Benzin

WhatsApp-Kettenbrief ruft zu Tankstellen-Boykott auf

Sonntags volltanken statt am Montag – dazu rät ein ominöser Kettenbrief bei Facebook und WhatsApp. Was ist von der Aktion zu halten?

Ein Kettenbrief fordert Autofahrer dazu auf, am Montag Tankstellen zu boykottieren.

Ein Kettenbrief fordert Autofahrer dazu auf, am Montag Tankstellen zu boykottieren.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Berlin.  Bei Facebook und WhatsApp ist in diesen Tagen ein seltsamer Kettenbrief aufgetaucht, der zu einer Art Tankstellen-Boykott aufruft.

Da heißt es: „Große Protestaktion gegen die steigenden Benzin und Dieselpreise Montag 26. November keine Tankstellen anfahren, wer tanken muss sollte das Sonntags am 25. November noch machen. Sende diese Protestaktion an alle deine Kontakte weiter, um ein Zeichen gegen die hohen Benzin und Dieselpreise zu agieren.“

Wie meist bei solchen Kettenbriefen fehlt jeglicher verifizierbare Absender. Somit bleibt auch unklar, was die Autoren mit dem Schreiben erreichen wollen. Klar ist: Sinn ergibt die Sache nicht.

Tankstellen-Boykott – was bringt das? Die Fakten

• Spritpreise sind gestiegen: Der Oktober 2018 war laut ADAC der teuerste Tankmonat seit Jahren. Wie die monatliche Marktauswertung des Automobilclubs zeigt, kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Monatsmittel 1,514 Euro und damit 1,4 Cent mehr als im September.

Für einen Liter Diesel mussten Autofahrer im Schnitt 1,388 Euro bezahlen und damit sogar 5,1 Cent mehr als im September. Warum die Benzinpreise in Deutschland wieder so hoch sind.

• Teureres Öl: Die Ölpreise ziehen wieder an. Der Ölriese Saudi-Arabien hatte Produktionskürzungen angekündigt. Auch Äußerungen aus anderen Förderländern lassen darauf schließen, dass die Rohölförderung im kommenden Jahr sinken könnte. Der Markt reagiert sofort auf solche Entwicklungen.

Trockenheit: Die lang anhaltende Dürre in Deutschland trägt indirekt zum Preisanstieg beim Sprit bei. Weil vor allem der Rhein wenig Wasser führt, können Tankschiffe nicht voll beladen den Fluss befahren – was wiederum in einigen Regionen von NRW und Rheinland-Pfalz zu Spritknappheit an Tankstellen führte.

Auch das kann die Preise anziehen lassen. Denn: Ersatz zu schaffen auf Schiene und Straße ist schwierig und teuer. Warum einigen Tankstellen gerade der Sprit ausgeht.

Günstig tanken – so geht es:

• Montags nie? Der vermeintliche Tipp des Boykottaufrufs, am Sonntag statt am Montag zu tanken, ist zumindest fragwürdig. Zwar wechseln die Tankstellen inzwischen häufig die Literpreise – doch der Wochentag spielt dabei kaum eine Rolle, stattdessen die Tageszeit

• Morgens wird es teuer: Die Zeiten, in denen die Autofahrer sich darauf verlassen konnten, dass die Kraftstoffpreise nachts am höchsten sind und im Lauf des Tages bis zum Abend kontinuierlich sinken, sind laut ADAC fürs Erste vorbei.

Eine Auswertung aus dem Mai 2018 zeige, dass die „mit Abstand teuerste Zeit zum Tanken morgens zwischen sechs und neun Uhr ist. In diesem Zeitraum übersteige der Literpreis den Tagesdurchschnittswert um bis zu sechs Cent.

Was bringt ein Tankstellen-Boykott?

• Ohne Folgen: Offensichtlich wenig bis nichts – außer dass sich am Sonntag lange Schlangen vor den Tankstellen bilden dürften, würden die Autofahrer in Scharen dem Aufruf folgen. Dass der Aufruf auch nur annähernd zu einer Situation wie in Frankreich führen könnte, ist ausgeschlossen.

Dort hatten in den letzten Tagen gewalttätige Ausschreitungen bei Protesten gegen die hohen Benzinpreise zu chaotischen Zuständen geführt.

• Viel Spott: Entsprechend machen sich viele Nutzer in den sozialen Medien über den Kettenbrief lustig. So ist dort von einer „großen Protestaktion gegen die steigenden Wasserpreise“ zu lesen.

Und weiter: Montag 26. November nicht das WC benutzen. Wer kacken muss, sollte das am 25. November noch machen.“

Kettenbriefe sorgen immer wieder für Aufregung und Verunsicherung. Häufig stecken dahinter wie in dem Fall des Milka-Schokoladenkorbs Betrügereien. WhatsApp will zumindest diese kriminellen Kettennachrichten erschweren. (W.B.)