Feuerwerk

Feuerwerk tötet zwei Menschen – mehrere verletzte Kinder

Rund um Silvester sind mehrere Menschen durch Böller verletzt worden. Wir klären die wichtigsten Fragen zum Thema Feuerwerk.

Es gab wieder einige Verletzte in der Silvesternacht. Häufige Ursachen waren falscher Umgang, unzulässige Böller und fahrlässiges Verhalten.

Es gab wieder einige Verletzte in der Silvesternacht. Häufige Ursachen waren falscher Umgang, unzulässige Böller und fahrlässiges Verhalten.

Foto: Boris Roessler / dpa

Berlin.  Feinstaub und Müll, Gesundheitsgefahr und Tierschutz – so vehement wie in diesem Jahr wurde selten über die Nachteile des Böllerns und Knallens am Jahresende diskutiert. Dennoch hat die Knallerei auch in diesen Tagen mehrere Verletzte und sogar Tote gefordert.

In Österreich ist ein 17-Jähriger beim Zünden einer Kugelbombe getötet worden. Nachdem ein erster Zündversuch schief gegangen war, hatte Jugendliche laut Polizei versucht, die Bombe mit einem Durchmesser von rund 15 Zentimeter erneut abzuschießen.

Da diese dabei sofort im Metallrohr der selbstgebauten Abschussvorrichtung explodierte, konnte sich der 17-Jährige nicht mehr in Sicherheit bringen. Die Detonation verletzte ihn schwer am Kopf. Der 17-Jährige wurde nach der Erstversorgung durch einen Notarzt ins Krankenhaus gebracht, wo er später starb.

Auch in den Niederladen ist es zu tragischen Zwischenfällen beim Silvesterfeuerwerk gekommen. In Enschede im Osten des Landes und in Friesland nahe des Wattenmeers sind zwei Männer durch Explosionen ums Leben gekommen. In beiden Fällen geht die Polizei davon aus, dass Feuerwerk die Ursache war. Die Untersuchungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen, teilten die Behörden mit.

Mann (38) sprengt sich in Niedersachsen mit Böller Hand weg

In Deutschland gab es indes mehrere Vorfälle mit schweren Verletzungen: Ein 38 Jahre alter Mann hat sich in Niedersachsen am Silvesterabend eine Hand weggesprengt. Eine 54 Jahre alter Mann habe bei dem Unfall in Winsen an der Aller Verletzungen im Gesicht erlitten. Er konnte nach einer ambulanten Behandlung das Krankenhaus wieder verlassen.

Wie es zu dem Unfall kam, der sich gegen 19 Uhr ereignete, war zunächst unklar. Möglicherweise handelte es sich bei dem Böller um einen selbstgebauten Sprengkörper.

Mehere Kinder von Feuerwerk verletzt

Zu den Verletzten im Land zählen mehrere Kinder. In Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) entzündete ein Elfjähriger am späten Silvesterabend auf einem Parkplatz eine nichtdetonierte Rakete erneut – sie explodierte in seiner Hand. Der Junge erlitt Verbrennungen und kam ins Krankenhaus, wie die Polizei mitteilte.

In Templin (Uckermark) wurden zwei Mädchen und ein Mann auf einem Gehweg verletzt, als ein Böller in die Gruppe flog. Die beiden Elfjährigen erlitten Verbrennungen an den Beinen. Alle drei wurden im Krankenhaus ambulant behandelt.

Zu den Verletzten zählte laut Lagezentrum auch ein Mann aus Luckenwalde (Teltow-Fläming), der durch einen Böller eine Fingerkuppe verlor.

Mann in Berlin verliert Teile der Hand beim Böllern

Auch in der Hauptstadt verlor ein Mann einen Körperteil beim Böllern. Wie das Berliner Unfallkrankenhaus mitteilte, hatte er sich Teile seiner Hand mit einem illegalen „Polenböller“ weggesprengt.

