Abenteuer

Auf den Spuren der Maya-Hochkultur in Mittelamerika

In Guatemala und El Salvador finden sich Nachfahren der einstigen Hochkultur, die noch immer viele ihrer Traditionen fortleben lassen.

Viele Besucher des Atitlán-Sees in Guatelmala siedeln dort an. Es gibt auch eine deutsche Gemeinde.

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Foto: Jake Norton / Getty Images/Aurora Creative

Guatemala-Stadt.  Bunt. Das ist der erste Eindruck, den man in Guatemala bekommt. Unglaublich farbenfroh ist es hier. Überall. Natur, Märkte, Möbel, Früchte, Geschirr, Kleidung – alles leuchtet.

56 Prozent der Bevölkerung Guatemalas sind Indigene, also Indios und Nachkommen der Maya. Die Frauen tragen traditionelle handgewebte, bestickte Stoffe mit strahlenden Mustern, die wir Touristen nicht unterscheiden können, die aber Auskunft über ihre ethnische Zugehörigkeit geben. Das sind gezackte Muster in Senfgelb, Türkis, Schwarz und Braun. Oder in fünf verschiedenen Rot-, Blau- und Lilatönen.

Noch zwölf Millionen Maya leben zwischen Mexiko und Honduras

Überall bieten Indio-Frauen Stoffe und Decken mit diesen Mustern an. Auch Rucksäcke, Taschen, Gürtel, Tücher. Verzierte Flaschen und Schmuck, buntes Tongeschirr, Armbänder, Ohrringe und Ketten, Trommeln, Masken und Marimbas, die aus dem Holz vom Ameisenbaum gefertigt werden und deshalb so schön klingen, liegen auf jedem Markt ordentlich ausgebreitet an Ständen. Oder werden in großen Tüchern herumgetragen, die die Frauen über ihren Schultern verknotet haben und aus denen sie, wie aus einem Zauberhut, immer neue Waren hervorholen. Wahrscheinlich ging es vor 1000 Jahren hier ähnlich zu, in der Blütezeit der Maya.

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Heute leben zwischen Honduras und Mexiko, auf fünf Länder verteilt, noch zwölf Millionen Maya, die 33 Sprachen sprechen, wie man durch DNA-Vergleiche hergeleitet hat. Das Wort Guatemala stammt aus dem mexikanischen Nahuatl und bedeutet „Land der Bäume“. Guatemala mit seinen 16 Millionen Einwohnern wirbt aber mit dem Slogan „Herz der Maya-Welt“. Die Maya-Kultur umfasste eine Reihe von Stadtstaaten auf der mittelamerikanischen Halbinsel Yucatan, dort, wo Guatemala heute auf der Pazifikseite an Mexiko grenzt. Die Maya haben Chinin, Avocados und Tomaten in die Welt gebracht. Um 1200 herum kollabierte diese Kultur – man weiß nicht genau, warum. Und diese Maya prägen bis heute das Bild Guatemalas.

Eine Anthropologin führt ein Restaurant mit neuer Maya-Küche

Quetzal heißt das Geld hier, benannt nach dem Wappenvogel des Landes. Ein Wort, das der Maya-Sprache entnommen ist. Obwohl es „die“ Maya-Sprache gar nicht gibt. 22 Maya-Sprachen werden aktuell in Guatemala gesprochen, hinzu kommen 30 weitere Indio-Sprachen. Hier ist Multikulti Alltag. Amts­sprache jedoch ist Spanisch. Die Bevölkerung ist jung – 40 Prozent der Guatemalteken sind jünger als 15 Jahre – und freundlich.

Guatemala, 1524 von den Spaniern gegründet, ist ein spannendes Reiseland – Kultur, Natur, Kolonialstädte, Tempel und Strand bieten eine attraktive Kombination. Auch wenn es heißt, es sei nicht immer ganz ungefährlich – denn Bandenkriminalität, so erzählen unsere Reiseführer, gehört zu den schlimmsten Erscheinungen des Landes, in dem bis 1996, 36 Jahre lang, Bürgerkrieg herrschte. Touristen müssen aber allenfalls ihre Taschen vor der Hauptkathedrale in Guatemala-Stadt im Auge behalten, wenn sie, verzaubert von zur Taufe geschmückten Kindern, dem lebhaften Treiben vor der Kirche im Central Park zuschauen.

