Stadtrundgang

Ein Tag in Leipzig: Was man bei einem Kurztrip erlebt

Wer noch nie in Leipzig war, wird sich bei einem ersten Besuch wundern, was es in der sächsischen Metropole so alles zu sehen gibt.

Leipzig von oben: Links ist der Turm des Neuen Rathauses zu sehen, davor die berühmte Thomaskirche.

Leipzig von oben: Links ist der Turm des Neuen Rathauses zu sehen, davor die berühmte Thomaskirche.

Foto: Allan Baxter / Getty Images

Leipzig.  „Durch die Studenten sehr lebhaft und schön restauriert“, „Ein bisschen Berlin-Atmosphäre, aber doch anders“, „Vergiss Dresden“. Regelrechte Lobgesänge auf erreichen mich seit Jahren von Freunden und ­Familie, doch dort Station zu machen, ergab sich nie.

Als sich die sächsische Stadt nun als Zwischenstopp auf einer Autoreise von Süden nach Norden ­anbot, überlegte ich daher nicht lange. Zwar sollte der Aufenthalt nur einen halben Nachmittag und einen knappen Vormittag dauern. Umso erstaunlicher, wie schnell einen Leipzig in der Tat in den Bann ziehen kann – es gibt selbst in kurzer Zeit allerlei Spannendes zu ­entdecken.

Schon die Anfahrt Richtung Innenstadt, die von großen Ringstraßen ein­gefasst wird, verspricht Großes: Von der Autobahn kommend taucht linker Hand das imposante Bundesverwaltungs­gericht auf, eines der fünf obersten ­Gerichte Deutschlands. Hier im ehemaligen Reichsgerichtsgebäude wird seit 2002 beispielsweise über wichtige ­Verkehrswege entschieden.

In Leipzig empfiehlt sich ein Hotel im Zentrum

Für einen (kostenfreien) Blick hinein oder eine Führung zu Gerichts- und Festsälen reicht die Zeit diesmal nicht. Stattdessen heißt es, zunächst einmal das Auto im Parkhaus abzustellen: In Leipzig, der Sachsen-Metropole mit 580.000 Einwohnern, lässt sich viel Sehenswertes zu Fuß erschließen. Viele interessante Bauwerke (mit Ausnahme des Völkerschlachtdenkmals von 1913) und Plätze liegen rund um den großen Markt in der Mitte der Stadt. Daher empfiehlt sich eine Unterkunft im Zentrum.

Die Wahl eines Günstig-Hotels am Augustusplatz stellt sich als Glücksfall heraus – spätestens am nächsten ­Morgen beim Frühstück mit Blick durch die Panoramafenster direkt auf die Nikolaikirche. Tags zuvor habe ich hier den Stadtbummel begonnen. Ehrfürchtig, denn aus den sogenannten Friedens­gebeten dieser Gemeinde entwickelten sich 1989 die Montagsdemonstrationen, die schließlich zum Fall der Mauer und zur Wiedervereinigung Deutschlands führten.

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Eine kleine Ausstellung im ­Altarraum skizziert die Entwicklung. Immer wieder begegne ich beim Bummel durch die Innenstadt Metallstelen, die „Orte der friedlichen Revolution“ markieren. Sie stehen an 20 „Originalschauplätzen“ – das Wort auf dem Routenflyer klingt seltsam nach Hollywood. Dort fanden jeweils Aktionen statt, die zum Sturz der SED-Diktatur beitrugen.

Gewandhaus, Oper und Moritzbastei liegen direkt beieinander

Fast drei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer glänzt Leipzigs Mitte mit Top-Restaurants und schicken Shops, renovierten Häusern und sanierten Laden-Passagen wie Speck’s Hof, Mädler Passage oder Handelshof. Zurzeit wird das Alte Rathaus, Perle der Renaissance, aufwendig renoviert. In der prächtigen Königshauspassage drängen sich Reisegruppen am Treppenabgang vor Auerbachs Keller. Zwei Bronzestatuen erinnern an Szenen aus Goethes „Faust“ und dienen Touristen als Selfie-Hintergrund.

