Groß in kleinen Dingen

Eine Oper ist eine kleine Stadt in der Stadt. Unter ihrem Dach kommen Angehörige vieler Berufsgruppen zusammen, um die Inszenierung eines musikalischen Bühnenwerks erfolgreich zu gestalten. In jeder Ausgabe stellen wir einen der Berufe vor.

In den Katakomben der Deutschen Oper Berlin lagert eine stille Märchenwelt. Dort döst ein riesiger Tiger vor sich hin, unter der Decke schweben Vogelattrappen, mal sind Stühle gestapelt, an einer anderen Stelle Schaufensterpuppen. Dies ist das Reich von Frank Kaufhold, Chef-Requisiteur an der Bismarckstraße.

Er und seine 13 Mitarbeiter kümmern sich um die Ausstattung eines jeden Stückes. Alles, was auf der Bühne beweglich ist, wird von ihnen besorgt oder hergestellt und für eine Aufführung auf der Bühne platziert. Dazu gehört Essen und Trinken, Tischdecken, Mobiliar, Teppiche und sämtliche Utensilien, womit die Schauspieler hantieren. "Wenn zum Beispiel ein Brief gebraucht wird, dann müssen wir den schreiben", erläutert Frank Kaufhold. Auch für die Sauberkeit verwendeter Wäsche sind die Requisiteure und ihr Chef zuständig. Weil bei jeder Aufführung die Ausstattungsgegenstände mit Schminke der Schauspieler in Berührung kommen, gehören Putzen und Waschen zum Arbeitsalltag.

Fantasie benötigt Kaufhold bei der Lösung von Detailaufgaben. Die Idee für die Requisiten kommen von Regisseur und Bühnenbildner. Kaufhold: "Sie haben die Fantasie, stellen sie uns vor, und wir versuchen, sie handwerklich umzusetzen."

Oft ist er auf Trödelmärkten unterwegs, um spezielle Stücke zu ergattern. Manchmal hilft der Zufall. Einen altertümlichen hölzernen Leiterwagen kaufte er einem Kollegen ab. "So etwas bekommt man heutzutage in normalen Geschäften nicht mehr." Einer seiner spannendsten Aufträge: Einmal musste er ein lebendes Kamel besorgen. Bei einem Zirkus bekam er schließlich ein Exemplar preiswert geliehen. Bei schwierigen Besorgungen helfen auch die Gelben Seiten. "Die sind meine besten Freunde", sagt Kaufhold lachend.

Und da war noch die Sache mit dem Blut. Normalerweise benutzt Kaufhold so genanntes Filmblut. Für "Salome" muss jedoch ein besonderer Saft kreiert werden. Es soll in "großen Mengen" über die schrägen Bühnenaufbauten fließen. Einerseits dürfen jedoch die Sänger auf dem ohnehin glatten Boden nicht ausrutschen. Andererseits muss es leicht entfernbar sein - aus Rücksicht auf die handbemalten Kostüme.

Frank Kaufhold hat zunächst beim früheren DDR-Fernsehen Beleuchter gelernt, landete später bei der Neuköllner Oper. Von da kam er 1996 an die Deutsche Oper, seit 1999 ist er Chefrequisiteur. Seitdem hat er einige Neuerungen eingeführt. Jede Inszenierung kommt in die Verantwortung eines seiner Mitarbeiter. Kaufhold freut sich, dass die meisten mit großem Engagement dabei sind. Er selbst mag seinen Beruf: "Es macht Spaß, denn ich stehe immer vor völlig neuen Aufgaben."