Buchtipp

„Denk klar“ hilft, bessere Entscheidungen zu treffen

Warum Angst ein schlechter Ratgeber ist und Algorithmen uns keine Entscheidungen abnehmen. Ein Top-Ratgeber, findet der Rezensent.

Lesen bringt die Karriere voran.

Lesen bringt die Karriere voran.

Foto: clu / Getty Images/iStockphoto

Berlin.  Ein Mehr an Information erleichtert nicht automatisch die Entscheidung. Im Gegenteil ist es eine Herausforderung, aus der Informationsflut die wichtigen Fakten herauszufiltern und eine angemessene Entscheidung zu tref­fen.

In Deutschland neigt man eher zu einer defensiven Entscheidungskultur. „Bloß keine Fehler machen“ lautet das Credo.

Dadurch entgehen insbesondere dem Mittelstand viele Chancen in der digitalen Umbruchphase, meint Ingo Radermacher („Denk klar. Klug entscheiden in digitalen Zeiten“, Verlag Business Village, 272 S., 24,95 Euro).

Man weiß, dass sich Menschen für bessere Entscheider halten, als sie es sind – es gibt viele Veröffentlichungen zu dem Thema. Dieses Buch fasst wesentliche Aspekte in den ersten beiden Kapiteln zusammen. Die Palette potenziell fataler Denkfehler reicht von der mathematischen Logik über die Verhaltensforschung bis zur Psychologie. Die Tatsachen sind nicht neu.

Angst macht dumm, Furcht sensibilisiert

Radermacher trifft hier eine Auswahl, um dem die Dimensionen des Problems aufzuzeigen. Dabei nimmt er typische Phänomene aufs Korn und zeigt zum Beispiel wie unterschiedlich Angst im Gegensatz zu Furcht auf menschliche Entscheidungen wirkt. Angst macht dumm; Furcht sensibilisiert und hebt die Qualität.

In Kapitel drei formuliert der Autor sechs relativ einfache Prinzipien, um Entscheidungssituationen besser zu meistern. In dieser praktischen Anleitung für eine offensive Entscheidungskultur liegt der Nutzen dieses Buchs.

Gute Mischung aus Essay und Ratgeber

Den Leser erwartet eine gute Mischung aus populärwissenschaftlichem Essay und praktischem Ratgeber. Unterhaltsam skizziert Radermacher für jeden nachvollziehbare Irrwege und typische Fehler. Die angebotene Lösung ist ein guter, systematischer Einstieg in strukturierte Entscheidungsfindung.

Algorithmen ersetzen keine Entscheidungen

Die Fähigkeit, schnell, sicher und angemessen zu entscheiden, bleibt auch im Digitalzeitalter eine wertvolle Kompetenz. Sie ist nicht durch Algorithmen und künstliche Intelligenz zu ersetzen. In dieser Frage ist sich der Informatiker Ingo Radermacher sicher.

Zukunftsfähigkeit hat ihren Ursprung im klaren Denken. Angst oder „emotionale Ansteckung“, wie er es nennt, sind dabei hinderlich.

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