Skiurlaub

Sport und Kunst am Hang im Ski Center Latemar

Wer in einem Skigebiet auch Skulpturen, Architektur und hervor­ragendes Essen genießen will, der ist richtig im Ski Center Latemar.

Ein Meisterwerk direkt neben der Piste, die nach Obereggen führt: Die Berghütte Oberholz wird auf Designer-Webseiten als Prestigeobjekt gelungener Bergweltarchitektur gezeigt.

Ein Meisterwerk direkt neben der Piste, die nach Obereggen führt: Die Berghütte Oberholz wird auf Designer-Webseiten als Prestigeobjekt gelungener Bergweltarchitektur gezeigt.

Foto: Eggental Tourismus

Pampeago.  Da steckt ein riesiges Eisending im Felsen, und kurz darauf schauen aufgestapelte Holzteile aus dem Schnee. Ich bemerke sie nur so im Vorüberschweben. Was ist das denn?

Bei der zweiten Fahrt mit dem Sessellift vom Ort Pampeago zum Monte Agnello hinauf schaue ich genauer hin. Das Eisending entpuppt sich als überdimensionaler Karabinerhaken, daneben, mitten im Bergmassiv, stehen umgekehrte Holzstühle.

Von der Piste aus sind sie nicht zu sehen, nur von oben, bei der Abfahrt, quasi zwischen den Skispitzen durch, zeigen sich diese Kunstwerke. Dafür gibt es andere Skulpturen, die entlang der Piste aufgestellt sind. Metallspiralen, ein Holzkopf mit Loch im Gehirn und dieser riesige Holzrahmen, vor den sich immer wieder Skifahrer aufstellen, weil er mit den Dolomiten dahinter ein prima Fotomotiv bietet.

Abseits vom Massentourismus

Die Skulpturen in 2200 Metern ­Höhe gehören zu einer der weltweit höchstgelegenen Kunstausstellungen. Der Land-Art-Park RespirArt unterliegt seit 2011 stetigem Wandel. Jedes Jahr kommen neue Werke international bekannter Künstler hinzu, während sich die älteren durch die Wettereinflüsse verändern oder durch die Schneelast zerstört werden.

Dieses ungewöhnliche Projekt passt zum Ski Center Latemar, das seinen Gästen abseits vom Massentourismus etwas Besonderes bieten will. Wer neben dem Pistenspaß auch Kunst, Architektur und hervor­ragendes Essen genießen will, der ist hier richtig.

Schneesicherheit auf blauen, breit angelegten Abfahrten

Das Skigebiet, zu dem die Orte Obereggen, Pampeago und Predazzo gehören, ist eher klein, man muss es kennen, sonst fährt man möglicherweise daran vorbei direkt nach Bozen, das nur 25 Kilometer entfernt ist. Doch von Skiresort.de, dem nach eigenen Angaben größten Testportal für Skigebiete, wurde Obereggen 2018 als weltweit führendes Skigebiet bis 60 Kilometer Pisten ausgezeichnet.

Besonders hervorgehoben wird die perfekte Pflege der Ab­fahrten. Für die weiße Pracht sorgen vor allem Schneekanonen, die über die gesamten 49 Pistenkilometer aufgestellt sind. Die überwiegend blauen, breit angelegten Abfahrten, die sich zwischen 1550 und 2500 Metern Höhe verteilen, bieten zudem Schneesicherheit von Dezember bis April.

Schneekanonen auf dem neuesten Stand

Schon seit den frühen 90ern gibt es hier Beschneiungsanlagen von TechnoAlpin – und da die Gründer der Firma aus dem Eggental kommen, sind die Schneekanonen immer auf dem neuesten Stand.

Sonst kann ich immer gar nicht schnell genug aus dem Lift auf die Piste kommen, doch hier bieten vor allem die Aussichten aus den 18 modernen Ski­anlagen zum Teil spektakuläre Bilder. So habe ich auf der Fahrt mit dem Sessellift „Oberholz“ von Obereggen das ­Gefühl, direkt in das lang gestreckte, imposante Latemargebirge zu fahren, dessen Gipfel die Grenze zwischen Südtirol und dem Trentino bilden.