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Wer nach Guatemala reist, sollte Antigua besuchen, das 1979 von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt wurde und nur 40 Kilometer entfernt vom Flughafen liegt. Allerdings herrscht in der Fünf-Millionen-Einwohner-Metropole Guatemala-Stadt permanentes Verkehrschaos, und die Fahrt vom Flughafen nach Antigua kann schon mal drei Stunden dauern. In dem Städtchen zu wohnen, das mit blauen, ­roten oder ockerfarbenen Fassaden, mit Cafés, Restaurants, Mode-, Einrichtungs- und Jadeschmuckläden zum Flanieren einlädt, ist auf jeden Fall schöner, als in der Hauptstadt zu bleiben. Selbst wenn es in Guatemala-Stadt Restaurants wie das von Señora Pu gibt, in dem die Anthropologin Rosa Pu traditionelle Maya-Gerichte mit modernem Touch anrichtet. Da gibt es dann nicht nur Tortillas oder Pepian (Hühnchen mit Kürbis, grünen Bohnen und Maisbrei im Maisblatt), sondern auch mal Hühnchen in Schokolade.

Antigua war einst Hauptstadt von ganz Mittelamerika

Die alte Welt Spaniens aus dem 18. Jahrhundert, das malerische Kopfsteinpflaster und die drei umliegenden Vulkane Agua, Fuego und Acatenango prägen den beschaulichen Ort Antigua, der selbst auf seiner Plaza Mayor, dem Hauptplatz, mit seiner für Süd- und Mittelamerika so typischen Gestaltung mit Parkbänken und Palmen zum Entspannen einlädt. 1543 wurde die Stadt gegründet, die einst Hauptstadt von ganz Mittelamerika war und hauptsächlich von Spaniern bewohnt wurde – die Maya lebten außerhalb. 36 Kirchen für 15.000 Einwohner gab es hier. Heute leben 30.000 Menschen in Antigua. Und wer die schöne Kathedrale San José besucht, neben der sich Marktstände, spielende Kinder und malerisch auf den Stufen sitzende Frauen präsentieren, bekommt schon einen sehr guten Eindruck vom Alltag des Landes. Vulkan Fuego, einer der drei aktiven von 33 Vulkanen des Landes, speit immer noch Lava.

Zur größten Attraktion Mittelamerikas zählt Tikal, die antike guatemaltekische Maya-Stadt im Norden des Landes, die von der Unesco gleichzeitig als Weltkultur- und Weltnaturerbe anerkannt ist. Eine ungewöhnlich reiche Tier- und Pflanzenwelt hat sich um die Pyramiden und Tempel inmitten des Regenwaldes ausgebreitet. Die frühesten Spuren Tikals reichen bis ins erste Jahrtausend v. Chr. zurück, auf ihrem Höhepunkt war die Stadt zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert. Im 10. Jahrhundert war sie vollständig verlassen. 100.000 Menschen haben hier einst gelebt. Nur ein Bruchteil der majestätischen Ruinenanlagen ist bisher ausgegraben, denn man hat diese Kultur erst vor 150 Jahren wiederentdeckt. Hier kann man mühelos einen Tag verbringen, lässt von den Tempeln aus seinen Blick über den Urwald schweifen, gibt sich dem Gezwitscher der mehr als 300 Vogelarten hin oder spielt mit einem der herumschnüffelnden niedlichen Nasenbären Versteck.

Flores, die kleine Stadt am drittgrößten See Guatemalas, dem Lago Petén-Itzá, ist der Ausgangspunkt für alle Tikal-Reisenden. Sehr beschaulich liegt der hübsche Ort, der viele kleine Hotels und Restaurants mit blühenden Vorgärten hat. Boote schippern, im Hintergrund zeigen sich majestätisch Vulkane, wenn zum Sonnenuntergang zahllose Stände mit Streetfood aufgebaut werden. Tortillas, Bohneneintopf, Avocadomus und Süßigkeiten werden hier angeboten. Dazu einen Mojito, der nur wenig mehr als einen Euro kostet, und die Chill-out-Stimmung ist perfekt.

