Abofallen

Wenig Hilfe für Mobilfunkkunden bei Ärger mit Drittanbietern

Stiftung Warentest übt Kritik an Mobilfunkanbietern. Sie würden ihre Kunden bei Abofallen von Drittanbietern „im Regen stehen“ lassen.

Abofallen: Apps, Klingeltöne oder Emojis bergen Risiken.

Abofallen: Apps, Klingeltöne oder Emojis bergen Risiken.

Foto: Warchi / Getty Images/iStockphoto

Berlin.  Emoji, Klingelton oder Videospiel: Auf vielen Mobilfunkrechnungen entdecken Verbraucher Abbuchungen für Dienste, die sie nicht bestellt haben. In diesen Fällen ist es Drittanbietern gelungen, Handybesitzern ein Abo unterzuschieben. Doch wer nichts bestellt hat, muss auch nicht bezahlen, rät Stiftung Warentest.

Die Verbraucherschützer kritisieren in einem neuen Report, dass Mobilfunkanbieter ihre Kunden bei Abofallen „im Regen stehen lassen“. Viele Verbraucher würden sich selbstverständlich an den Rechnungssteller – also den Mobilfunkanbieter – wenden, um die Abbuchungen zu reklamieren. Dort aber würden sie an die Drittanbieter verwiesen, kritisiert Warentest.

Mobilfunkanbieter als Geldeintreiber?

„Diese Firmen haben ihren Sitz oft nicht in Deutschland und sind von den Kunden selbst kaum zu belangen.“ Zudem stehe auf der Rechnung meist nicht einmal, was der Kunde angeblich gekauft habe. So sei in vielen Fällen nur allgemein von „Sonderdiensten“ oder „Mehrwertdiensten“ die Rede. Es könne nicht sein, dass ein Mobilfunkunternehmen für dubiose Drittanbieter das Geld eintreibe und dabei noch mitverdiene.

Der Verbraucher sei jedoch nicht machtlos, argumentiert Stiftung Warentest und verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (Az. III ZR 58/06): „2006 wurde festgestellt, dass ,sich der Teilnehmernetzbetreiber die im Verhältnis des Kunden zu dem Drittanbieter bestehenden Einwendungen entgegenhalten lassen muss“, zitieren die Autoren. Im Klartext bedeute das: Der Mobilfunkanbieter ist Ansprechpartner für den Kunden.

Warentest rät: keinesfalls zahlen

„Wer eine Zahlung verlangt, kann nicht auf einen Dritten verweisen“, schlussfolgert auch die Verbraucherzentrale Hamburg, die im November 2005 ein Urteil für eine Kundin des Anbieters Base erstritt (Az. 2 O 340/14). Laut Stiftung Warentest seien den Mobilfunkunternehmen viele Drittanbieter als „schwarze Schafe“ bekannt . Mobilcom-Debitel etwa habe im laufenden Jahr etwa 200 Dienste gesperrt.

Stiftung Warentest rät Verbrauchern bei ungerechtfertigten Abbuchungen: Auf keinen Fall zahlen und sich vom Mobilfunkanbieter nicht mit Mahnungen oder Drohen der Anschlusssperre unter Druck setzen lassen. Vorbeugen könnten Verbraucher, in dem sie bei den Mobilfunkanbietern eine Drittanbietersperre einrichten.