ISPO-Trends: Mit "Hillstrike“ und "Boardie" ab auf die Piste

Kurz vor dem Start der ISPO-München stehen die neusten Trends im Wintersport fest: In diesem Jahr hat die Jury des Brandnew-Wettbewerbs im Bereich "Hardware Winter" das aus Schweden stammende „B...
ISPO-Trends: Mit "Hillstrike“ und "Boardie" ab auf die Piste

Die Dolomiten gehören zum Unesco-Welterbe

Die Dolomiten – und damit auch das Latemar-Massiv – gehören seit 2009 zum Unesco-Welterbe. Sie seien die schönste natür­liche Architektur der Welt, soll Le Corbusier gesagt haben.

Im März kann man diesen Anblick jeden Mittwoch schon ab sieben Uhr genießen, wenn die Lifte in Obereggen zum „Be the first“-Fahren öffnen und man die Ruhe und die glatten Pisten zunächst ganz für sich hat.

Es hat schon etwas Magisches, wenn sich die Sonne über die Dolomiten schiebt und das graue Gestein rosa färbt. Während dann ab 8.30 Uhr auch andere Skifahrer auf die Hänge drängen, fährt die Berghütte Oberholz ein üppiges, leckeres Frühstücksbuffet auf.

Sonnige 360-Grad-Terrasse mit Ausblick

Die erst 2016 fertiggestellte Berghütte ist ein architektonisches Meisterwerk auf 2096 Metern Höhe. Von außen wirkt das von dem Architekten Peter Pichler aus Mailand und dem Bozener Pavol Mikolajcak entworfene Bauwerk eher klein. Die äußere Gestalt ist inspiriert von einem liegenden Baum, dessen Äste über den Hang hinauswachsen.

Das zunächst schmale Steildach verzweigt sich zu drei Baukörpern, die wie kleine Häuser mit verglasten Giebelfronten über dem Hang zu schweben scheinen. Mit seiner sonnigen 360-Grad-Terrasse und den drei mit Holz verkleideten Stuben mit spitz zulaufenden Panorama-Fenstern, die einen Ausblick hin zum Bozner Talkessel bis zur Königspitze bieten, passt sich das Restaurant perfekt in die Berglandschaft ein.

Skifahren bei italienisch-kunstvollem Ambiente

Es ist der ganze Stolz von Georg Weissensteiner. Der 77-Jährige hat lange darum gekämpft, dass an der Stelle, auf der zunächst eine kleine Hütte stand, ein neues Bauwerk entstehen konnte. Dieses wird nun auf Designer-Webseiten als Prestigeobjekt gelungener Bergweltarchitektur gezeigt.

Der Präsident der Liftgesellschaft Obereggen AG gehört zu den Begründern des Ski Centers Latemar, und er hatte schon als junger Mann die Vision von einem gut ausgebauten, eleganten Skigebiet. Ende der 60er-Jahre bestand Obereggen aus einem Weiler mit rund 70 Einwohnern.

Mit Freunden Geld für den ersten Lift gesammelt

„Es gab in der Gegend kaum Arbeit für die jungen Eggentaler, die sind alle nach Bozen und weiter weg abgewandert“, erzählt Weissensteiner. Gemeinsam mit elf Freunden sammelte er Geld für den ersten Lift, der 1972 eröffnet wurde, drei Jahre später gab es schon eine Verbindung nach Pampeago und Predazzo.

Skifahren oder Essen und dabei italienisch-kunstvolles Ambiente genießen – das sind die beiden Pole, zwischen denen man sich im Südtiroler Skigebiet von Obereggen immer wieder entscheiden muss. So gibt es insgesamt zwölf Skihütten, die vor allem Speisen aus ­regionalen Lebensmitteln anbieten: von dem urigen Chalet Caserina, der trendigen Mayrl Alm bis zur luxuriösen „Mountain Riviera Baita Gardoné“, die von Klaus Pichler betrieben wird.

Beeindruckend ist ein Helikopterflug bei Sonnenuntergang

Seine Spezialität sind brutzelnde T-Bone-Steaks, die auf riesigen Metallplatten zu den Gästen kommen. Darüber gießt Pichler das angeblich beste Olivenöl Italiens – und hat nicht zu viel versprochen. Frisch und fruchtig ist es und passt perfekt zu dem saftigen, würzigen Rindfleisch, das von Kühen aus dem Eggental stammt.

