Umweltschutz

Wie man Mikroplastik in Kosmetik erkennt – und andere Fakten

Plastik vermüllt die Meere und schadet der Umwelt, Mikroplastik ist da keine Ausnahme. Was genau hat es damit auf sich? Ein Überblick.

6 schockierende Fakten über Plastik - und wie man dem Müll den Kampf ansagt

6 schockierende Fakten über Plastik - und wie man dem Müll den Kampf ansagt

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Berlin.  Einkaufstüten, unsinnige Verpackungen bei Obst und Gemüse, Trinkhalme und Einweggeschirr – dass Plastik ein Problem für die Umwelt ist, dass die Weltmeere vermüllen und dass Handlungsbedarf besteht, ist den meisten Menschen bekannt.

Doch seit einiger Zeit kursiert verstärkt ein weiterer Begriff: Mikroplastik. Was genau hat es damit auf sich? Wir verschaffen einen Überblick:

• Was ist eigentlich Mikroplastik?

Mikroplastik sind Plastik-Partikel, die fünf Millimeter und kleiner sind, definiert das Umweltbundesamt auf seiner Internetseite den Begriff. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) führt das etwas genauer aus. Unter Mikroplastik fallen demnach „feste und unlösliche Polymere (Kunststoffe)“.

Zudem wird laut BUND zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik unterschieden. Primäres Mikroplastik wird industriell als feines Plastikgranulat hergestellt und etwa in Kosmetikprodukten weiterverarbeitet.

Sekundäres Mikroplastik entsteht hingegen bei der Zersetzung von Plastikmüll in der Umwelt. Große Kunststoffteile zerfallen mit der Zeit durch äußere Einflüsse wie Sonne, Wind und im Wasser durch Fließbewegungen und durch Wellen. „Das größere Plastik zerfällt in seine Ursprungsform, in Plastikpellets, zurück“, heißt es beim BUND.

• Warum ist Mikroplastik so gefährlich?

Gerät Mikroplastik in die Umwelt, kann es nicht so leicht wieder entfernt werden. Es ist nicht biologisch abbaubar. Unmengen von Plastik, auch Mikroplastik, verunreinigen die Weltmeere. Dort wird es von Meerestieren und Meeresorganismen aufgenommen und gerät so in die Nahrungskette .

Plastikmüll in der Antarktis

Die Umweltorganisation Greenpeace hat nach eigenen Angaben in 9 von 17 Wasserproben Mikroplastik gefunden.
Plastikmüll in der Antarktis

Dem BUND zufolge könnte das aufgenommene Mikroplastik bei Tieren Gewebeveränderungen und Entzündungsreaktionen auslösen, giftig wirken und zu inneren Verletzungen bis hin zum Tod führen. Wie Mikroplastik auf den menschlichen Organismus wirkt, sei bislang wenig bekannt.

Allerdings warnt auch das Umweltbundesamt, dass durch die Aufnahme von Mikroplastik physikalische Schäden des Magen-Darm-Traktes zu befürchten seien. „Weiterhin kann es zur Blockierung der Nahrungsaufnahme, der Behinderung der Verdauung sowie zu einem ständigen Sättigungsgefühl kommen. Dies kann das Wachstum, die Mobilität und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen“, heißt es dort weiter.

Zudem wirke Mikroplastik wegen seiner Oberflächenbeschaffenheit wie ein Magnet auf Schadstoffe und Umweltgifte, heißt es beim BUND. Die Tiere, die das Mikroplastik aufnehmen, nehmen gleichzeitig also auch die Schadstoffe auf.

• Wo steckt Mikroplastik drin?

Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht sichtbar ist oder nicht auffällt, steckt in sehr vielen Kosmetikprodukten Mikroplastik. Häufig kommt es etwa in Duschgel und Peelings, aber auch in Zahnpasta und Make-Up vor. Auch manche Reinigungsmittel wie beispielsweise Glaskeramikreiniger beinhalten Mikroplastik. Die kleinen Plastikpartikel werden den Produkten als Schleifmittel oder als Trübungsmitteln zugesetzt, erläutert das Umweltbundesamt auf seiner Internetseite.

• Wie kommt Mikroplastik ins Meer?

Weil es zwei Arten von Mikroplastik gibt – primäres und sekundäres – gelangen die kleinen Plastikpartikel auch auf zwei unterschiedliche Wege ins Meer und in die Umwelt. Das sekundäre Mikroplastik entsteht wie oben beschrieben durch Zersetzungsprozesse aus großem Plastikmüll.

