Gesundheit

Blutdruck: Was Sie über die Wertemessung wissen müssen

Weichen die Blutdruckwerte vom Normalen ab, sollten Betroffene diese regelmäßig messen. Nicht alle Geräte funktionieren zuverlässig.

Die Blutdruck-Messung durch den Arzt liefert die sichersten Ergebnisse. Wer selbst misst, muss auf den richtigen Sitz der Manschette achten.

Die Blutdruck-Messung durch den Arzt liefert die sichersten Ergebnisse. Wer selbst misst, muss auf den richtigen Sitz der Manschette achten.

Foto: istock / iStock

Berlin. Der Kopf wird rot und der Puls rast unangenehm – wenn es doch so einfach wäre, Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt, zu erkennen. Tatsächlich fühlen sich viele Menschen fit, obwohl sie sozusagen unter Hochdruck unterwegs sind. Derweil nehmen die Schäden an den Gefäßen unbemerkt zu, schlimmstenfalls bis zum Herzinfarkt oder Schlaganfall.

„Das Risiko steigt, je älter man wird. Aber auch junge Menschen können einen zu hohen Blutdruck haben“, sagt der Internist Professor Bernhard Krämer, Klinikdirektor am Universitätsklinikum Mannheim und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.

Das Credo der Liga: Weicht der Blutdruck vom normalen Wert von 120/80 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) ab, sollte man ihn mindestens einmal im Jahr messen. Doch wie findet man das geeignete Gerät und wie ermittelt man die richtigen Werte?

Die Kasse zahlt das Blutdruckmessgerät

Blutdruckmessgeräte berechnen ihre Ergebnisse aus den Schwingungen der Gefäßwand bei pumpendem (systolischer Wert) und erschlafftem (diastolischer Wert) Herzen. Ungenauigkeiten entstehen dabei zum Beispiel, wenn die Manschette nicht richtig angelegt wird oder sie sogar undicht ist.

Der Arzt verordnet das Blutdruckmessgerät, das es auf Rezept im Sanitätshaus oder in der Apotheke (auch online bestellbar) gibt – und die Kasse zahlt es, bis auf die gesetzlich vorgeschriebene Zuzahlung von mindestens fünf, maximal zehn Euro. Bei speziellen Wunschgeräten müssen Patienten eventuell noch drauflegen.

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Das sind die besten Geräte


Doch ein gutes Gerät zu finden, scheint nicht ganz einfach zu sein. So hat die Stiftung Warentest Ende vergangenen Jahres an 32 Probanden Blutdruckmessgeräte getestet – mit ernüchterndem Ergebnis: Nur eines von 14 befanden die Tester mit der Note 2,5 als gerade noch „gut“, das ExactFit 5 von Braun.

Abwertung gab es bei den anderen Geräten vor allem bei der Messgenauigkeit. Die Warentester hoben jedoch noch einmal die drei Sieger des Tests von 2016 hervor – sie toppen laut Stiftung Warentest alle neu getesteten und sind nach wie vor im Handel erhältlich: Omron RS2, Boso Medistar+ – beide werden am Handgelenk angelegt – und Boso Medicus X für die Messung am Oberarm.

Auch die Deutschen Hochdruckliga verleiht ein Prüfsiegel für gute Geräte. Dabei untersucht sie anders als die Stiftung Warentest, die auch Handhabung und Störanfälligkeit bewertet, unter Einbeziehung von 96 Probanden ausschließlich die Messgenauigkeit.

Geräte sollten mit Arzt eingeübt werden

Eine Liste der Produkte mit Prüfsiegel findet sich unter: hochdruckliga.de > Patienten > Blutdruckmessgeräte > Messgeräte mit Prüfsiegel. Aus den Jahren 2018 und 2019 sind unter anderem Geräte der Hersteller WEPA, Hartmann und Beurer dabei. Bernhard Krämer findet es wichtig, dass der Messvorgang möglichst ideal abläuft und am besten mit der Sprechstundenhilfe oder dem behandelnden Arzt in der Praxis eingeübt wird.