Der größte Markt ist in Chichicastenango und Umschlagplatz für Waren aller Art

Umgeben von drei Vulkanen ist auch der Atitlán-See, der 150 Kilometer entfernt von Guatemala-Stadt liegt. Hier kann man das ganze Jahr über Vulkane besteigen. Einige deutsche Aussiedler bilden eine Gemeinde. Sie haben dafür gesorgt, dass der Müll jede Woche pünktlich abgeholt wird.

Ganz in der Nähe, in Chichicastenango, findet donnerstags und sonntags der größte Markt Mittelamerikas statt. Dann ist der Ort auf 2000 Meter Höhe im Hochland ein ein­ziger, wuselnder, bunter Umschlagplatz für Waren aller Art. Lebende Hühner, Stoffe, Blumen, Haushaltsgegenstände, Schmuck, Musikinstrumente, einfach alles wird hier angeboten. Die Frauen tragen bunte Blusen (guipil), die Männer Hüte, schwarze Wollhosen und Jacketts. Und oft auch schwere Lasten. Laut und aufregend geht’s hier zu.

In einer Ecke der Santo-Tomas-Kirche halten Animisten ihre Rituale ab, während in einer anderen Ecke Christen beten. Einst stand an dieser Stelle ein Maya-Tempel. Die 18 Kirchenstufen entsprechen den Monaten des Maya-Kalenders. Hier wird eine Fülle von Blumen verkauft, aber Schamanen entzünden auch Kerzen und Weihrauch oder bringen Tieropfer dar. Obwohl viele Guatemalteken Christen sind, leben auch Traditionen der Maya weiter. Man kann ja nie wissen, was hilft.

Auf der Weiterreise ins Nachbarland El Salvador sieht plötzlich vieles ganz anders aus. Der Staat, der als einziger mittelamerikanischer keinen Zugang zur Karibik hat, sondern ausschließlich eine pazifische Küste, hat nur fünf Prozent indigene Bewohner. Mehrere Hundert Vulkane gibt es hier. Acht sind noch aktiv. Das Land führt einen ständigen Wettstreit mit Guatemala darum, wer den besten Kaffee und auch Kakao produziert.

Der Erhalt der Biosphäre rettet das Leben von Meeresschildkröten

Die Puerto Barillas Lodge liegt im Südosten des Landes, inmitten eines Urwaldes am Flussarm der Jiquilisco-Bucht. Hier ist man wirklich weg von der Welt, wohnt im Baumhaus und fährt morgens mit einem Boot aufs Wasser. In ein noch intaktes Ökosystem aus Mangroven, Seegras und vielen kleinen Inseln. Dorthin, wo man zusehen kann, wie Meeresschildkröten gerettet werden. Seit einigen Jahren besteht ein staatlich gefördertes Programm (ICAPO) für den Erhalt der Biosphäre. Biologen und Veterinäre wiegen, messen und kennzeichnen Meeresschildkröten, die vom Aussterben bedroht sind und sich dank des Einsatzes der Wissenschaftler und der lokalen Bevölkerung wieder stark vermehren.