Das industriell gefertigte primäre Mikroplastik gelangt über das Abwassersystem in die Umwelt, in Flüsse und über diesen Weg ins Meer. Kosmetik- und Reinigungsmittel-Rückstände geraten ins Abwasser. In Kläranlagen wird das Wasser zwar aufbereitet und gereinigt, doch Kläranlagen sind nicht in der Lage, auch Kleinstpartikel vollständig aus dem Wasser zu filtern.

Das primäre Mikroplastik gerät also vom Haushalt über die Kläranlage in die Gewässer bis hin zum Meer. Das Umweltbundesamt schränkt zwar ein, dass auf diesem Wege nur geringe Mengen an Mikroplastik in die Umwelt gelangen, hält dessen Verwendung in Kosmetikprodukten aber dennoch durchaus für verzichtbar und den Verzicht der Industrie für erstrebenswert.

• Woran lässt sich erkennen, ob in einem Produkt Mikroplastik steckt?

Kosmetikprodukten oder Reinigungsmitteln sieht man häufig nur bedingt an, ob sie Mikroplastik enthalten. Ein Blick auf die Inhaltsliste verrät aber mehr – zumindest, wenn der Verbraucher die Fachbegriffe kennt.

Der Mikroplastik-Einkaufsratgeber des BUND listet die häufigsten Kunststoffe in Kosmetika auf:

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polyethylenterephthalat (PET)
  • Nylon-12
  • Nylon-6
  • Polyurethan (PUR)
  • Acrylates Copolymer (AC)
  • Acrylates Crosspolymer (ACS)
  • Polyacrylat (PA)
  • Polymethylmethacrylat (PMMA)
  • Polystyren (PS)

Zudem findet sich in dem BUND-Ratgeber eine Liste über Marken von Zahnpasta, Peelings/Gesichtsreiniger, Gesichts- und Augenpflege, Duschgel und Pflegebad, Make-up-Produkte, Shampoo und Haarpflegeprodukte, Lippenstift, Körperpflege, Sonnenschutzmittel, Fußpflege, Handpflege, Nagellack, Rasierschaum und Deo, die Mikroplastik enthalten.

Auch mithilfe von Apps auf dem Smartphone lässt sich erkennen, ob in einem Produkt Mikroplastik steckt. Die Codecheck-App für Android und iOS macht das Smartphone zum Strichcode-Scanner und gibt Auskunft über Inhaltsstoffe in allen möglichen Produkten. Die App zeigt nicht nur auf, in welchen Produkten Mikroplastik steckt, sondern etwa auch, welche Lebensmittel das gesundheits- und umweltschädliche Palmöl enthalten.

• Wie kann der Verbraucher Mikroplastik vermeiden?

„Verzichten Sie auf Plastik- und Mikroplastikprodukte und nutzen Sie Alternativen!“, fordert der BUND in seinem Einkaufsratgeber Verbraucher auf. „Utopia“, ein Online-Magazin für nachhaltigen Konsum, listet in einer Fotostrecke Kosmetikprodukte mit Mikroplastik und ihre umweltverträglicheren Alternativen auf.

In einem anderen Artikel rät „Utopia“, zu Bio-Produkten zu greifen, weil diese ohne Kunststoffe auskämen. Peelings lassen sich mithilfe von Öl, ätherischen Ölen oder Kräutern für guten Duft sowie Kaffeesatz, grobem Salz oder braunem Zucker als Ersatz für die Plastikpartikel auch selbst herstellen. Rezepte lassen sich zuhauf im Internet finden, unter anderem auch bei „Utopia“.

Auch die Wahl der Kleidung kann einen Beitrag dazu leisten, Mikroplastik zu vermeiden. Wer zu Naturfasern greift, tut der Umwelt etwas Gutes. Wer hingegen Kleidung aus Polyester trägt, also Kunstfasern, fördert das Mikroplastik-Problem. Die Nachhaltigkeits-Initiative The Story of Stuff Project hat auf YouTube einen Clip veröffentlicht, der – leider nur in englischer Sprache – das Polyester-Problem veranschaulicht.

Die Initiative The Story of Stuff Project veranschaulicht, wie Polyester-Kleidung das Mikroplastik-Problem fördert

Denn bei jedem Waschgang werden Fasern – sogenannte Mikrofasern – ausgewaschen. Sie landen im Abwasser und werden von den Kläranlagen nicht komplett aus dem Wasser gefiltert. Mikrofasern, darauf weist Greenpeace auf seiner Internetseite hin, sind nichts anderes als Mikroplastik.

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