Gestaltung

So zaubert man mit Mosaik schönes Dekor auf Wand und Boden

Orientalisch anmutende Fliesen lassen einen Hauch von Orient in die Wohnung einziehen. Viele sind handgefertigt, einige industriell.

Fliesen der Firma Equipe Cerámicas unterlegen in diesem Bad den edlen Nostalgiecharme, in dem der Raum gehalten ist.

Fliesen der Firma Equipe Cerámicas unterlegen in diesem Bad den edlen Nostalgiecharme, in dem der Raum gehalten ist.

Foto: Equipe

Hamburg.  Welche Freude ein schöner Boden macht, das wussten die Menschen schon im Byzantinischen Reich. Stück für Stück formten sie aus Millionen exakt zugehauener Steine Mosaike, die sie an Wänden, Säulen und auf den Böden anbrachten und dabei einzigartige Muster gestalteten.

Auch das italienische Ravenna gilt als spätantike Hochburg für Mosaike. Hier wurden im fünften und sechsten Jahrhundert nach Christus erstmalig lichtreflektierende Glassteine verwendet.

Als Mosaike bezeichnet man kleine Teile aus Glas, Stein oder Zement mit einer Seitenlänge unter zehn Zentimetern, die zu Formen und Mustern zusammengesetzt werden.

Ab zehn Zentimeter Länge spricht man von Fliesen. Bei uns werden sie besonders im Eingangsbereich, in der Küche und im Badezimmer zur Bodengestaltung eingesetzt und lassen diese Räume dadurch optisch regelrecht aufblühen.

Viele Mosaike werden industriell gefertigt, auf dünne Netzplatten geklebt und dann optisch nahtlos aneinandergefügt. Doch handgearbeitete Mosaike sind nach wie vor heiß begehrt.

Mix aus Marmormehl und Zement

Eine beeindruckende Auswahl davon kann man im orientalischen Restaurant und Möbelhaus Le Marrakech im Norden Hamburgs bekommen, wo unter anderem eine große Auswahl handgefertigter Zementgussfliesen aus Marokko angeboten wird.

„Aber nicht die Fliesen, sondern das Trägermaterial ist aus Zement“, sagt Hans Többen, der zusammen mit Kirsten Wellenkamp und den beiden gemeinsamen Töchtern Verena und Kristin Restaurant und Laden führt.

„Die obere Fläche besteht aus pigmentiertem Marmormehl, lediglich das untere Trägermaterial, mit dem der Marmor gepresst wird, ist aus purem Zement. Eigentlich müssten diese Fliesen also Marmor-Zementfliesen heißen“, erläutert der Geschäftsmann.

Da sie für den Boden bestimmt sind, werden sie gegossen, gepresst, unter Wasser getaucht und an der Luft getrocknet – gebrannt aber werden sie nicht. Zur Verarbeitung werden sie in Formen aus Kupfer gegossen.

Instagram ließ den Trend aufleben

„Vor ein paar Jahren hat sich daraus ein richtiger Trend entwickelt, der vor allem durch Instagram beflügelt wurde“, sagt Kirsten Wellenkamp.

„Das sieht man auch an den Farben: Früher waren vor allem Grün- und Aquamarintöne angesagt, heute ziehen viele Kunden Grau, Schwarz und Beige vor. Sanfte Naturfarben liegen im Trend.“

Le Marrakech verkauft um die 6000 Stück dieser Zementgussfliesen pro Woche. Offenbar wissen doch viele Menschen in und rund um Hamburg einen schönen Boden unter ihren Füßen zu schätzen.

Neben wieder aufgelegten europäischen Mustern werden auch Jugendstil- und alte deutsche und arabische Muster angeboten. Eins davon wurde sogar in der prächtigen Alhambra verbaut.

Die zurzeit angesagteste und meistgekaufte Fliese zumindest im Le Marrakech ist die von Hand geschnittene, glasierte und gebrannte, quadratische Mosaikfliese, genannt Zellige.

Muster wird mit kleinem Beil ausgeschlagen

Die quadratische Fliese für Wände und Fußböden in schimmernden, kräftigen Farben ist 10 × 10 bis 11 × 11 Zentimeter groß. „Die Glasur sieht für jede Farbe fast gleich aus – wie Milch in einem großen Bottich. Erst durch den Brennvorgang bildet sich die eigentliche Farbe heraus“, erklärt Hans Többen.

Auf diesen Kacheln wird manchmal ein Muster gemalt, das mit einem kleinen Beil ausgeschlagen wird: Kleine Vierecke, Blätter, Sterne, Bögen.

Um beispielsweise einen Mosaiktisch zu gestalten, werden diese kleinen, von der Rückseite allesamt grauen Steinchen mit der Oberfläche nach unten auf den Boden gelegt und mit Zement übergossen. Beim Umdrehen des Tisches strahlt dann ein wundervolles Mosaikbild. „Fußböden setzt man natürlich richtig herum zusammen“, betont Többen.

Ob Schneeflocken, Blüten, Kreuze – die in warmen Grau- und Beigetönen gehaltenen Muster wirken unaufdringlich und schmücken den Boden.

Im Restaurant und Möbelhaus Le Marrakech wurde ein ganzes Jahr lang an den Gemäuern der „Medina“ gearbeitet und es wurden viele Mosaike verlegt.

Vorsicht bei scharfen Reinigungsmitteln

„Selbst wenn die Fliesen kleinere Schäden haben, sehen sie sehr schön aus, so wie auch ein alter Holztisch“, sagt Kirsten Wellenkamp. „Sie können gut und gerne über 100 Jahre halten. Zudem sind Zellige sehr pflegeleicht und unempfindlich.“

Anders sieht es bei den Zementgussfliesen aus. Um sie zu imprägnieren, sollte man sie regelmäßig mit grüner Seife abwischen, Säure und scharfe Reinigungsprodukte vertragen sie absolut nicht.

Auch bei der Croonen-Fliesenhandel GmbH sind Mosaike begehrt. „Wir haben viele spezielle Nachfragen nach Mosaiken aller Art – Naturstein, Zement, Glas und Metall, denn Mosaike sind der kleine Luxus“, sagt Carola Macele, Kundenberaterin bei Croonen.

Für den Boden eignet sich Natursteinmosaik oder das besonders pflegeleichte Kieselmosaik. „Auch Keramikmosaik mit rutschhemmender Struktur wird gerne verwendet, denn man steht einfach sicherer.“

Foto als Vorlage für eine Wand

Bei Croonen kann zudem eine Mosaikwand anhand einer Fotovorlage angefertigt werden. „Das erklärte Lieblingsfoto wird hier auf die Mosaiksteine projiziert. Damit lässt sich eine schöne Erinnerung sozusagen dauerhaft in Stein meißeln.“

Mosaike aus Feinsteinzeug spielen außerdem eine Rolle. Dabei wird die Steinplatte zerschnitten und als Muster zusammengesetzt – klar, schnörkellos, elegant.

Im „Marrazzi“-Showroom in Hamburg schwärmt Tobias Binder von dem edlen weißen Feinsteigzeug, das hochfein gemahlen wird, anschließend gepresst und danach bei bis zu 1200 Grad gebrannt. „Marazzi aus Modena ist einer der besten italienischen Hersteller – für den würde ich sterben!“

Die Mosaike werden innerhalb einer eigenen Fliesenserie in verschiedenen Oberflächen, Stärken und Formaten produziert und lassen sich somit hervorragend kombinieren.

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