Sicherheit

Test: Was Überwachungskameras fürs Handy können

Smarte Überwachungskameras machen das Mobiltelefon zum Fenster in die eigene Wohnung. Unser Test stellt fünf der neuen Geräte vor.

Ein Einbrecher auf einem Tablet-Display (Symbolbild).

Ein Einbrecher auf einem Tablet-Display (Symbolbild).

Berlin.  Gerade zur Urlaubszeit wünscht sich manch einer vom Strand aus, einen Blick in die heimische Wohnung werfen zu können – ob auch alles in Ordnung ist. Oder Herrchen und Frauchen fragen sich am Arbeitsplatz, was Hund oder Katze eigentlich den Tag über zu Hause treiben, während sie allein sind. Was früher teure Überwachungsanlagen nötig gemacht hätte, ist heute, im Zeitalter des „Internets der Dinge“, kein Problem mehr. Alles, was man dazu braucht, ist ein Internetanschluss – den Rest erledigen smarte Kameras, Apps und Cloud-Dienste. Auf dem Datenblatt sind die Geräte wahre Alleskönner, reagieren auf Bewegung oder Geräusche und können sogar im Dunkeln sehen. Wir haben anhand von fünf Modellen getestet, wie sich die smarten Kameras im Alltag schlagen.

Netatmo Welcome

Netatmos Kamera ist schnell eingerichtet und lässt sich über die App angenehm leicht bedienen. Die Kamera fällt mit ihrem Aluminiumkleid neben typischer Wohnungsdeko nicht weiter auf. Absolutes Alleinstellungsmerkmal ist die Gesichtserkennung: Man kann für bis zu 16 verschiedene Personen jeweils eigene Kameraaktionen festlegen: So erhalten Eltern etwa einen Hinweis auf dem Smartphone, wenn die Kinder nach Hause kommen oder wenn unbekannte Gesichter erkannt werden – und sie können die Kamera automatisch deaktivieren, sobald Welcome das Gesicht eines Erziehungsberechtigten erspäht hat. Im Test funktionierte die Erkennung allerdings nur bei guter Beleuchtung wirklich zuverlässig. Außerdem sollt man die Kamera nicht in Richtung eines Fernsehers richten – sonst erkennt das Gerät unbekannte Gesichter am laufenden Band. Welcome speichert die aufgenommenen Clips lokal auf einer Micro-SD-Karte, die Qualität der Videos ist gut. Alte Clips werden erst gelöscht, sobald kein Speicherplatz mehr vorhanden ist. Die Videos lassen sich aber auch automatisch auf der eigenen Dropbox oder einem FTP-Server speichern. Zusätzlich erhältlich sind außerdem die Netatmo Tags, die an Türen oder Fenstern angebracht Erschütterungen registrieren und über die Kamera Alarm schlagen können.

Fazit: Die smarte Gesichtserkennung bietet einen interessanten Mehrwert gegenüber den Konkurrenzprodukten – in Verbindung mit den Tags ein rundes Gesamtpaket. Preis: ab 190 Euro.

Withings Home

Auch Withings’ Kamera will nicht nach Technik aussehen. Der weiße Kunststofffuß kann in verschiedenen Farben erstrahlen – dank zusätzlich eingebauten Lautsprechern kann Home so auch Einschlafmelodien oder Meeresrauschen mit entsprechender farblicher Untermalung abspielen, die Dauer wählt man zuvor per Timer. So dürfte sich Home besonders als smarte Einschlafhilfe für einen selbst oder auch für Kinder bewähren, zudem kann man die Kleinen per Gegensprechfunktion zurück ins Bett schicken, ohne vom Sofa aufstehen zu müssen. Eine weitere Besonderheit der Kamera ist, dass sie die Luftqualität misst und bei Bedarf warnt. Die App ist übersichtlich, bietet zudem eine Zeitrafferfunktion, mit der sich die vergangenen 24 Stunden im Schnelldurchlauf anschauen lassen. Aufnahmen liegen 48 Stunden lang in der Cloud, eine Woche Speicherdauer kostet 7,95 pro Monat, 30 Tage 19,95 Euro.

Fazit: Durchdachtes Kamerakonzept, das sich besonders gut als Babyphone oder Einschlafhilfe eignet. Preis: ab 190 Euro.

Netgear Arlo/Arlo Q

Bei Netgear geht es weniger um Lifestyle und mehr um Überwachung. Die beiden getesteten Kameras sind zwar nicht hässlich, sehen aber deutlich mehr nach Kamera aus. Arlo Q ist dabei für Innenräume gedacht und verlangt wie auch die hier vorgestellten Konkurrenzmodelle nach dauerhafter Stromanbindung – Arlo ist dagegen batteriebetrieben und vor Witterungseinflüssen geschützt, kann also auch im Garten aufgestellt werden. Die Arlo Q bietet mit einem Blickwinkel von 130 Grad einen großen Überblick, zeigt das Videobild aber auch etwas verzerrt an. Außerdem hat sie eine Gegensprechfunktion. Die batteriebetriebene Arlo hat weder Lautsprecher noch Mikrofon – kann dadurch auch nicht auf Geräusche reagieren.

Die Aufnahmen von bis zu fünf Kameras werden für sieben Tage in der Cloud gespeichert – allerdings nur bis zu einer Gesamtgröße von einem Gigabyte. Gegen eine monatliche Gebühr kann die Speicherdauer auf 30 Tage/10 GB (8,99 Euro) oder 60 Tage/100 GB (13,99 Euro) erweitert werden. Wer dagegen ein durchgängiges Video aufzeichnen will (CVR), kann das bei Arlo auch: 14 Tage CVR kosten 8,99 Euro pro Kamera, 30 Tage 17,99 Euro.

Fazit: Arlo und Arlo Q setzen den Schwerpunkt auf Sicherheit. Die CVR-Funktion ist zudem auch für kleinere Geschäfte interessant. Preis: 210 Euro (Arlo Q) bzw. 220 Euro (Arlo).

Smartfrog-Kamera

Das besondere an der Smartfrog-Kamera sind nicht unbedingt Funktionen oder Aussehen. Es ist das Vertriebsmodell: Statt die Kamera für 149 Euro zu kaufen, kann man sie auch für 5,99 Euro pro Monat mieten – ohne Vertragslaufzeit. Läuft das Abo länger als 24 Monate, kann man das Gerät auch nach der Kündigung behalten. Im Preis enthalten ist eine Cloud-Speicherdauer von vier Stunden, gegen zusätzliche Gebühren lässt sich diese auf 24 Stunden (zzgl. 2,95 Euro), sieben Tage (zzgl. 5,95 Euro) oder 30 Tage (zzgl. 14,95 Euro) erweitern. Im Vergleich zur schicken Konkurrenz ist die Smartfrog-Kamera zwar nicht sonderlich schön – funktionell steht sie diesen aber in nichts nach. Nur auf Full-HD-Auflösung muss man verzichten. Über die Desktopoberfläche lassen sich im Kamerabild sogar bestimmte Bereiche markieren, auf die gesondert reagiert wird. Wer noch alte Smartphones oder Tablets in der Schublade hat, kann diese noch zu weiteren Überwachungskameras umfunktionieren, die dann ebenfalls ins System eingebunden werden.

Fazit: Sehr günstiger Einstieg in die Heimüberwachung – dank günstigem Abomodell ideal zum Ausprobieren. Preis: 5,95 Euro monatlich oder einmalig 149 Euro.