Berliner Leuchtturm mit internationalem Glanz

Diesen "Ur-Berliner", Enkel des Operetten-Komponisten Walter Kollo, vorzustellen, erübrigt sich fast - er ist als bedeutendster Wagner-Tenor der letzten 30 Jahre einer von Berlins kulturellen "Leuchttürmen" und als solcher noch immer weltweit gefragt. Fast wäre es im Februar an der Bismarckstraße zu einem Auftritt als Tristan gekommen, doch als Stargast bei den vier Geburtstags-Galakonzerten zu Ehren des einflussreichsten japanischen Impresarios Tadatsugu Sasaki war er unabkömmlich, hatte er sich doch 1987 als Siegfried in der ersten kompletten Aufführung der Tetralogie in Japan, einem Gastspiel des "Berliner Rings", in die Herzen der Japaner gesungen - und gespielt!

René Kollos Weltkarriere begann, nach ersten Engagements im lyrischen Fach in Braunschweig und Düsseldorf, 1969 in Bayreuth mit dem Steuermann in "Der fliegende Holländer". 1970 folgten dort Erik, 1971 Lohengrin, 1975 der Siegfried von Patrice Chéreaus "Jahrhundert-Ring" sowie 1981 der Tristan mit Daniel Barenboim am Pult.

Von Publikum und Presse gleichermaßen gefeiert, hat er im Laufe der Jahre den Tannhäuser richtungsweisend auf allen maßgeblichen Bühnen der Welt interpretiert. Daneben erarbeitete er sich weitere neue Partien wie Hermann in Tschaikowskis "Pique Dame", 1988 Otello, 1993 Canio in Leoncavallos "I Pagliacci" und 1994 Peter Grimes von Benjamin Britten.

Besondere Bindungen bestehen zur Deutschen Oper Berlin, wo er 1973 als Wladimir in "Fürst Igor" debütierte und 1992 in einer Götz-Friedrich-Neuinszenierung des "Tannhäuser" mit Ovationen überschüttet wurde, ebenso wie in den Interpretationen des Siegfried und Tristan.

Parallel zum "schweren Fach" widmete sich René Kollo auch seit mehr als zwei Jahrzehnten der "leichten Muse" und führte 1986 Regie am Staatstheater Darmstadt bei Wagners "Parsifal".

Sein 30-jähriges Bühnenjubiläum feierte er 1996. Zu seinem 60. Geburtstag erschien im Parthas-Verlag ein Text-Bild-Band, den der Sänger am 17. November 1997 in der Deutschen Oper Berlin vorstellte.