An anderer Stelle in Berlin habe ein Mann schwere Verbrennungen im Gesicht und Mittelgesichtsfrakturen beim Anzünden einer Kettenbatterie erlitten. „Das lässt auf eine enorme Sprengkraft schließen“, sagte eine Kliniksprecherin.

Die zehn Operationssäle seien in der Nacht durchgehend belegt gewesen, hieß es seitens der Klinik. Insgesamt hätten in der Silvesternacht 15 Menschen nach Unfällen mit Feuerwerk oder Böllern behandelt werden müssen.

Männer basteln Feuerwerk selbst und verletzen sich lebensgefährlich

Lebensgefährlich verletzt wurden zwei Männer in Essen beim Zünden von selbstgebasteltem Feuerwerk. Rettungskräfte brachten die 31 und 33 Jahre alten Männer ins Krankenhaus. Laut Polizei hatten sie die Feuerwerkskörper in mehreren Koffern auf einen Schulhof transportiert. Die Polizei sperrte den Hof ab und forderte Entschärfer des Landeskriminalamtes an, um das explosive Material unschädlich zu machen.

Schwer verletzt wurde ein 23-Jähriger im Landkreis Bamberg, als ein Böller in seiner Hosentasche explodierte und dort eine Kettenreaktion auslöste. Ein 26-Jähriger hatte laut Polizei einen kleinen Kracher geworfen, der unglücklicherweise in der Tasche des Mannes landete.

Dort allerdings brachte der Kracher Leuchtspurmunition zum Explodieren. Der 23-Jährige wurde mit schweren Verletzungen am Bein und an einer Hand in eine Spezialklinik gebracht.

14-Jähriger verliert drei Finger in Hamburg

In Hamburg und Würzburg haben beim Böllern zwei Personen jeweils drei Finger verloren. In der Hansestadt hat sich ein 14 Jahre alter Junge bei der Explosion eines Knallers drei Finger abgerissen. Daumen, Mittel- und Ringfinger seien abgetrennt worden, sagte ein Polizeisprecher. Der Böller war direkt nach dem Anzünden in der Hand des Jungen explodiert.

Der Jugendliche musste schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden. Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, geht die Polizei davon aus, dass es sich bei dem Böller um illegales Feuerwerk gehandelt hat. Ein frei erhältliches Produkt hätte nach Ansicht der Beamten nicht die Sprengkraft gehabt, eine Person so schwer zu verletzen.

Im Landkreis Würzburg verlor ein Mann ebenfalls drei Finger. Als der Mann mit dem Feuerwerk gebastelt habe, sei es zu einer Explosion gekommen. Danach seien die Finger des Mannes nicht mehr auffindbar gewesen. Warum der Mann mit dem Böller hantierte, war zunächst unklar.

Hamburger Polizei stellt 850 Kilogramm Böller und Raketen sicher

Die Hamburger Polizei hat Hunderte Kilogramm Feuerwerkskörper aus der Wohnung eines 23-Jährigen geholt. Die Beamten trugen am Samstag rund 850 Kilo Böller und Raketen aus den Wohnräumen, dem Keller und zwei Kleintransportern des Mannes, wie eine Sprecherin der Hamburger Polizei sagte.

Nachbarn des 23-Jährigen hatten den Behörden demnach einen Hinweis gegeben, dass der Mann Feuerwerkskörper in großen Mengen gekauft und in seine Wohnung gebracht hatte. Die Feuerwerkskörper enthielten 80 Kilogramm Explosivstoffe.

18-Jähriger in Ottersberg bei Böller-Unfall schwer verletzt

Ein 18-Jähriger aus Ottersberg (Niedersachsen) erlitt schwere Verbrennungen und schwebte am Samstag in Lebensgefahr, nachdem er mit drei Freunden am Donnerstag in einer Scheune einen Böller bauen wollte. Die Anleitung hatten die jungen Männer auf YouTube gefunden.