Drunten im legendären Tief­parterre ist man sich seiner Berühmtheit bewusst („auf der Hitliste der zehn weltweit bekanntesten Lokale auf Platz fünf“) und verlangt deftige Preise. Nein, danke, da schmeckt eine Stärkung mit einer Thüringer Bratwurst an einem Stand in der Petersstraße für drei Euro deutlich besser! Kross, mager, mit einer dezenten Kümmel-Note, von einer freundlichen Sächsin serviert.

Ein paar Gehminuten weiter bietet der Panoramatower auf der Aussichtsplattform im 31. Stock einen grandiosen ­Blick über Leipzig. Ein Kiosk offeriert dazu bereits Sanddorn-Glühwein. Zu DDR-Zeiten hieß das Hochhaus, in dem das Sektionsgebäude der Universität untergebracht war, „Weisheitszahn“. Bis heute ist Leipzig herausragend in Forschung und Lehre.

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Rund 40.000 Studierende beleben derzeit die Stadt. Zum Beispiel vis-à-vis vom City­tower die Clubs in den Gewölben der einstigen Moritzbastei. Ältere Semester fühlen sich nebenan im Gewandhaus oder in der Oper wohler. Oder einige Straßen weiter in der Thomaskirche: Bei der Motette am Freitag um 18 Uhr und am Sonnabend um 15 Uhr ist hier der berühmte Thomanerchor zu hören, meist mit Bach-Kantaten. An diesem Oktoberabend ist es „nur“ ein Gastchor aus Thüringen, doch Stimmung, Orgelklänge und Gesang sind gleichwohl ein Genuss. Für gerade mal zwei Euro, zu zahlen am Kircheneingang.

Von der Runden Ecke aus wurde jahrelang bespitzelt, überwacht und verhört

Gegenüber der Kirche, im ehemaligen Domizil der Kaufmannsfamilie ­Bose, zeigt das Bach-Museum Leben und Wirken von Johann Sebastian Bach (1685–1750). 27 Jahre wirkte „JSB“ als Thomaskantor und komponierte zu ­dieser Zeit unter anderem die „Matthäus-Passion“ und die „h-Moll-Messe“. Eigentlich sollte ein Besuch dieses ­Museums Abschluss der Leipzig-Stippvisite sein. Vor allem die „Schatz­kammer“ mit einem äußerst seltenen Porträt des Meisters von 1748 sowie Original-Notenhandschriften wollte ich sehen.

Doch der Plan hatte einen Haken: Nachdem ich am nächsten Morgen die ständige Ausstellung in der Runden Ecke angeschaut habe, ist es nicht mehr möglich, mal eben auf Barockmusik umzuschalten. Runde Ecke – so hieß das Gebäude der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit am Leipziger Dittrichring. Von 1952 bis 1989 wurde von hier aus bespitzelt, überwacht, verhört und verhaftet.

Das „Bürgerkomitee“ in­formiert seit der Wende in den ein­stigen Stasi-Räumen über ein System in seinen schauderhaft-skurrilen Ausprägungen. Da ist der Dampf­apparat, mit dem Briefe geöffnet wurden, oder die Verkleidung „Bauarbeiter“ für Ob­servierungen. Erwiesenermaßen wurden 64 Todesurteile vollstreckt – der letzte Fall ist von 1981 ­dokumentiert. Nachdenklich und beladen mit Büchern verlasse ich die Runde Ecke. Leipzig ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch ein großes Stück deutscher Geschichte, das gewiss mehr als einen Besuch lohnt.

Tipps & Informationen

Anreise mit dem Pkw über die A7, A2 und A14 in rund viereinhalb Stunden nach Leipzig.

Übernachtung z. B. Motel One Augustusplatz, Nacht ab 69 Euro, www.motel-one.com; Innside by Melia Leipzig, Doppelzimmer ab 81 Euro, www.melia.com

Auskunft Leipzig Tourismus und Marketing GmbH, www.leipzig.travel, Tel. 0341/7104-260

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