Rodriguez ist ein kräftiger, mittelalter Mann, der mit seinem Kollegen José in einem Fischerboot mit einem speziellen Netz herumfährt. Sobald sie eine Meeresschildkröte sehen, springt Rodriguez ins Wasser und versucht das kräftige Tier zu fangen und ins Netz zu bugsieren. Das gelingt ihm recht bald, und die Männer hieven die große, kräftige Schildkröte vorsichtig über den hölzernen Rand ins Boot. Rodriguez holt heute Morgen gleich drei der Tiere heraus, die sogleich an Land gefahren werden. Dort werden alle Daten aufgenommen, nach einer halben Stunde geht es, versehen mit einer Marke, wieder ins Wasser.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wird an den salvadorianischen Berghängen Kaffee angebaut. Große Plantagen der Großgrundbesitzer zeugen bis heute davon. Die Kaffeeproduktion wird hier beinahe als Kunst angesehen. Auch eine Kakaoplantage kann man hier besuchen. Im leuchtend gelben T-Shirt und mit Panamahut auf dem Kopf erklärt Pablo, wie die gelb und grün gestreiften Kakaofrüchte geerntet, die rund 40 Samen entfernt und getrocknet werden. Sie kommen in offene Holzkisten, wo sie sechs Tage lang fermentieren sollen. Danach trocknen sie rund zwei Wochen lang, bevor sie, in Jutesäcke verstaut, nach Europa verschifft werden, wo dann erst der Verarbeitungsprozess zu Schokolade stattfindet.

Schon die Maya nutzten das tiefe Blau aus der Pflanze Xiquilite, die an Flüssen wächst

Ob Plantagenarbeiter oder Köchin, die Einwohner arbeiten teilweise hart für die überlieferte, traditionelle Herstellung von Nahrung oder Kleidung in Handarbeit. Zum Beispiel kochen die Frauen, die in Suchitoto die landes­typischen Teigfladen Pupusas backen, abends zwei Stunden Getreidekörner aus und bringen sie am nächsten Tag in die Mühle, wo sie schwergängige Mühlräder bedienen, aus denen das Mehl strömt. Was für ein Aufwand.

Suchitoto ist eine hübsche Kolonialstadt, in der das Leben gemächlich zugeht. Im Mode- und Andenkengeschäft der Familie Guadron können Besucher Stoffe mit Indigo einfärben. Schon die Maya nutzten das tiefe Blau aus der Pflanze Xiquilite, die an Flüssen wächst. Heute kommt Tochter Mia, um mit uns Schals zu färben. Sie ist Studentin und hilft in ihrer Freizeit im Familienbetrieb aus. Zuerst binden wir Knoten in den Stoff. Dort werden später die weißen Stellen der Batiken erscheinen. Drei- bis viermal taucht man den Stoff in die leicht stinkende Flüssigkeit, die in einem großen Fass auf und ab schwappt. Nach ein paar Stunden auf der Wäscheleine holt man stolz seinen selbst gefärbten Schal ab.

Ganz neuzeitlich wird es am Coatepeque-See, einer von wohlhabenden Salvadorianern mit Wochenendhäusern besiedelten Gegend. Hier kann man im schicken Restaurant „La Pampa“ auf der Terrasse sitzen und sich Modernes aus der Küche servieren lassen, bevor es weiter an die Strände Playas de Libertad geht. Die Ortschaften hier bieten, was Touristen sich wünschen: Man kann surfen, Wasserski fahren, Bootstouren unternehmen. Die Strände sind gut besucht, aber nicht voll. Etwas außerhalb, im Atami Resort, gibt es zwei große Meerwasserbecken und einen Pool. Die Anlage ist weitläufig und gut bewacht, aber nicht ganz auf dem neuesten Stand. Wer jedoch abends hier hoch über dem Strand isst, kann seinen Blick weit schweifen lassen.

Tipps & Informationen

Anreise von Hamburg z. B. mit British Airways und American Airlines über London und Miami oder mit KLM und Delta über Amsterdam und Los Angeles nach Guatemala-Stadt. Nach San Salvador geht es z. B. mit Lufthansa und Avianca über Frankfurt und Mexiko-Stadt. Oder mit Iberia von Guatemala-Stadt aus.

Übernachtung in Antigua z. B. im Palacio de Dona Leonor, Doppelzimmer ab 128 Euro, Tel. 0050/27/9620202, www. palaciodeleonor.com;
in El Salvador in der Puerto Barillas Lodge, ab 81 Euro pro Lodge (max. 3 Pers.), www.puertobarillas. com; in Suchitoto im Hotel Los Almendros de San Lorenzo, DZ ab 85 Euro, www.losalmendrosdesanlorenzo.com

(Die Reise erfolgte mit Unterstützung durch Central America Tourism Agency)

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