Arbeitsrecht

Chef kündigt mehrfach hintereinander – darf er das?

Einem Mitarbeiter werden kurz hintereinander mehrere Kündigungen geschickt. Ob der Arbeitgeber das Recht dazu hat, erklärt ein Anwalt.

In einem Fall wurde ein Arbeitnehmer gleich zehnmal entlassen.

In einem Fall wurde ein Arbeitnehmer gleich zehnmal entlassen.

Foto: filmfoto / Getty Images/iStockphoto

Berlin. Dr. Heiko Peter Krenz, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin, beantwortet Leserfragen.

Ein Kollege erlebt gerade ein merkwürdiges Vorgehen seitens unseres Arbeitgebers. Er hat mehrere Kündigungen hintereinander erhalten – und alle waren offensichtlich unbegründet. Was ist davon zu halten?

Das sagt der Anwalt: Der Ausspruch mehrerer Kündigungen ist nachvollziehbarerweise sehr belastend für einen Arbeitnehmer. Wir hatten bereits einen solchen Fall: Unserem Mandanten wurde insgesamt zehnmal gekündigt.

Alles fing relativ normal an. Die Firma kündigte ihm erstmals, weil er angeblich wiederholt Arbeitsanweisungen nicht befolgt hätte. Das wollte sich unser Mandant nicht bieten lassen, und wir erhoben umgehend Kündigungsschutzklage.

Im Laufe des Kündigungsschutzverfahrens kündigte der Arbeitgeber bereits wenig später erneut. Als die fünfte und dann die sechste Kündigung folgten, rang unser Mandant mit den Nerven. Insgesamt sprach der Arbeitgeber neun weitere Kündigungen aus, ohne nur ansatzweise nachvollziehbare Begründungen zu liefern. Gegen alle Kündigungen musste geklagt werden.

Grundsätzlich ist es nicht verboten, mehrere Kündigungen auszusprechen. Ein solches Vorgehen lässt aber die Frage nach einem Rechtsmissbrauch mehr als laut werden. Niemand darf ein Recht gebrauchen, um es für seine Zwecke zu missbrauchen.

Das gilt auch bei Kündigungen. Arbeitgeber, die diese Taktik anwenden, haben es jedoch meistens nötig. Oft fehlt es ihnen an vernünftigen Argumenten. Ansonsten müssten sie nicht auf eine derartige Strategie zurückgreifen.

Vorgehen des Chefs strapaziert die Nerven

Arbeitnehmer, die sich einer solchen Tortur ausgesetzt sehen, sollten unbedingt Ruhe bewahren. Auch wenn das Vorgehen des Chefs die Nerven strapaziert: Entscheidend bleibt, ob die Kündigungen wirksam sind oder nicht.

Unser Mandant hatte Glück: Der Richter konnte nur einen halbwegs nachvollziehbaren Kündigungsgrund erkennen. Arbeiten wollte der Mandant bei diesem Unternehmen aber nicht mehr.

Musste er auch nicht: Nach der letzten Kündigung konnten wir uns auf einen Vergleich einigen – natürlich mit Abfindung. Das Durchhalten des Mandanten hatte sich in diesem Fall bezahlt gemacht.

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