Junge Profis

„Ich wollte nicht immer nur an der Werkbank sitzen“

Goldschmiedin Stella Gyamfi-Poku ist Schmuckagentin. Ihre beruflichen Stationen im In- und Ausland haben sie gut darauf vorbereitet.

Stella Gyamfi-Poku ist Goldschmiedin und Gründerin der Schmuckagentur „InJewels“.

Stella Gyamfi-Poku ist Goldschmiedin und Gründerin der Schmuckagentur „InJewels“.

Foto: Christian Kielmann

Berlin.  Den Gegensatz zwischen zwei Welten verbinden, so könnte man die Arbeit der Goldschmiedin Stella Gyamfi-Poku auf den Punkt bringen. Dasselbe gilt für die Persönlichkeit und den Lebenslauf der 31-Jährigen, die in Ghana aufwuchs und in Deutschland und den USA ihre Karriere vorantrieb.

Vor Kurzem hat sie in Berlin ihre Schmuckagentur InJewels eröffnet. Erst vor drei Monaten bezog sie das Ladenlokal im Gründerinnenzentrum WeiberWirtschaft in Mitte. Dort stellt sie exklusive Schmuckstücke internationaler Designer und ihre eigenen Arbeiten aus.

Eigene Kollektion und internationale Designer

In dem hellen Raum im ersten Hinterhof stehen Gyamfi-Pokus Werkbank, ein Schreibtisch und einige Glasvitrinen. Darin präsentiert sie zum Beispiel sechseckig geformte Kettenanhänger und Ringe im sogenannten Industrial-Look der Designerin Jennifer Ackens.

Aus der eigenen Kollektion der 31-Jährigen finden sich dort elegante Armbänder in weichen Formen und robuste Ringe, besetzt mit Brillanten.

Agentin muss gut im Netzwerken sein

Stella Gyamfi-Poku arbeitet als Schmuckagentin. Insgesamt 13 internationale Designer hat sie unter Vertrag, vertreibt ihre Produkte und bietet Juwelieren und Schmuckgeschäften an, diese in den Verkauf zu nehmen. Findet ein Stück einen Käufer, dann erhält die Agentin eine vorab verhandelte Provision.

„Es ist eine sehr kommunikative Arbeit, die sehr viel Netzwerken erfordert“, sagt Gyamfi-Poku. Ihr Marktwissen hat sie sich in den vergangenen elf Jahren erarbeitet. „Ich habe die Branche in all ihren Facetten erkundet“, erklärt die Schmuckexpertin.

Geboren wurde Gyamfi-Poku in einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, doch einen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie in Ghana. Als die Tochter neun Jahre alt war, zog die Familie zurück nach Deutschland.

„Ich wollte was mit Kunst machen“

Stella Gyamfi-Poku machte ihr Abitur und absolvierte eine Ausbildung zur Goldschmiedin. „Ich wollte was mit Kunst machen“, erklärt sie ihre Wahl. Und da es ihr Wunsch war, später im Ausland zu arbeiten, entschied sie sich für ein Handwerk. „Damit kann man überall Fuß fassen.“

Die Ausbildung zur Goldschmiedin dauert 3,5 Jahre. Azubis können zwischen drei Fachrichtungen wählen: Juwelen, Ketten und Schmuck. Gyamfi-Poku entschied sich für die Fachrichtung Schmuck.

In Halle lernte sie bei einer Goldschmiedin, die individuellen Schmuck für ihre Kunden herstellte. „Das kam meinem künstlerischen Anspruch sehr entgegen“, sagt sie.

Kunden beraten und Metalle formen

Während ihrer Ausbildung lernte sie, Kunden zu beraten, auf deren Wunsch Zeichnungen anzufertigen und danach Schmuckstücke zu formen und zu schmieden. Sie lernte die Eigenschaften von Edelmetallen kennen, und wie man Silber, Gold und Platin sägt und biegt.

Zeichentalent, handwerkliches Geschick und Kreativität sind Voraussetzungen, um den Beruf ergreifen zu können.

Nach der Ausbildung begann Gyamfi-Pokus große Reise zur beruflichen Selbstfindung. Sie besuchte internationale Schmuckmessen, arbeitete bei verschiedenen Designern und Juwelieren. Dazu gehörten De Novo Fine Contemporary Jewelry im US-amerikanischen Palo Alto, das Atelier Zobel am Bodensee und Juwelier Wempe in Hannover und New York.

Marketing im Teleshopping

Sie war aber auch hinter den Kulissen von Channel 21 aktiv, einem Teleshopping-Sender. Dort war Gyamfi-Poku – natürlich – für den Bereich Schmuck zuständig. Sie organisierte Fotoshootings, bildete Experten aus, übernahm die Verkaufsauswertung. „Hier habe ich gelernt, Marken aufzubauen und mit Zahlen umzugehen“, erzählt sie.

Es sei das i-Tüpfelchen gewesen, das sie neben ihrer Expertise im Handwerk und Verkauf noch brauchte. Damit fing sie an, ihr eigenes Geschäftsmodell zu entwickeln.

„Ich liebe Ihren Schmuck, kann ich für Sie arbeiten?“

Die 31-Jährige denkt gern an ihren Berufseinstieg zurück. Ihre Lieblingsdesigns kamen damals aus dem Atelier Zobel. Auf der Fachmesse Inhorgenta in München besuchte sie Zobels Stand und sagte: „Ich liebe Ihren Schmuck, kann ich bei Ihnen arbeiten?“

Zur Antwort bekam sie ein Ja. Gyamfi-Poku zog nach Konstanz. Peter Schmid, Chefdesigner und Inhaber des Ateliers Zobel, empfahl sie dann auch auf die Stelle in Palo Alto im Silicon Valley.

„Palo Alto war sehr wichtig für mich“, sagt Stella Gyamfi-Poku. Inspiriert vom Gründergeist des Silicon Valley wurde ihr klar, dass für sie nur die Selbstständigkeit infrage kam. „Ich wollte nicht nur an der Werkbank sitzen und Schmuck herstellen.“

Ausbildung plus elf Jahre Erfahrung

Dafür gebe es weltweit zu viele tolle Schmuckstücke, findet sie. Ihre Faszination dafür wollte sie beruflich umsetzen und mit ihrer Ausbildung verbinden.

Auch beim Start in die Selbstständigkeit als Schmuckagentin verließ sie das Glück nicht: Sie bewarb sich um Räume in der WeiberWirtschaft und wurde angenommen. Die Förderbank KfW gewährte ihr einen Gründerkredit.

Und obwohl gerade neu im Geschäft, sucht Stella Gyamfi-Poku schon nach Unterstützung für InJewels. „Ich kann nicht überall gleichzeitig sein“, sagt sie.