenehm wie möglich sein, findet Baum. Er vergleicht es mit Süßigkeiten oder Autos. „Zu viel Zucker schadet der Gesundheit, Autofahren der Umwelt.“ Dann müsse man eben eine Süßigkeit entwickeln, die schmeckt, aber gesund ist, und ein Auto, das Spaß macht, aber dem Klima nicht schadet.