Digitalisierung

Abschalten: Gegen Handy-Stress hilft nur der kalte Entzug

Viele Menschen schauen ständig aufs Handy, das verursacht Stress. Das Abschalten lässt sich lernen. Besonders gut: ein kleines Ritual.

Ständig griffbereit, ständig im Einsatz: Experten geben Tipps, wie Handynutzer den Gebrauch des Smartphones einschränken können.

Ständig griffbereit, ständig im Einsatz: Experten geben Tipps, wie Handynutzer den Gebrauch des Smartphones einschränken können.

Foto: Gregor Fischer / dpa

Wien.  Viele klagen darüber, ständig erreichbar zu sein – aber das Abschalten muss zuerst im Kopf funktionieren. „Das geht nur mit kaltem Entzug, denn das ständige Schauen aufs Smartphone und die Erreichbarkeit sind wie eine Sucht“, sagt Dominik Borde, Coach und Paartherapeut in Wien. „Es braucht Entwöhnung, man muss sich in bestimmten Situationen zwingen und es ganz bewusst weglassen.“

Beginnen kann man beispielsweise beim Treffen mit dem Partner oder einem Freund. Borde empfiehlt: Das Smartphone vor den Augen des anderen herausnehmen, ausschalten und etwa sagen: „Entschuldige, ich schalte nur gerade mein Handy aus.“ Das signalisiert dem anderen Wertschätzung und gibt beiden Seiten ein gutes Gefühl. Daraus kann man eine kleines Ritual machen – das mit jedem Mal einfacher wird. Dagegen funktioniert es in der Regel nicht, sich nur vorzunehmen, nicht aufs Smartphone zu schauen.

Nicht ständig fotografieren

„Wenn beispielsweise die Freundin kurz zur Toilette geht und man sofort die Pause nutzt, um das Handy herauszuholen, dann funktioniert das Abschalten nicht“, sagt Borde. Wenn es ausgeschaltet ist oder gar woanders liegt, konzentriert man sich mehr auf sein Umfeld und kann besser abschalten.

Borde empfiehlt außerdem, auch mal einen Ausflug ganz ohne Handy zu machen oder es zumindest ausgeschaltet zu lassen. „Man muss nicht immer Fotos machen oder irgendwem schreiben, wo man gerade ist“, sagt der Experte. Besser ist es, sich ganz bewusst auf den Moment zu konzentrieren. Dass das den meisten nicht leichtfällt, ist klar. „Man muss es erst wieder lernen.“ (dpa)