Spritpreise

So sparen Autofahrer an der Zapfsäule richtig Geld

| Lesedauer: 7 Minuten
Wer genau hinsieht, kann beim Tanken sein Portemonnaie schonen.

Wer genau hinsieht, kann beim Tanken sein Portemonnaie schonen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Ulrich Baumgarten / picture alliance / Ulrich Baumga

Der Preiskampf an der Zapfsäule hält an. Unterschiede von bis zu 30 Cent am Tag sind möglich. So behält man als Kunde den Durchblick.

Berlin.  Wer die Preise an der Tankstelle vergleicht, kann richtig Geld sparen. Es gibt allerdings einiges zu beachten. Wir zeigen, wie man den Autotank am günstigsten füllt. Kleine Vorwarnung: Die Sparfüchse unter den Autofahrern müssen sehr genau aufpassen.

1. Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Tanken?

Morgens teuer, abends billig – so lautet eine Faustregel für Autofahrer. Allerdings: So einfach ist es dann doch nicht. Eine aktuelle Untersuchung des ADAC zeigt, dass an vielen Tankstellen inzwischen die Preise im Tagesverlauf gleichsam Achterbahn fahren. „Die gut kalkulierbaren günstigen Tageszeiten werden immer häufiger von zwischenzeitlichen Preisspitzen unterbrochen“, sagte eine Sprecherin unserer Redaktion.

Das sieht dann so aus: „Die erste Preisspitze beginnt nach 12 Uhr und erreicht – nach einem Anstieg von über zwei Cent – um 13 Uhr ihren Höhepunkt. Gegen 15 Uhr sind die Preise wieder auf dem vorherigen Niveau und sinken weiter ab. Bei der zweiten, neuen Preisspitze geht die Kurve ab 17 Uhr um rund 1,5 Cent nach oben. Sie erreicht zwischen 17 und 18 Uhr ihr Maximum, danach sinkt der Preis wieder auf das vorherige günstige Niveau.“ Alles klar?

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Eine Faustregel gibt es laut ADAC aber doch: Die günstigste Zeit zum Tanken liege zwischen 21 und 22 Uhr. Alltagstauglicher und somit mehr zu empfehlen sei der Zeitkorridor zwischen 16 und 22 Uhr. „Zwischen zwei und fünf Uhr morgens dagegen ist Tanken am teuersten“, heißt es beim ADAC weiter. Offenbar ist nachts die Bereitschaft der Autofahrer, nach einer günstigeren Alternative zu suchen, am geringsten.

2. Gibt es „billige“ und „teure“ Tage?

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat herausgefunden, dass an Sonn- und Feiertagen die höchsten Preise an der Zapfsäule zu entrichten sind. Es ist aber unklar, ob diese Preissteigerungen durch eine erhöhte Nachfrage an Wochenenden und Feiertagen gerechtfertigt ist.Tanken an Werktagen zahlt sich also oft aus.

3. Wie sieht es an der Autobahn aus?

Grundsätzlich gilt: Gerade kurz vor oder in der Ferienzeit, etwa zu Ostern, ist es nicht ratsam zu tanken – dies gilt vor allem für Tankstellen an der Autobahn. Dort können die Preise laut Bundeskartellamt pro Liter schon mal 15 Cent höher sein.

Eine Auswertung des ADAC ergab, dass die Literpreise für Diesel an der Autobahn um bis zu elf Cent über der Vergleichstankstelle im nahegelegenen Umland lagen. Bei Benzin betrug der größte Preisunterschied zwischen den beiden Tankstellen demnach neun Cent je Liter.

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4. Haben alle Marken die gleiche Taktik beim Preis?

Nein. Der ADAC hat 2016 die fünf großen Anbieter Aral, Esso, Jet, Shell und Total unter die Lupe genommen – und deutliche Unterschiede entdeckt.

Zum Beispiel: Die größten Preisunterschiede zwischen den einzelnen Anbietern gebe es zwischen 22 und 23 Uhr. Dann koste der Kraftstoff an den Tankstellen von Shell und Aral im Durchschnitt 15 Cent mehr als bei Jet, wo die Preise erst um 23 Uhr angehoben werden.

