Ratgeber

Kann mir mein Bruder seinen Anteil schenken?

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei Raue PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht

Experte. Anwalt Max Braeuer (Familien- und Erbrecht)

Experte. Anwalt Max Braeuer (Familien- und Erbrecht)

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Mein Bruder und ich haben 2007 gemeinsam ein Zweifamilienhaus gekauft, stehen beide zusammen zu je 50 Prozent im Grundbuch. Der Kredit läuft über uns und über unsere Eltern. Dies sollte später als Erbe bzw. für die Auszahlung des jeweils anderen sein. Nun hat mein Bruder eine neue Lebenspartnerin, und sie möchten gemeinsames Eigentum kaufen. Gekauft haben wir das Haus gemeinsam zu einem Preis von 124.000 Euro (100 Prozent). Zusammen haben wir Geschwister 93.000 Euro aufgenommen, also je 46.500 Euro. Die restliche Summe wurde von unseren Eltern aufgenommen.

Muss man vom Marktwert ausgehen oder vom Kaufwert des Hauses? Muss ein Gutachter hinzugezogen werden, der das Haus schätzt? Kann mein Bruder mir seine 50 Prozent vom Haus schenken? (Anteil pers. geschätzt ca. 120.000 Euro = 50 Prozent Marktwert) Fällt dann Schenkungsteuer an? Was wäre denn die günstigste Alternative für eine Übertragung?

Dr. Max Braeuer: Beim Kauf des Hauses sind Sie wohl von dem Urkundsnotar nicht optimal beraten worden. Welche Rechte und Pflichten bestehen, wenn einer der Beteiligten aus der Gemeinschaft ausscheiden möchte, sollte in notarieller Urkunde schon beim Kauf des Objektes geregelt werden. Darüber hätte Sie der Notar beraten und einen entsprechenden Vertrag entwerfen können. Da Sie mit Ihrem Bruder aber offenbar nicht im Streit sind, können Sie jetzt die für beide günstigste Lösung suchen und vereinbaren.

Sie schreiben leider nicht, wie das Haus genutzt wird. Da die beiden Brüder gemeinsam ein Zweifamilienhaus gekauft haben, ist davon auszugehen, dass beide auch in dem Haus wohnen und dass Ihr Bruder, nachdem er eine neue Partnerin hat, dort ausziehen möchte.

Ihre letzte Frage zuerst: Natürlich kann Ihnen Ihr Bruder seinen Anteil schenken. Es steht in Ihrem freien Belieben, sich mit Ihrem Bruder auf so etwas zu einigen. Dafür muss natürlich Schenkungsteuer gezahlt werden, deren Höhe sich nach dem heutigen Wert des Anteils richtet. Das wird ein ziemlich hoher Betrag sein. Wenn Ihnen Ihr Bruder den Anteil tatsächlich schenken möchte, ist das für Sie immer noch ein gutes Geschenk. Der Wert des geschenkten Anteils ist zwangsläufig immer viel höher als die Schenkungsteuer.

Möglicherweise will Ihr Bruder aber auch nicht wirklich schenken. Vielleicht stellen Sie sich beide vor, dass Sie Ihrem Bruder inoffiziell einen Betrag für das Geschenk zukommen lassen. Von einem solchen Plan müsste Ihnen unbedingt abgeraten werden. Ein Schenkungsvertrag mit einem heimlichen Kaufpreis wäre nichtig. Außerdem würden Sie Grunderwerbsteuer hinterziehen, weil für einen Kaufpreis jedenfalls die Grunderwerbsteuer gezahlt werden muss. Sinnvoll wäre es in diesem Fall, dass Sie mit Ihrem Bruder offiziell einen Kaufvertrag abschließen. Dafür müssen Sie keinen Sachverständigen beauftragen. Es gibt auch keine Vorschriften, wie der Kaufpreis zu bestimmen ist. Es ist Sache von Ihnen und Ihrem Bruder sich auf einen Betrag zu verständigen, den Sie beide für angemessen halten.

Was passiert mit dem offenen Teil der Schulden?

Das komplizierteste Problem sind vermutlich die Bankschulden, die Ihre Eltern aufgenommen haben und mit denen sie einen Teil des Kaufpreises bezahlt haben. Es muss geklärt werden, was mit dem Teil der offenen Schulden passiert, die auf den Anteil Ihres Bruders entfallen. Sie hatten die Vorstellung, dass Ihre Eltern Ihnen dieses Darlehen vererben würden. Das war eine unrealistische Vorstellung. Mit den Bankschulden hatten Ihre Eltern nichts zu vererben. Die Erben müssen allenfalls diese Schulden selbst übernehmen, soweit sie beim Tode der Eltern noch nicht zurückgezahlt sind. Tatsächlich haben Ihre Eltern Ihnen und Ihrem Bruder aber etwas geschenkt. Sie haben einen Kredit aufgenommen und damit einen Teil des Kaufpreises bezahlt. Die Eltern haben also Geld bei der Bank geliehen und dieses Geld den Söhnen geschenkt. Das Geschenk ist jetzt schon, vor dem Tode der Eltern, vollzogen. Wenn Ihr Bruder seinen Anteil an Sie weitergibt, wird er das Geschenk seiner Eltern behalten wollen. Bei der Bemessung des Kaufpreises müssen Sie also berücksichtigen, dass Ihnen Ihr Bruder den geschenkten Anteil mitverkauft. Das Geschenk muss Teil des Kaufpreises werden. Wenn Sie so verfahren, werden Ihre Eltern weiterhin die Darlehensraten bedienen. Wenn bei ihrem Tode noch etwas offen sein sollte, dann müssen die Erben gemeinsam diese restlichen Schulden tilgen.

Wenn Sie eine Frage haben, schreiben Sie bitte eine Mail an folgende Adresse: berlin@morgenpost.de­. Ein Rechtsanspruch auf eine Antwort besteht nicht. Eine Haftung ist ausgeschlossen.