Haste Töne

Eben noch kreiert der Komiker Littka Carlson seine humoristische Gesangspolka, und alles in Berlin singt mit: "Komm Karlinekin,/ komm Karlinekin komm,/ Wir woll'n nach Pankow gehen . . ." Doch wenige Jahre später - kurz nach 1900 - ist dies schon Schnee von gestern. Rudolf Nelson textet: "Meine kleine Braune". Und von Walter Kollo kommt der Titel "Das kleine Negergirl". Bereits ein Jahr zuvor ist ein Notenblatt von Paul Lincke auf dem Markt: "Negers Geburtstag".

Was eben noch Polka hieß, nennt sich von heute auf morgen Cake Walk und Ragtime. Doch unterscheidet sich das eine vom anderen allenfalls im Text, kaum in den Rhythmen des Zweivierteltakts. Der Schlagerwelle folgt die Bühne mit Konzerten, Shows und Revuen. Jetzt spürt Europa, was plötzlich von jenseits des Atlantiks die Alte Welt erobern wird.

John Philip Sousa spielt während der Pariser Weltausstellung 1899 den ersten Ragtime auf dem hiesigen Kontinent; seine Tournee führt ihn nach Berlin in die Kroll-Oper. Auf dem Programm stehen Lieder und Tänze aus den Baumwollfeldern. In London spielt sieben Monate lang vor ausverkauftem Haus das Musical "In Dahomey". Der Titel bezieht sich auf den schmalen Küstenstreifen Guineas, an dem einst die schwarzen Sklaven nach Louisiana verfrachtet wurden - zusammen mit den Ursprüngen ihrer Musik und den Rhythmen, die später Ragtime und Cake Walk entfesseln werden.

In Berlin verlangt ein übermütiges Publikum, derlei Tanzabenteuer sofort auf dem Parkett zu erproben. Doch sich diesen synkopierten Rhythmen anzupassen, ist gar nicht so einfach, und so schreibt ein Ballreporter: "Schräg wie die Töne bogen sich gleichsam die Rümpfe, und kippten die Hüften aus den Angeln - Körperteile also, die beim Tanz nie bewußt bewegt worden waren."

Es ist nicht mehr als eine pantomimische Spielerei auf dem Parkett, und doch wittert die Münchner Zeitschrift Kunstwart hierin eine Zerstörung aller ästhetischer Werte, und in Preußen empört sich Fedor von Zobeltitz: "Ekelhafte Fremdländerei!" Tanzpädagogen finden das alles ein wenig spaßiger: "Von oben gesehen scheint es, als tanzten betrunkene Mikroben." Das deutsche Kaiserreich neigt sich dem Ende zu. Noch einmal wächst die Reichshauptstadt in den zehn Jahren von 1900 bis 1910 um eine Million auf 3,7 Millionen Einwohner, und Paul Lincke dichtet in seiner "Berliner Luft": "Die Häuser wachsen aus dem Sand/ es blühen die Finanzen./ Und hier gedeihen, wie weltbekannt/ die echt Berliner Pflanzen." Mehr und mehr beeinflußt Amerika das Leben in Europa, verbunden mit einem sprunghaften Musikexport. Parallel dazu prägen im Verlauf der letzten Vorkriegsjahre angloamerikanische Sitten und Gebräuche das öffentliche Leben: Cutaway, Pyjama und Breeches werden modern; man luncht und verzehrt Sandwichs. Am Ende beeinflussen importierte Tänze die Kleidermode. Zum Tango etwa kommt das geschlitzte Tangokleid, doch zuvor schafft der Hosenrock Unmut und Erregung.

Es ist der 17. November 1910, an der Potsdamer Straße wird der Sportpalast eröffnet unter dem Protektorat der Kaiserin Auguste Viktoria. Die Show beginnt mit 200 Eiskunstläuferinnen im Reigen der Polarsterne. In den Blocks sind die Ränge und Galerien voll besetzt. Nun zieht die mondäne Welt in die goldverzierten Logen ein. Die Damen - selbstbewußt im Dernier cri - tragen Hosenröcke. Es sind die ersten in Berlin, und gleich kommt oben von den Rängen Hohn und Spott. Das Volk mokiert, ja erregt und empört sich. Doch die Hautevolee in ihren Kabinetts fühlt sich nicht gefoppt. Was da oben auf dem Heuboden herumflachst, ist doch nur Proletariat. Soll es doch im Osten bleiben, da gehört es hin, und nicht in das vergnügte Schöneberg!

Ja, der Berliner Osten! Hier entsteht ein Tanz, der zwar in Polka und Cake Walk seinen Ursprung hat, doch letztendlich typisch deutsch ist. Dazu erfindet Walter Kollo die Schlagerzeilen: "Tanzen willst du?/ Ach, du Lieber,/ Ja, riskieren wir einen Schieber!"

