Arbeitsrecht

Mitarbeiter werden nicht zwangsläufig automatisch Rentner

Wenn ein Mitarbeiter das Rentenalter erreicht, scheidet er nicht zwangsläufig aus dem Unternehmen aus. Ein Anwalt erklärt die Rechtslage.

Ob es Freude an der Tätigkeit ist oder die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, oft möchten Angestellte weiterarbeiten, obwohl sie das Rentenalter erreicht haben.

Ob es Freude an der Tätigkeit ist oder die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, oft möchten Angestellte weiterarbeiten, obwohl sie das Rentenalter erreicht haben.

Foto: TommL / Getty Images

Berlin.  Ein Unternehmer fragt: Einer meiner Mitarbeiter wird in Kürze das Renteneintrittsalter erreichen, doch er möchte weiterarbeiten. Ich habe aber schon Ersatz gefunden. Was kann ich tun? Muss ich ihm kündigen?

Das sagt Rechtsanwalt Heiko Peter Krenz: Ein Arbeitsverhältnis endet nicht automatisch, nur weil der Arbeitnehmer die Altersgrenze für den Renteneintritt erreicht hat. Tatsächlich kann ein Arbeitnehmer auch nach Erreichen der Rentenaltersgrenze einen Anspruch darauf haben, weiter zu arbeiten.

Eine Pflicht, Rente zu beziehen, besteht nämlich nicht. Aus diesem Grunde ist es für jeden Arbeitgeber unbedingt ratsam, schon beim Abschluss eines Arbeitsvertrags festzulegen, dass das Arbeitsverhältnis automatisch endet, wenn der Beschäftigte die Rentengrenze erreicht. Ansonsten endet das Arbeitsverhältnis nämlich nicht.

Eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag sorgt nicht nur für klare Verhältnisse, sondern vermeidet auch spätere Auseinandersetzungen, so wie sie Ihnen jetzt möglicherweise bevorstehen. Ältere Arbeitsverträge enthalten eine solche Klausel tatsächlich nicht immer. Mit dem Problem stehen Sie also nicht allein da.

Ob es nun die Freude an der Arbeit ist oder die Notwendigkeit, weiterhin Geld zu verdienen: Stellt sich der Arbeitnehmer quer und sein Arbeitsvertrag enthält keine „Rentenklausel“, wird es für den Arbeitgeber schwierig. Eine Kündigung ist nicht ohne Weiteres möglich.

Kündigung darf nicht altersdiskriminierend sein

Eine Kündigung „wegen der Rente“ stellt nämlich eine unzulässige Altersdiskriminierung dar und kann einen Schmerzensgeldanspruch nach sich ziehen. Ein Aufhebungsvertrag würde dieses Risiko vermeiden. Da ein Arbeitnehmer dem Vertrag allerdings zustimmen muss, braucht es dafür in der Regel einen entsprechenden Anreiz. Ohne die Zahlung einer Abfindung wird ein Unternehmen sich daher kaum von einem rentenunwilligen Arbeitnehmer trennen können.

Rechtssicherheit hat ihren Preis. Der Blick in den Arbeitsvertrag ist darum das A und O. Haben Sie eine „Rentenklausel“ im Arbeitsvertrag vereinbart, haben Sie Glück gehabt, andernfalls müssen Sie wohl zahlen.