Hinterher noch ein fluffiger Kaiserschmarrn, und dann könnte man den Skitag eigentlich auf den mit Schaffellen belegten Liegestühlen auf der Lounge-Terrasse des Restaurants ausklingen lassen.

Doch ein Helikopterflug mit Georg Graf, der bis zu fünf Leute mitnehmen kann, ist dann die spannendere Alter­native. Wenn Graf seinen Hubschrauber – am besten bei Sonnenuntergang – über das Latemar und den angrenzenden Rosengarten lenkt, dann können sich selbst Mitflieger mit Höhenangst der Faszination der gezackten Berge und überwältigenden Aussicht bis zu den Alpen und dem Gardasee nicht entziehen.

Mondän wird es, wenn der Pilot dann direkt vor dem Hotel auf der Piste landet – Après-Ski der Luxus-Art, denn Schnaps-, Gröl- und Schlagermusik-geprägte Hütten-Gaudi findet man im Ski Center Latemar kaum.

Es gibt zwar ein Tipi-Zelt und in der Hochsaison Abendveranstaltungen mit Feuerwerk, Schneekatzenshow und Freestyler-Kunststücken, aber die meisten Besucher verbringen ihre Abende im Spa-Bereich und bei gutem Essem im Hotel. „85 Prozent unserer Besucher sind Stammgäste, die meisten kommen aus Deutschland“, sagt Weissensteiner.

Nach Pisten-, Gaumen- und Kulturgenuss ins Tal rodeln

Inzwischen verteilen sich die 6400 Gästebetten im Eggental auf 13 Hotels im Viersterne-Bereich, einfachere Hotels und kleine Pensionen. Besonders gut, weil direkt an der Piste gelegen, ist das Hotel Cristal in Obereggen, dessen Chef Erich Thaler zudem wahre Schätze in seinem Weinkeller hat.

Nur 0,6 Prozent der Weinanbaufläche Italiens befindet sich in Südtirol, doch der Lagrein und Weißburgunder, den Thaler kredenzt, kann mit Top-Weinen der anderen Regionen locker mithalten.

Neben einem hervorragenden Restaurant und einem schönen Wellnessbereich bietet das Cristal einen weiteren Vorteil: Die Rodelbahn Epircher Laner Alm, die sich über 2,5 Kilometer und 280 Höhenmeter hinab durch den Wald nach Obereggen schlängelt, führt auch direkt an seiner Sonnenterrasse vorbei. Schlitten gibt es vor dem Skikeller des Viersterne-Hotels.

Unterwegs mit der „Ochsenweide“-Kabinenbahn

Man kann zum Ausgangspunkt der gut präparierten, sehr sicheren und beschneiten Rodelbahn in 40 Minuten hochspazieren, aber schneller geht es mit der „Ochsenweide“-Kabinenbahn. Die ist auch dienstags, donnerstags und freitags im Einsatz, wenn man sich zum Nachtrodeln trifft.

Insgesamt stehen fünf Schlittenbahnen in den Eggentaler Skigebieten zur Auswahl, inklusive einer Schienenrodelbahn in Predazzo, die neben der mondänen „Mountain Riviera Baita Gardoné“ liegt.

Wer sich also nach der Kunstausstellung, der üppigen Mahlzeit, einem kleinen Nickerchen auf der Chill-out-Terrasse doch noch sportlich betätigen will, kann sich ja auf Schlitten abwärts bewegen.

Tipps & Informationen

Die Anreise mit dem Auto führt über die A22, Ausfahrt Bozen Nord. Direktzüge mit der DB gehen fünfmal täglich von München nach Bozen. Viele Hotels bieten einen Shuttle; oder weiter mit dem Bus (ca. 30 min., www.sii.bz.it). Easyjet fliegt ab Berlin nach Innsbruck.

Zum Übernachten zum Beispiel ins Viersterne-Hotel Cristal in Obereggen. DZ ab 260 Euro mit Halbpension. Schwimmbad und Wellness-Center, an der Piste. www.hotelcristal.com/de


Einen Ausflug lohnt der berühmte Marien-Wallfahrtsort Maria Weißen­stein, ein Kloster aus dem Jahr 1553.

Winterwandern über 100 km Routen.


(Die Reise erfolgte mit Unterstützung durch Eggental Tourismus.)

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.