Pflege

So hält man die strapazierte Haut im Winter gesund

Ist es draußen kalt und drinnen warm, produziert die Haut weniger Fett und trocknet aus. Wir erklären, wie man sie richtig pflegt.

In der kalten Jahreszeit ist die Haut besonders strapaziert.

In der kalten Jahreszeit ist die Haut besonders strapaziert.

Foto: istock / iStock

Berlin.  Draußen Kälte, Frost und eisiger Wind, drinnen trockene, warme Heizungsluft: Für die Haut bedeutet der Winter vor allem Stress. Sie juckt, spannt, wirkt blass und ist spröde. Wie kann man sie also besonders pflegen, um sie gegen Wind, Wetter und vor Austrocknung zu schützen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum ist die Haut im Winter besonders strapaziert?

Die Haut sondert normalerweise aus Millionen Talgdrüsen einen schützenden Fettfilm ab. Bei niedrigen Temperaturen werde der Talg jedoch starr wie kalte Butter, der fettende Film könne sich nicht über der Haut verteilen, erklärt die Berliner Hautärztin Yael Adler. Dadurch verdunstet das Wasser auf der Hautoberfläche schneller, sie trocknet aus. Die Heizungsluft entzieht der Haut zusätzlich Feuchtigkeit.

Besonders betroffen sind Lippen und Hände, wo nur wenige Talgdrüsen sitzen. „Wir waschen uns außerdem im Winter häufiger die Hände, und das auch noch mit aggressiven Waschlotions, weil wir Angst vor Grippeviren haben“, erklärt Hautexpertin Adler. „Der ohnehin dünne Schutzfilm wird dadurch noch stärker beansprucht.“

Hinzu kommt: In der Kälte ziehen sich die Blutgefäße unter der Haut zusammen, um die Wärme im Körperinneren zu bewahren. Die Haut bekommt dadurch zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe, ihr Stoffwechsel wird auf Sparflamme gesetzt und sie sieht blass aus, ergänzt Birgit Huber vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel.

Was ist bei der Hautpflege im Winter zu beachten?

Wenn das Schutzsystem der Haut heruntergefahren ist, sollte sie nicht zusätzlich an Fett verlieren. Das bedeutet etwa, nicht zu lange und zu heiß zu duschen, sagt Yael Adler. Waschlotions sollten nur sparsam an den Stellen zum Einsatz kommen, an denen man schwitzt. „Und dann auch nur sogenannte pH-hautneutrale oder solche mit pH 5, die dem Säuregehalt der Haut entsprechen.“ (s. Kasten)

Von aggressiven, basischen Seifen oder Peelings rät die Hautärztin generell ab. Diese würden den Säuremantel der Haut für einige Stunden zerstören. Viren, Bakterien und Pilze könnten sich auf der Haut vermehren und zu Ekzemen, Hautinfektionen oder einem schlechten Körpergeruch führen. Kosmetikexpertin Birgit Huber dazu: „Ideal ist es, die Haut beim Duschen zum Schluss noch mal kalt abzuspülen.“ Das stärke das Immunsystem, schließe die Poren und trage dazu bei, die Haut geschmeidig zu halten.

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Welche Cremes sind gut?

Die optimale Winterpflege stärkt die Widerstandskraft der Haut und unterstützt ihre Schutzbarriere. „Fett und Feuchtigkeit sind jetzt besonders gefragt. Also fettreiche Cremes oder Hautöle“, sagt Birgit Huber. Ein Tipp von ihr: Die gewohnte Nachtcreme auch tagsüber nutzen.

Die sei fetter und feuchtigkeitsspendender als die Tagespflege. Wichtig ist, dass die Creme wasserfrei ist, insbesondere wenn die Temperaturen nahe null liegen. Sie sollten also nicht den Inhaltsstoff „Aqua“ enthalten.

Das Wasser könnte gefrieren und die Haut zusätzlich schädigen. Die Feuchtigkeit solle stattdessen ein hoher Öl-Anteil liefern, rät Birgit Huber.

Die Zusammensetzung einer Creme erkenne man an ihrer Konsistenz, erklärt Huber. Fettreiche seien fester und zäher, wasserreiche milchiger und leichter. „Prinzipiell sollten die Cremes keine Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe oder Emulgatoren enthalten, also etwa sogenannte Bezophenone oder Parabene“, fügt Hautärztin Adler hinzu. Die würden die ohnehin strapazierte Haut noch mehr beanspruchen.

Sind teure Cremes automatisch besser als günstige?

Nein. Die besten Mittel sind laut Yael Adler bereits für wenige Euro zu haben: 100 Prozent unraffinierte Sheabutter oder Kokos- und andere Naturfette. Sie reparierten die Hornschicht der Haut, hinterließen zusätzlich einen lang anhaltenden Schutzfilm und enthielten keine Zusatzstoffe.

Vorsicht sei jedoch bei billigen synthetischen Pflegeprodukten geboten. Viele enthielten Mineralöle, die als krebserregend gelten. Erkennbar seien die etwa als Ceresin oder Paraffin. „Die sind besonders bei Lippenpflegestiften problematisch“, so Adler.

Braucht die Haut im Winter besonders viel Creme?

Das kommt darauf an. Prinzipiell müsse eine gesunde Haut nicht eingecremt werden, erklärt Yael Adler. „Ist ihr Gleichgewicht jedoch gestört und fühlt sie sich zum Beispiel trocken an, sollte man zu einer Creme greifen.“ Das geschehe im Winter häufiger als im Sommer. Dabei gelte: Weniger ist mehr. „Die einzelnen Hautpartien sollten individuell je nach Bedarf behandelt werden.“

Viele Menschen hätten etwa eine fettige „T-Zone“, die sich zwischen den Augenbrauen bis hinunter zum Kinn ziehe. Hier befänden sich große Talgdrüsen, die einen eigenen Fettfilm bildeten.

Cremes könnten in den Bereichen sogar das Gegenteil bewirken und etwa zu „Kosmetikakne“ führen. Danebenliegende, trockene Hautpartien wie die Wangen oder der Hals könnten hingegen gezielt gefettet werden.

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Eine sehr wichtige. Eine gute Ernährung sorgt für die Pflege von innen, also für eine starke Darmflora und ein intaktes Immunsystem. Beides macht die Haut robuster und weniger anfällig für Infektionen. „Vor allem Ballaststoffe wirken wie ein Dünger für die Darmbakterien.

Sind die gesund, können sie wertvolle Mikronährstoffe wie Zink, Eisen, Selen oder Omega-3-Fettsäuren besser aus der Nahrung herauslösen und Vitamine bilden“, erklärt Hautärztin Adler.

Besonders förderlich seien etwa Akazienfasern und Apfelpektin aus der Drogerie, alte Apfelsorten oder fermentiertes Essen wie Sauerkraut, das jede Menge Milchsäurebakterien enthalte. Die Expertin warnt: „Viele Menschen haben einen Mangel an Nährstoffen, obwohl sie glauben, sich gesund zu ernähren.“

Häufig sei unser Essen jedoch nährstoffarm, weil es gespritzt, lange gekocht und weit gereist ist. Auch zu viel Salz und Zucker setzten den Darmbakterien zu. „Selbst wenn nur ein Nährstoff fehlt, können die Haut und das gesamte Immunsystem leiden.“

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