Der Böller sei aber unkontrolliert explodiert und habe dabei 60 Prozent der Haut des 18-Jährigen verbrannten. Einer seiner Freunde (18) wurde dabei leicht verletzt, der dritte blieb unversehrt. Die Feuerwehr musste den Brand löschen.

Schon am Samstag der vergangenen Woche hatten fünf Teenager in Chemnitz eine Zwölfjährige leicht verletzt, indem sie einen Böller auf sie geworfen hatten.

Wir klären die wichtigsten Fragen zum Thema Feuerwerk rund um Silvester 2018:

Das sind die Tipps der Pyro-Experten zum sicheren Umgang mit Feuerwerk:

  • Achtung vor ausländischem Feuerwerk: Fachleute warnen vor der hohen Sprengkraft von Feuerwerkskörpern aus dem Ausland. Sogenannte Polenböller enthielten häufig einen sogenannten Blitzknallsatz, der wegen seiner chemischen Zusammensetzung sehr viel stärker reagiere, sagt Pyrotechnik-Experte Christian Lohrer von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM).
  • Explodiere so ein Gegenstand in der Hand, drohten schwere Verletzungen wie der Verlust von Fingern. Er appellierte zum Kauf von Feuerwerkskörpern in Deutschland - „in vertrauenswürdigen Läden“ und nicht etwa aus Kofferräumen an Autobahnparkplätzen.
  • Raketen nie aus der Hand abfeuern: Nicht nur die Herkunft der Knaller, auch das falsche Hantieren damit kann den Fachleuten zufolge böse enden. BAM-Expertin Heidrun Fink betont, dass Raketen keinesfalls aus der Hand abgefeuert und Böller nicht geworfen werden dürften.
  • Mindestabstand einhalten: Weil leere Flaschen für den Raketenstart oft zu unstabil seien, stellt sie eine Sektflasche für zusätzlichen Halt noch in eine Getränkekiste. „Nach dem Anzünden direkt in den Mindestabstand begeben!“, appelliert Fink. Dieser betrage bei Raketen, Batterien und Knallkörpern acht Meter. Ein Radius, der an Silvester in Städten selten zu sehen ist.
  • Worauf man bei Kindern achten sollte: Um Verbrennungen an Haut und Händen, Augenverletzungen oder Hörschäden bei Kindern zu vermeiden, sollten Kinder beim Silvesterfeuerwerk nur schwer entflammbare Kleidung aus Baumwolle tragen. Das rät die Aktion „Das sichere Haus“.
  • Zum Schutz von (Haus-)Tieren ruft der Deutsche Tierschutzbund zur Rücksichtnahme auf. Tierhalter sollten ihre Wohnung zu einem ruhigen Rückzugsort machen mit geschlossenen Fenstern und Türen. Halter von Kleintieren und Vögeln sollten Gehege und Volieren in einem möglichst ruhigen Raum und mit einiger Entfernung zum Fenster unterbringen und sie mit einem Tuch zu den Seiten hin abdecken. Auch solle man vom Böllern in Grünanlagen und Parks absehen, um Wildtiere und ihren Lebensraum nicht zu stören.

Warum wird in diesen Jahr so intensiv über das Böllern debattiert?

Umweltschützer haben sich so deutlich wie selten gegen das exzessive Böllern ausgesprochen, vielerorts haben Behörden reagiert und örtliche Pyro-Verbote ausgesprochen. Unter anderem ist das Böllern in bestimmten Bereichen verboten in:

  • Dortmund
  • Düsseldorf
  • Köln
  • Hannover
  • Braunschweig
  • Bremen
  • Lüneburg
  • Göttingen

Die betroffenen Gebiete sind zumeist Teile der Innenstadt oder historische Stadtkerne. In unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen ist das Zünden von Feuerwerkskörpern generell verboten. Das hat vor allem mit Lärmschutz zu tun.

