Hitzewelle

Sind Klimaanlagen wirklich eine Gefahr für die Gesundheit?

Wenn pausenlose Sonne große Hitze bringt, laufen auch die Klimaanlagen auf Hochtouren. Aber ist das gesund? Ein Überblick über Risiken.

Sommerhitze: Sechs Experten-Tipps zur Abkühlung

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Sommerhitze: Sechs Experten-Tipps zur Abkühlung

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Berlin.  Ein paar Schritte gegangen, schon läuft der Schweiß. Ein kühler Supermarkt, das eigene Auto, die Bahn oder auch das klimatisierte Büro sind da häufig eine Wohltat. Manch einer denkt ob der aktuellen Hitzewelle , die sich in künftigen Sommern häufiger wiederholen könnte, glatt über den Einbau einer Klimaanlage im eigenen Zuhause nach.

Für andere ist die Vorstellung hingegen völlig abwegig. Sie frieren, klagen trotz Sommerhitze über einen steifen Nacken oder fangen sich direkt eine dicke Sommergrippe ein. Laut einer Umfrage der Krankenkasse Barmer empfinden 33 Prozent der Befragten eine Klimaanlage im Büro als störend. Aber wer hat recht, Freunde der Klimaanlage oder Gegner? Sind Klimaanlagen wirklich gesundheitsschädlich? Wir haben Fakten zusammengestellt:

• Machen Klimaanlagen krank?

Grundsätzlich stellen Klimaanlagen keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit dar. Doch wie bei vielen medizinischen Fragen gibt es Einschränkungen und Abers. „Ja, Klimaanlagen können krank machen“, zitiert das Technik- und Wissenschaftsblog Gizmodo etwa George Gray, Professor für Umwelt- und Berufsgesundheit an der George Washington University in Washington DC.

Die wirklich relevante Frage sei aber vielmehr: „Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass man durch eine Klimaanlage erkrankt?“ Das Risiko sei dem Experten zufolge eher gering. Zumindest bei gesunden Personen. Dennoch weisen Mediziner immer wieder auf potenzielle Gesundheitsrisiken hin.

• Welche Gefahren birgt die Klimaanlage für die Gesundheit?

Kreislaufprobleme: Die gesetzliche Krankenversicherung Barmer warnte jüngst: „Klimaanlagen belasten ähnlich stark wie Wetterextreme.“ So klagten viele Menschen bei Wetterumschwüngen von Hitzewellen auf Unwetter mit Temperatursturz über Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme. Klimaanlagen könnten solche Beschwerden wegen des künstlich erzeugten Temperatursturzes verstärken.

Erkältung: Komme eine Person aus großer Hitze in einen klimatisierten Raum, sei dies für den Körper „wie ein kleiner Kälteschock, der das Immunsystem schwächt“, heißt es bei der Barmer. Viren hätten dann leichtes Spiel. Zudem entziehen Klimaanlagen der Luft Feuchtigkeit; dadurch trocknen die Schleimhäute aus und seien anfälliger für Krankheitserreger, schreibt die „Apotheken Umschau“. Weil bei geschlossenen Fenstern – Grundvoraussetzung für das einwandfreie Funktionieren von Klimaanlagen – kein Luftaustausch stattfinde, könnten sich Viren leichter verbreiten, heißt es dort weiter. So ist auch erklärbar, warum sich viele Menschen selbst im Hochsommer erkälten.

Allergien: Klimaanlagen können von Schimmelpilzen befallen sein, schreibt die AOK auf ihrer Internetseite. Und Schimmelpilzsporen können bei Allergikern zum Teil starke Beschwerden auslösen. Normalerweise wachsen sie überall dort, wo es feucht und warm ist. Häufig sind Klimaanlagen in Autos betroffen, etwa wenn sie nicht regelmäßig gewartet und der Filter nicht gereinigt wird, schrieb das „Handelsblatt“ schon 2013. Haben sich Bakterien, Pilze und Keime in der Anlage festgesetzt, mache sich das durch einen muffigen Geruch bemerkbar, der aus den Lüftungsdüsen ins Wageninnere strömt. Tränende Augen, ein trockener Hals sowie Husten- und Niesreiz können demzufolge Hinweise auf eine Keimbelastung sein.

Legionellen: Legionellen sind Bakterien, die die Legionärskrankheit auslösen, eine Infektionskrankheit mit starkem Fieber, Anzeichen einer Lungenentzündung oder einer schweren Grippe. Anfällig für eine Besiedlung mit Legionellen sind nicht nur große Warmwasseranlagen etwa in Krankenhäusern, großen Hotelgebäuden oder Schwimmbädern, sondern auch Klimaanlagen. Werden Klimaanlagen nicht regelmäßig und sorgfältig gewartet, können sie zur Infektionsquelle werden, schreibt die „Apotheken Umschau“.

• Worauf sollte man achten, damit die Vorteile einer Klimaanlage überwiegen?

Damit Klimaanlagen einwandfrei funktionieren und nicht zur Gesundheitsbelastung werden, sollten sie regelmäßig gewartet und Filter im Zweifel ausgetauscht werden. Knipping Klima, ein Fachbetrieb für Klimaanlagen, empfiehlt auf seiner Internetseite mindestens zwei Wartungen pro Jahr für Klimaanlagen in Gebäuden.

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) schreibt Hygieneinspektionen nach der VDI-Richtlinie 6022 „Raumlufttechnik, Raumluftqualität“ alle drei Jahre für Anlagen ohne Befeuchter, alle zwei Jahre für Anlagen mit Befeuchter vor. Autohersteller empfehlen eine Klimaanlagen-Wartung laut ADAC all zwei Jahre. Der ADAC rät zudem, die Anlage auch bei kühler Witterung alle zwei bis drei Wochen für mindestens zehn Minuten einzuschalten, um Verkeimung zu vermeiden.

Wie man sich im Büro bei Sommerhitze angemessen kleidet

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Wie man sich im Büro bei Sommerhitze angemessen kleidet

Eine Klimaanlage schafft bei heißen Außentemperaturen für eine angenehme Abkühlung. Zu kühl sollte sie aber nicht eingestellt sein. Zwar wird normalerweise eine Raumtemperatur von 21 bis 22 Grad empfohlen. Bei 33 Grad oder mehr im Freien sei dies aber nicht sinnvoll, heißt es bei der „Apotheken Umschau“. Neben der Kreislaufbelastung steige dann auch die Erkältungsgefahr. Deshalb sollte der Unterschied zur Außentemperatur höchstens sechs Grad betragen.

Ähnliches gilt übrigens auch für die Klimaanlage im Auto: Die Temperatur im Innenraum des Wagens soll maximal sechs bis acht Grad kälter sein als die Außentemperatur. So werde auch der Kreislauf beim Aussteigen nicht zu stark belastet, rät die Prüforganisation Dekra laut Deutscher Presseagentur.

• Was muss man über (mobile) Klimageräte wissen?

Aus gesundheitlicher Sicht gilt für (mobile) Klimageräte ähnliches wie für eine eingebaute Klimaanlage. Hinzu kommt aber, dass die Steckdosengeräte laut Stiftung Warentest wegen anderer Mängel nicht unbedingt empfehlenswert sind. So seien die Geräte in der Regel große Stromfresser, arbeiteten ineffektiv und bräuchten lange, um die Raumtemperatur herunterzukühlen. Zudem liefen viele der getesteten Geräte mit extrem klimaschädlichen Kühlmitteln, etwa dem Stoff R410A, dessen Treibhauseffekt ganze 2088-mal stärker ist als der von Kohlendioxid.