Sicherheit

So haben Einbrecher trotz dunkler Jahreszeit keine Chance

Eigentümer sollten bei Fenster und Türen auf eine bestimmte Widerstandsklasse achten. Dann gibt es auch bei Nachrüstungen Zuschüsse.

Wer seine Wohnung gegen Einbrecher schützt, kann dafür Förderung bekommen.

Wer seine Wohnung gegen Einbrecher schützt, kann dafür Förderung bekommen.

Foto: Susann Prautsch / dpa-tmn

Stuttgart/ Hamburg.  Mit der dunklen Jahreszeit steigt die Einbruchsgefahr. Und der beliebteste Einstiegsweg ins Haus sind immer noch Fenster und Terrassentüren.

Oftmals sind Erstere gekippt und meist finden sich auch noch Aufstiegshilfen wie Mülltonnen oder Leitern in der Nähe.

Daher lautet der wichtigste Rat von Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention in Stuttgart: „Verschließen Sie Fenster, Balkon- und Terrassentüren , auch wenn Sie nur kurz weggehen. Aber lassen Sie tagsüber nicht die Rollläden runter, denn das signalisiert geradezu, dass niemand im Haus ist.“

Ebenso wichtig sind jedoch auch technische Sicherungen. „Die üblichen Fensterkonstruktionen bieten keinen Schutz“, sagt Kriminaloberrat Schmidt. „Sie lassen sich mit einfachen Werkzeugen öffnen.“

Einteilung in Widerstandsklassen

Daher kommen im Neubau heute schon oft einbruchhemmende Fenster und Fenstertüren zum Einsatz. Diese werden in Widerstandsklassen von RC 1 bis RC 6 eingeteilt, wobei letztere die höchste ist.

Uneingeschränkt für den Privatgebrauch empfehlenswert sind aus Sicht der Initiative für aktiven Einbruchschutz „Nicht bei mir!“ Fenster ab Klasse RC 2. Gleichwertig sind Fenster, die nach der bis September 2011 gültigen Vornorm geprüft wurden, der DIN V ENV 1627.

„Einbruchhemmende Fenster werden in allen gängigen Materialien wie Holz, Kunststoff oder Metall angeboten“, sagt Ulrich Tschorn, Geschäftsführer des Verbandes Fenster + Fassade.

Es komme auf das Zusammenspiel verschiedener Komponenten an, damit sie auch wirklich gut schützten. Das heißt: Die Befestigung der Scheibe im Fensterflügel, die Beschläge und die Schließeinrichtung müssen allesamt sicher sein.

Fenster werden einer Prüfung unterzogen

Dazu kommt die Montage des Fensters im Mauerwerk. Auch sie muss nach den Vorgaben des Herstellers für die jeweilige RC-Stufe erfolgen.

Laut Schmidt werden als einbruchhemmend verkaufte Fenster einer praxisgerechten Einbruchprüfung unterzogen. So soll sichergestellt werden, dass es in der Gesamtkonstruktion von Rahmen, Beschlag und Verglasung keine Schwachpunkte gibt.

Da viele ältere Türen sich leicht mit einem größeren Schraubenzieher oder dem berühmten „Kuhfuß“ öffnen lassen, sollten auch diese umgerüstet werden.

„Eine Haustür, die Einbrechern Paroli bietet, besteht aus verstärkten Türblättern, einem stabilen und gut verankerten Türschloss, aus Bandseitensicherungen aus Metall und aus Glaseinsätzen aus Sicherheitsglas. Dieses Paket sorgt für eine erhöhte Einbruchhemmung“, sagt Tschorn.

Alarmanlagen haben reine Meldefunktion

Ergänzend dazu gebe es Sensoren, die einen Glasbruch oder die Öffnung der Haustür melden. „Erweitert mit Kamerasystemen, modernen Fingerprint-Systemen und einer motorischen Mehrfachverriegelung wird Einbrechern das Tagwerk wirksam erschwert.“

Experten der Polizei betonen jedoch, dass Kameras, Alarmanlagen und teure Videotechnik allenfalls eine Melde- bzw. Aufzeichnungsfunktion haben – den Einbruch selbst verhindern sie nicht. Sie raten daher, vornehmlich auf mechanische Sicherheitsvorkehrungen zu setzen.

Das Gute daran: Die KfW fördert die Nachrüstung von einbruchhemmender Technik bei älteren Fenstern und Türen – und zwar über ihr Programm „Altersgerecht Umbauen“ mit einem Zuschuss von bis zu 1600 Euro.

Jedoch werden nur Produkte ab Wider­stands­klasse RC 2 nach DIN EN 1627 gefördert.

Beim Kauf auch auf Energetik achten

Die KfW rät außerdem, beim Kauf auf ener­getische Kenn­werte oder barriere­arme Anforderungen von Türen und Fenstern zu achten. Diese Investitionen werden über das Produkt „Energieeffizient Sanieren“ gefördert.

Helmut Rieche, Vorsitzender der Initiative für aktiven Einbruchschutz, rät, alle Fenster und Fenstertüren im Haus gleichermaßen gut abzusichern. „Einbrecher haben ein gutes Auge dafür, wenn irgendwo eine Sicherheitslücke klafft.“ Daher rät er, auch bei Rollläden auf einbruchhemmende Modelle zu setzen. Im Idealfall lassen sich diese nicht von außen hochschieben. „Es kann sich hier anbieten, die Rollläden mit Motoren auszurüsten, da der Getriebemotor die Welle wirkungsvoll blockiert“, sagt Rieche.

(Mitarbeit: Anette Bethune)

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