Die Preisbildung insgesamt unterscheide sich erheblich. Bei Shell koste ein Liter Benzin nachts im Schnitt 14 Cent mehr als zum günstigsten Zeitpunkt am frühen Abend. Bei Aral dagegen liege die Differenz bei 13,8 Cent. Im Tankstellennetz von Jet weichen die Preise laut ADAC nur um 6,6 Cent ab.

Während Jet seine Preise an den Zapfsäulen täglich um weniger als acht Cent erhöht und senkt, gehen bei Aral und Shell die Preise jeweils um über 16 Cent nach oben und unten.

5. Was ist mit freien Tankstellen?

Laut der Sprecherin des ADAC lohnt der Blick auf freie Tankstellen immer noch: „Im Zweifelsfall liegen die Preise dort ein bis zwei Cent niedriger.“

6. Gibt es Unterschiede zwischen den Bundesländern?

Ja. Die Preise variieren auch zwischen den Bundesländern deutlich. Am günstigsten kommen die Autofahrer in Hamburg weg. Für einen Liter Super E10 zahlen sie laut ADAC derzeit mit 1,256 Euro ganze sieben Cent weniger als etwa in Sachsen-Anhalt. Ähnlich sieht es beim Diesel aus. Auch hier ist Hamburg das günstigste Bundesland mit einem Preis von 1,124 Euro je Liter. Am teuersten ist es für Diesel-Fahrer im Saarland mit 1,187 Euro – ein Unterschied von mehr als sechs Cent.

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Für die Untersuchung hat der ADAC die Preisdaten alle rund 14.000 bei der Markttransparenzstelle des Bundeskartellamts erfassten Tankstellen ausgewertet.

Auffällig ist, wie deutlich sich Hamburg als preiswertestes Bundesland von den nachfolgenden Ländern abhebt. Zum Zweitplatzierten Schleswig-Holstein beträgt der Abstand bei Benzin 2,4 Cent, bei Diesel zwei Cent. In den beiden anderen Stadtstaaten Berlin und Bremen, in denen es ebenfalls eine größere Tankstellendichte mit entsprechend hohem Wettbewerbsdruck gibt, sind die Spritpreise teils deutlich höher.

7. Kann die Tankstelle im grenznahen Ausland eine günstige Alternative sein?

Das hängt ganz davon ab, wo man wohnt. Für Autofahrer ganz in Westen und im Norden Deutschlands sieht es nicht danach aus. „Am teuersten ist Superbenzin derzeit in den Niederlanden mit 1,65 Euro und in Dänemark mit 1,58 Euro“, sagte die ADAC-Sprecherin. Die Zahlen stammen aus dem Februar 2018.

Deutlich günstiger tankt man Super dagegen in Polen (1,12 Euro), Luxemburg (1,15 Euro) oder Tschechien (1,19 Euro).

In den großen Urlaubsländern sticht zudem Italien heraus. Hier kostete Superbenzin laut ADAC zuletzt 1,55 Euro. „Wer mit dem Auto dorthin fährt, sollte vor der Grenze in Österreich noch mal volltanken“, rät die ADAC-Sprecherin. Bei einem Literpreis von 1,20 Euro können Italienreisende einiges sparen. Dieselfahrer müssen ebenfalls in Italien (1,42 Euro), aber auch in der Schweiz sowie in Großbritannien und Belgien (1,40 Euro/Liter) am tiefsten in die Tasche greifen.

8. Gibt es Hilfen beim Preisvergleich?

Die Preise können selbst innerhalb einer Stadt, aber auch auf dem Land erheblich schwanken. Der ADAC empfiehlt Autofahrern deshalb, sich über die aktuellen Preise für Diesel und Benzin in der Nähe zu informieren. Das geht zum Beispiel über die App „ADAC Spritpreise“ oder über das Internet unter www.adac.de/tanken.

Auch andere Internetportale haben Benzinpreis-Apps im Angebot. Nicht alle sind wirklich hilfreich, wie Tests gezeigt haben. (W.B./sdo)