Stiftung Warentest

Warum Bambusbecher keine wirkliche Öko-Alternative sind

Coffee-to-go aus dem Bambusbecher? Waschnüsse statt Waschmittel? Stiftung Warentest hat zwei Öko-Alternativen für den Alltag getestet.

Bambusbecher werden als ökologische Alternative zu Pappbechern beworben. Stiftung Warentest hat nun genauer hingeschaut.

Bambusbecher werden als ökologische Alternative zu Pappbechern beworben. Stiftung Warentest hat nun genauer hingeschaut.

Foto: Eyecatcher.provia www.imago-images.de / imago images / Westend61

Berlin.. Das Umweltbewusstsein der Deutschen wächst und viele Unternehmen reagieren mit nachhaltigen Produkten auf den Wunsch nach mehr öko im Alltag. Doch wie gut sind die Öko-Alternativen?

Die Stiftung Warentest hat sich zwei Produkte angesehen: Bambusbecher für den Coffee-to-go und Waschnüsse – die chemiefreie Alternative zum herkömmlichen Waschmittel. Die Bilanz ist ernüchternd: Von Beidem raten die Tester ab.

Stiftung Warentest: Nur ein Produkt überzeugte – mit Einschränkungen

Da klingt ein wiederverwendbarer Becher aus einer Naturfaser nach einer guten Möglichkeit, nicht auf den täglichen Kaffee auf die Hand verzichten zu müssen und trotzdem der Umwelt nicht zu schaden.

Doch Stiftung Warentest kommt nach einem Test von zwölf Produkten zu dem Schluss: Finger weg vom Bambus-Becher. Nur einer überzeugte die Tester – mit Einschränkungen: Der „Chicmic Bamboo Cup“. Sieben der zwölf Produkte setzten hingegen bei heißen Flüssigkeiten zu hohe Schadstoffmengen frei, darunter auch die Becher von Aldi Nord und Ikea.

Bambusbecher gehören nicht in die Mikrowelle

So war die Menge an Melamin, die bei einem Labortest auf die Flüssigkeit im Becher überging, höher als der EU-Grenzwert. Melamin steht im Verdacht, Erkrankungen im Blasen- und Nierensystem zu verursachen. Es wird bei Temperaturen ab 70 Grad freigesetzt – weswegen die Becher auch nicht in die Mikrowelle gehören. Ein Hinweis, der bei dem Testprodukt „Zuperzozial Cruising Travel Mug“ ganz fehlte.

Beim „Zuperzozial“ genauso wie bei dem Produkt „Rex London Bamboo Travel Mug“ wiesen die Tester zusätzlich zu Melamin noch hohe Mengen Formaldehyd nach, das Haut, Atemwege oder Augen reizen kann. Sie fielen im Test ganz durch.

Denn auch die Kennzeichnung auf den Produkten war hier und bei vier weiteren Produkten irreführend. So werden einige mit Bezeichnungen wie „Naturbecher“ („Pandoo“) oder „biologisch abbaubar“ („Morgenheld“) beworben. Beides ist laut Stiftung Warentest nicht richtig.

Bambusbecher werden auf dem Kompost nicht verrotten

Zwar sind die Becher mit zermahlenen Bambusfasern zum Teil aus einem natürlichen Stoff hergestellt, doch „das Pulver allein ergibt noch keinen Becher“, schreiben die Tester. Den natürlichen Fasern wird der Kunststoff Melaminharz beigemischt – eine Information, die auf vier Produkten fehlt.

Bedeutet: Die Becher werden auf dem Kompost nicht verrotten. So ist dann auch der Testsieger „Chicmic“ nicht die perfekte ökologische Alternative zum Einwegbecher.

Finger weg von Waschnüssen und -kastanien

Und auch das Recycling der Becher ist durch den Materialmix kaum möglich. Dennoch tragen laut Stiftung Warentest einige Produkte das Recyclingzeichen.

Die vermeintlich ökologische Alternative ist also gar nicht ökologisch. Ähnlich ist das bei den getesteten Waschnüssen und –kastanien. Auch hier kommt Stiftung Warentest zum Schluss: Finger weg.

Zwar sind die waschaktiven Substanzen biologisch abbaubar. Doch weder die Waschnussschalen von Cliir Nature, noch das Rosskastanien-Granulat von Natur Gut erfüllten ihren Zweck – und erhöhten so am Ende die Ökobilanz.

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„Sie haben den Zustand der Wäsche verschlimmert“

„Die zwei getesteten Produkte haben es nicht geschafft, Flecken zu entfernen“, sagt Lucas Tenberg von Stiftung Warentest. „Und insgesamt kann man sagen: Sie haben den Zustand der Wäsche sogar noch verschlimmert.“ So habe sich bereits nach sechs Wäschen das Weiß der Prüftextilien sichtbar eingetrübt, nach 20 Wäschen war das Weiß ein Grau.

Hinzu kommt: Die Waschmaschine kann schnell verkalken, weil die Nüsse und Kastanien anders als herkömmliche Mittel keine Wasserenthärter enthalten.

Stiftung Warentest rät zu guten Color- und Vollwaschmitteln

Unterm Strich tue man der Umwelt also keinen Gefallen, denn „die Nüsse waschen so miserabel, dass Verbraucher ihre Kleidung wahrscheinlich zweimal waschen und die vergrauten Stücke unnötig schnell wegwerfen und neue kaufen“. Ökobilanz: negativ. Die Stiftung Warentest rät nun also statt zur Nuss zu guten Color- und Vollwaschmitteln.

Immer mehr Menschen denken darüber nach, wie sie möglichst nachhaltig leben können. Ansetzen kann man in vielen Bereichen – ein Überblick: