Energie

Für welche Haushalte sich das Heizen mit Holzabfällen lohnt

Mit Pellets lässt sich umweltbewusst heizen. Wärmebedarf, Rohstoff- und Investitionspreise sollten in die Kalkulation einfließen.

Holzpellets werden in speziell für diesen Zweck konstruierten Öfen verheizt.

Holzpellets werden in speziell für diesen Zweck konstruierten Öfen verheizt.

Foto: Ulrich Baumgarten / picture alliance / Ulrich Baumga

Berlin.  Pelletheizungen sind eine umweltfreundliche Alternative zu Öl- oder Gasheizungen. Aber sie rechnen sich nicht für jeden. „Ob die Investition Sinn macht, hängt vom individuellen Wärmebedarf und von den örtlichen Gegebenheiten ab“, sagt Martin Brandis vom Bundesverband der Verbraucherzentrale. „Und nicht zuletzt von der Entwicklung der Rohstoffpreise.“

Was sind Pellets? Das Wort steht im Englischen für Kügelchen. Gefertigt werden sie aus getrockneten, nicht behandelten Holzresten, die in Sägewerken anfallen. „Sie werden ohne Zugabe von chemischen Bindemitteln unter hohem Druck gepresst“, erklärt Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbandes. Da sie einen niedrigen Wasser- und Aschegehalt haben, verbrennen sie sauber. „Der Energiegehalt von zwei Kilogramm Pellets entspricht ungefähr dem eines Liters Heizöl.“

Welche Arten von Pelletheizungen sind auf dem Markt? Sie werden als Kaminofen und als Heizkessel mit bis zu fünf Megawatt Leistung angeboten. Zentralheizungen sind zunehmend als Brennwertsysteme ausgelegt. „Im Privatbereich werden Pelletheizungen häufig als Ersatz für eine alte Ölheizung installiert“, erklärt Bentele.

Wo liegen die Vorteile? „Pelletheizungen sind ökologisch und nachhaltig. Holz wächst immer wieder nach, Pellets werden also jederzeit verfügbar sein“, sagt Stefan Würzner vom Bauherren-Schutzbund. „Das ist für viele Bauherren ein wichtiges Argument. Und die Pellets sind aktuell preiswerter als Öl und Gas.“ Aber er betont auch: „Ob und wie lange das so bleibt, kann niemand voraussagen.“ Die Preisentwicklungen in den vergangenen Jahren haben die Entscheidung für eine Pelletanlage erschwert. Öl und Gas waren zeitweise sehr günstig, die Pelletpreise lagen nur geringfügig darunter, berichtet Energieberater Brandis. „Inzwischen liegen die Preise für Heizöl wieder deutlich höher.“ Aber die Pelletpreise schwanken nur wenig, während Öl und Gas sprunghaft teurer oder billiger wurden. „Daraus kann man schließen, dass Pellets künftig eine gewisse Preissicherheit bieten“, so Brandis.

Wie teuer sind Pelletheizungen? Mit etwa 20.000 Euro kostet sie etwa doppelt so viel wie eine neue Ölheizung. „Die relativ hohe Anfangsinvestition für diese Heizform wird aber durch die Förderprogramme von Bund, Ländern und einigen Kommunen aufgefangen“, sagt Branchensprecher Bentele. „Nach wie vielen Jahren sie preiswerter als eine Öl- oder Gasheizung ist, lässt sich nicht genau sagen. Dazu sind der Brennstoffverbrauch und die Brennstoffkosten zu schwankend.“ Für den Ersatz von alten Ölheizungen hätten sich Amortisationszeiten von 7 bis 15 Jahren ergeben.

Für wen eignen sich Pelletheizungen? Je höher der Wärmebedarf eines Gebäudes, umso eher rechnen sie sich. „In einem Niedrigenergiehaus, das mit zwei Tonnen Pellets im Jahr auskommt, macht eine Zentralheizung mit Pellets wenig Sinn, wenn man nur auf die Rentabilität schaut“, erklärt Bentele. „Bauherren sollten also vorher genau kalkulieren, was ihre Heizung leisten muss“, rät Energieberater Brandis. Vor allem in Neubauten und sanierten Altbauten, die mit wenig Energie auskommen, seien Pelletheizungen oft überdimensioniert. Bei Pelletöfen sieht das anders aus. „Effizient in gut gedämmten Gebäuden sind diese Anlagen, die direkt im Wohnraum stehen“, sagt Brandis. „Sie verströmen einen Teil der Leistung ins Zimmer und heizen mit der überwiegenden Leistung das ganze Haus.“ Außerdem sind Pelletheizungen für all jene geeignet, die eine klimafreundliche Alternative zu Öl und Gas suchen.

Was braucht eine Pelletheizung? Neben dem Platz für die Heizung auch einen Lagerraum für die Presslinge. Die Anlagen können halb- oder vollautomatisch sein. „Die halbautomatischen Heizungen werden von Hand befüllt. Das ist vielen Kunden aber zu unbequem, und sie wählen die vollautomatische Variante“, erläutert Würzner. „Damit ist dann aber ein wesentlich höherer Platzbedarf verbunden.“ Liegt der Lagerraum im Haus, lassen sich die Pellets über eine Förderschnecke transportieren. Sie können aber auch über eine längere Strecke aus einem Erdtank im Garten in den Heizkessel geblasen werden. Dann benötigt man eine Leitung vom Tank zur Anlage und eine zweite Leitung zur Grundstücksgrenze, um das Lager zu befüllen.

Was ist beim Kauf zu beachten? „Da sollte man Preise und Qualität gut vergleichen und möglichst bei lokalen Händlern bestellen“, rät Würzner. „Es gibt nämlich große Unterschiede in der Güte der Holzabfälle, aus denen die Pellets gefertigt werden. Das wirkt sich auf den Brennwert aus.“

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