Bundesweiter Verkauf von Feuerwerk gestartet

Drei Tage vor Silvester hat der Verkauf von Raketen, Böllern und sonstigen Knallkörpern begonnen.
Bundesweiter Verkauf von Feuerwerk gestartet

Was kritisieren Umweltschützer am Feuerwerk?

Ihr Hauptargument ist die hohe Feinstaubbelastung. Das Umweltbundesamt rief zu einem Verzicht auf privates Silvesterfeuerwerk auf. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderte eine Verlegung von Pyro-Shows aus belasteten Innenstädten.

Laut Zahlen des Umweltbundesamts geraten in Deutschland allein in der Silvesternacht rund 4500 Tonnen Feinstaub in die Luft – rund 15,5 Prozent der Menge, die im ganzen Jahr durch den Straßenverkehr in Umlauf gerät. „In vielen Orten ist die Feinstaub-Konzentration am 1. Januar so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht“, sagte die Chefin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger.

Ein weiteres Argument: der Müll, der durch die Tonnen von Knallkörpern entsteht und einfach auf den Straßen liegen bleibt. Er belaste Boden und Grundwasser ebenso wie Flüsse und Küstenbiotope, kritisiert unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Was bedeutet das Feuerwerk für Tiere?

Der Deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass viele Tiere, besonders Hunde und Katzen, wegen ihres sensiblen Gehörs unter Feuerwerk leiden.

Starke und laute Explosionen können außerdem den Orientierungssinn von Tieren beeinträchtigen oder sogar Schockzustände auslösen. Auch werden ihre Lebensräume durch Müll belastet und möglicherweise durch Schadstoffe aus den Sprengkörpern kontaminiert.

Wie stehen die Bürger zum Böllern?

Bei einer Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion sprachen sich fast 60 Prozent von mehr als 5000 Befragten für Feuerwerksverbote in deutschen Innenstädten aus.

Mit 19,1 Prozent sprechen sich auch mehr Männer eindeutig gegen ein solches Verbot aus als Frauen (14,5 Prozent).

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Mit steigendem Alter steigt auch die Ablehnung von Feuerwerk in Innenstädten. Mit 69,2 Prozent ist die Ablehnung in der Gruppe der Deutschen ab 65 Jahren am größten.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA für die „Bild“ will die Mehrheit der Menschen in Deutschland gar nicht böllern. Nur 18 Prozent gaben an, Knallkörper zünden zu wollen.

Was sagt die Politik zum Feuerwerk?

Julia Klöckner (CDU) hält ein generelles Verbot für überzogen. Für die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft käme es einer „Bevormundung“ gleich. Dass es immer wieder „Deppen“ gebe, die sich nicht an Einschränkungen halten, dürfe nicht zu Konsequenzen für vernünftige Bürger führen.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt ist Appellen entgegengetreten, aus Gründen des Umweltschutzes auf das Silvesterfeuerwerk zu verzichten. „Ich persönlich finde Feuerwerk wirklich sehr schön – obwohl ich weiß, wieviel Feinstaub es verursacht“, sagte sie unserer Redaktion. Es sei Sache der Kommunen, gemeinsam mit den Menschen zu entscheiden, wie bei Ihnen Silvester gefeiert werde. Die Frage der Verhältnismäßigkeit eines Feuerwerks müsse von den Städten und Gemeinden beantwortet werden.

Welche Folgen hatte das Böllern zuletzt?

In den vergangenen Jahren war es in fast allen Teilen Deutschlands zu Unfällen mit Böllern gekommen. Anfang Januar erlag ein 22-Jähriger schweren Kopfverletzungen, nachdem ein Böller bei einer privaten Silvesterfeier direkt vor seinem Gesicht explodiert war.

Auch in diesem Herbst sind schon Unfälle mit Böllern bekannt geworden. Auf einer Geburtstagsfeier in Badeborn (Sachsen-Anhalt) hatte ein 49-Jähriger Ende November mehrere Finger verloren, als ein Silvesterböller in einer Hand explodierte.

(ba/sdo/dpa/epd)