Eine sogenannte Sondertilgung kann helfen, Schulden schneller loszuwerden und Zinskosten bei einem Privatkredit zu sparen. Allerdings erlaubt nicht jede Bank flexible Rückzahlungen und nicht immer lohnt sich der Mehraufwand wirklich. Wir zeigen, wie eine Sondertilgung funktioniert, welche Bedingungen gelten und wann es sich rechnet.
Was ist eine Sondertilgung beim Kredit und wie läuft sie ab?
Eine Sondertilgung ist eine außerplanmäßige Zahlung, die zusätzlich zur regulären Kreditrate geleistet wird. Sie hilft, sowohl die Restschuld schneller zu senken als auch die Zinsbelastung zu verringern. Wer zum Beispiel plötzlich mehr Geld auf dem Konto hat, beispielsweise durch eine Bonuszahlung, kann dieses nutzen, um den Kredit teilweise vorzeitig zurückzuzahlen.
Ralph Wefer, Kreditexperte bei Verivox, erklärt dazu: „Verbraucher können einen laufenden Ratenkredit jederzeit ganz oder teilweise zurückzahlen. Dasselbe gilt auch für andere Formen der Konsumfinanzierung – also beispielsweise auch für laufende Händlerfinanzierungen, die im Autohaus oder im Küchenstudio abgeschlossen wurden, sowie für sogenannte Buy-now-pay-later-Finanzierungen (BNPL).“
Aber Achtung: Wer mehr oder außerhalb der vertraglich vereinbarten Bedingungen sondertilgt, muss unter Umständen eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung zahlen. Das ist eine Gebühr, mit der sich die Bank für entgangene Kredit-Zinsen entschädigt. Sie kann bis zu ein Prozent der Restschuld betragen. „Bei Verträgen, die nach dem 10. Juni 2010 abgeschlossen wurden, ist die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung auf 1,00 Prozent der Restschuld begrenzt, bei einer Restlaufzeit von weniger als 12 Monaten auf 0,5 Prozent“, erklärt dazu die ING Deutschland.
Wie hoch ist die maximale Sondertilgung bei einem Ratenkredit?
Die maximal mögliche Sondertilgung ist immer im Kreditvertrag geregelt. Häufig liegt der erlaubte Betrag bei fünf bis zehn Prozent der ursprünglichen Kreditsumme pro Jahr. Manche Banken gehen sogar darüber hinaus, wie auch Wefer betont: „Bei vielen Banken sind kostenfreie Sondertilgungen in beliebiger Höhe mittlerweile längst Standard. Dann entstehen für die vorzeitige Rückzahlung gar keine Zusatzkosten.“
Auch ING Deutschland bestätigt: „In der Regel kann in beliebiger Höhe getilgt werden – feste Maximaltilgungssätze sind eher im Rahmen von Baufinanzierungen gängig.“ Entscheidend bleibt: Was im Kreditvertrag steht. Wer Sondertilgungen nutzen möchte, sollte daher gezielt nach flexiblen Rückzahlungsoptionen Ausschau halten und die Konditionen im Detail vergleichen.
Unser Privatkredit-Vergleich zeigt Banken mit ihren genauen Konditionen, inklusive Zinsen, Laufzeiten und Tilgungsoptionen. Gut zu wissen: Sondertilgungen gibt es nicht nur beim Ratenkredit, sondern auch bei Baufinanzierungen sind sie möglich. Wo sie kostenlos sind, zeigt unser großer Vergleich der Baufinanzierungen.
Was bedeutet 5-Prozent-Sondertilgung?
In vielen Kreditverträgen ist eine jährliche Sondertilgung in Höhe von fünf Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme erlaubt. Das bedeutet konkret: Wer einen Kredit über 20.000 Euro aufgenommen hat, darf jedes Jahr bis zu 1000 Euro zusätzlich zur regulären Rate zurückzahlen, ohne dafür eine zusätzliche Gebühr zahlen zu müssen.
Wie viel Ersparnis ist mit einer Sondertilgung möglich?
Eine Sondertilgung reduziert direkt die Restschuld Ihres Kredits – das senkt die Zinskosten und kann die Laufzeit deutlich verkürzen. Je früher und regelmäßiger Sie tilgen, desto stärker der Spareffekt.
Ein Finanzierungsbeispiel des Kreditvermittlers Dr. Klein zeigt das deutlich: Wer bei einem Kredit von 75.000 Euro jährlich 2000 Euro zusätzlich tilgt, spart innerhalb von zehn Jahren rund 12.600 Euro an Zinsen, trotz leicht höherem Zinssatz aufgrund der Sondertilgungsoption (4,25 Prozent statt 4 Prozent). Gleichzeitig halbiert sich die Restschuld nach zehn Jahren auf etwa 22.600 Euro – ohne Sondertilgung wären es über 47.000 Euro. Die Gesamtlaufzeit verkürzt sich von über 21 Jahren auf knapp 13,5 Jahre.
Ob sich durch die Sonderzahlung die Laufzeit verkürzt oder die monatliche Rate sinkt, hängt von den Vereinbarungen im Kreditvertrag ab. In der Regel bleibt die Rate gleich und die Rückzahlung ist schneller abgeschlossen. Manche Banken bieten aber auch an, die Rate zu senken und die Laufzeit beizubehalten. Wer schneller schuldenfrei sein will, sollte die erste Option wählen.
Fazit: Wann lohnt sich eine Sondertilgung und wann nicht?
Eine Sondertilgung ist vor allem dann sinnvoll, wenn sie im Kreditvertrag kostenlos vorgesehen ist und regelmäßig geleistet werden kann. Wer etwa jährlich einen Bonus vom Arbeitgeber erhält, Geld aus einer Erbschaft bekommt oder eine Steuerrückzahlung einplant, kann damit die Laufzeit verkürzen und erhebliche Zinskosten sparen.
Vorteile einer Sondertilgung im Überblick:
- Der Kredit ist schneller abbezahlt
- Sie zahlen über die Jahre deutlich weniger Zinsen
- Ihr finanzieller Spielraum steigt nach dem Ende der Kreditlaufzeit
Doch nicht immer ist die Sondertilgung die beste Lösung. Wurde im Vertrag ein Zinsaufschlag für die Sondertilgungsoption vereinbart, lohnt es sich genau hinzusehen. Der Grund dafür: Eine einmalige Zahlung gleicht die höheren Kreditkosten meist nicht aus.
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