So wird gemessen: Man sollte sich fünf Minuten lang entspannt hinsetzen, nebenher keine laute Musik hören oder Gespräche führen. Dann die Manschette anlegen und das erste Mal messen – „dabei darauf achten, dass sich diese in Herzhöhe befindet“, betont Krämer. Er bevorzugt in diesem Zusammenhang eher Messgeräte, bei denen die Manschette am Oberarm angelegt wird, da sie weniger fehleranfällig in der Handhabung seien als diejenigen, die den Blutdruck am Handgelenk feststellten.

Insgesamt drei Messungen mit kurzen Pausen hintereinander sind laut dem Experten notwendig, um einen realistischen Mittelwert aus den Ergebnissen der letzten beiden Messungen zu bekommen. Krämer erklärt: „Oft ist der erste Wert höher und sinkt dann mit den Wiederholungen. Aber wir brauchen ja verlässliche Ergebnisse, denn darauf basiert die Behandlung.“

Gewicht reduzieren, Bewegung und neuer Speiseplan

Und diese muss bei einem leicht erhöhten Blutdruck nicht gleich bedeuten, dass senkende Arzneimittel eingenommen werden. „Wer es auf Dauer schafft, seinen Lebensstil zu ändern, der erspart sich dadurch möglicherweise zwei bis drei Medikamente. Das heißt, es gilt, sein Gewicht zu reduzieren, in Bewegung zu kommen und den Speiseplan umzustellen auf Gerichte ohne viel Kochsalz, dafür mit Gemüse; zusätzlich Obst und fettarme Molkereiprodukte zu essen“, sagt Bernhard Krämer.

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Eine Bluthochdruck-Behandlung kann auch mit mild dosierten Arzneimitteln beginnen, am besten als Kombinationspräparat. Die Behandlung kann dann im besten Fall in Abstimmung mit dem Arzt abgesetzt werden, sobald die Pfunde purzeln und der Trainingsplan für ein gesünderes Leben Wirkung zeigt.

Das wird vielen Patienten recht sein, die mit der Einnahme von Blutdrucksenkern plötzlich Probleme im Alltag bekommen. „Sie fühlen sich ja vorher nicht schlecht. Und merken auf einmal, dass der Körper reagiert, weil er sich auf die Medikamente beziehungsweise den niedrigeren Blutdruck einstellen muss“, erzählt Krämer. Im vergangenen Jahr hatten verunreinigte Blutdruckmittel für Schlagzeilen gesorgt, Hunderttausende Menschen waren betroffen.

Blutdruck darf nicht zu schnell gesenkt werden

Denn Arzneistoffe wie ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten, Kalziumantagonisten, Betablocker und Diuretika können Schwindel oder Benommenheit verursachen, auch Übelkeit kann eine Folge sein.

Manchmal ist der Blutdruck dann sogar zu niedrig. „Er darf nicht zu schnell, sondern muss langsam, aber sicher gesenkt werden“, betont der Internist: „Nach einer Eingewöhnungszeit bessert sich die Situation – deshalb keinesfalls die Tabletten wegwerfen und die Therapie abbrechen.“

Die Alternative zu einer Blutdrucksenkung mag wohl niemand in Kauf nehmen: Sie bedeutet nämlich Schäden am Herzen, den Herzkranzgefäßen, dem Gehirn, den Nieren und den Blutgefäßen. Die große Mehrzahl aller Menschen, die an Herz-Kreislauferkrankungen sterben, hatten laut der Deutschen Hochdruckliga zuvor einen zu hohen Blutdruck.

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Druck auf den Gefäßen

Die Blutdruckwerte werden meist in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) gemessen. Wird Blut aus der linken Hauptkammer des Herzens in den Körper gepumpt, so entsteht ein Druck, der sich auf die Hauptschlagader (Aorta) und weiter auf die nachfolgenden Blutgefäße überträgt, also auf die Arterien.

Weil diese Phase der Herzaktion Systole heißt, spricht man von systolischem Blutdruck. Dabei handelt es sich um den ersten Wert in der Blutdruckmessung. Klingt die Systole ab, wird das Herz schlaff, der Druck in den Gefäßen verringert sich. Zu diesem Zeitpunkt wird der sogenannte diastolische Blutdruck gemessen.

Liegen beide Werte dauerhaft zu hoch, also etwa bei 140/90 mmHg, sprechen Ärzte von Bluthochdruck – in Deutschland leiden 20 bis 30 Millionen Menschen darunter.