Bedingung für das simple Geradeaus-Tanzen ist das Verschmelzen des Paars. Konservative Tanzlehrer analysieren die Entwicklung als Distanzvernichtung. Doch das Publikum findet Gefallen an der hautnahen Haltung, schon nennt man derlei Schieben und Wackeln den Proletentanz. Und gleich schon wird der Schieber-Prolet zum Schlagerhelden: "Max, du hast das Schieben raus,/ Schieben raus./ Alles schreit Hurra:/ Schieber-Max ist da!"

Die Bourgeoisie, die bessere Gesellschaft ohnehin, widern diese zotigen und zügellosen Tänze von vorn herein an, die bis zum Ekel verrohten Schieber, das nuttig frivole Wackeln. Doch nicht lange, da kommen diese Rhythmen, ähnlich grotesk und verschroben, doch angereichert mit geschmacklosen und plumpen Figuren aus den USA unter amerikanischen Namen zu uns.

Sie nennen sich Tiertänze. Sie kommen aus den Südstaaten, hier hatten sich übertrieben pantomimische Varianten der Walks und Trots entwickelt, und da hier die Heimat des Truthahns war, hatten die Schwarzen auch gleich den Namen für ihre erste Tanzkuriosität: Turkey Trot. Bald wird auch am Broadway der Turkey Trot zur Mode, und jede Gesellschaft braucht jetzt für ihre Partys zwei Tanzräume - einen für die konservativen, den anderen für die ins neue Amüsement vernarrten Gäste.

Zum Truthahn kommen bald schon andere Tiere dazu. Selbstverständlich kennt man hierzulande die Tänze nur unter den trans-ozeanischen Namen: Camel Walk, Horse Trot, Kangaroo Dip, Cat Step, Bullfrog Hop, Peacock Glide, Buzzard Lope, Eagle Rock. Die meisten bleiben ohnehin Bühnentänze, doch einige werden derart populär, daß kein Tänzer sie auf dem Parkett missen möchte:

Der Fish Walk wird nach der Melodie Smocked Haddocks mehr gehüpft als getanzt. In Abständen trennen sich die Partner, stehen mal hinter-, mal nebeneinander, wippen auf den Ballen und fassen sich über den Köpfen an den Händen. Beim Turkey Trot bewegen sich die Paare humpelnd voran, gehen in die Knie und kraulen sich am Kinn.

Während diese Auswüchse Amerika und Europa überschwemmen, besinnt man sich andererseits einer ruhigeren Fortbewegung auf dem Parkett. So kommt 1909 der Two Step auf den Markt - entstanden aus der Ur-Polka, doch ohne Polka-Hupf. Und 1910 kommt der One Step - ein amerikanisches Attentat! So empfinden es die Tanzlehrer, denn es schockiert sie die Vereinfachung nach der vorausgegangenen ausgeklügelten Schritt- und Figurenkultur. 1914, die ersten Tage im August. Was eine Woche zuvor begonnen hatte, das Ultimatum der Doppelmonarchie an Serbien, setzt sich nun europaweit fort: Mobilmachungen, Truppenaufmärsche, Kriegserklärungen. Für alle Länder des Deutschen Reichs wird ein Verbot öffentlichen Tanzens erlassen. Frankreich folgt dem Vorbild, Großbritannien dagegen findet, "a certain amount of relaxation" - ein gewisses Maß an Entspannung - sei im Krieg nötiger als im Frieden. Doch die Vorkriegsstimmung will sich nicht wieder einstellen. Es fehlen eben die Männer, bis 1917 die ersten GIs von jenseits des Atlantiks eintreffen. Neu im Repertoire der amerikanischen Bands sind Shimmy und Fox Trott. Walzer und Boston sind längst gestorben.

Doch auch in Deutschland lockert sich nach und nach das Tanzverbot. 1916 steht im Berliner Tageblatt: "Uns hat der Krieg die Tanzseuche gebracht, von der jüngere wie ältere Damen besonders heftig befallen werden."

Silvester 1918. In Deutschland wird - jetzt offiziell - das totale Tanzverbot aufgehoben. Zugleich wandelt sich das Klangbild der Tanzkapellen: Hatten bis dahin Streicher, Harmonium und Klavier ein Ensemble zusammengestellt, zeichnet 1919 bereit die munter daherscheppernde Yankee Jazz Band einen neuen, gänzlich anderen Weg vor. Die Musiker verbrennen verschämt ihre alten Noten, besorgen sich rote Fräcke, färben sich ihre Gesichter schwarz, ziehen sich gelbe Strümpfe und gelbe Schuhe an, kaufen sich Kindertrompeten, Kuhglocken, Gitarren sowie Zündplättchen-Pistolen und lassen sich frech als Original-Jazz-Band engagieren. Und wer schon schwarz ist, greift ungeniert in den Schminktopf und macht sich noch ein paar Töne dunkler.

Und die Republik tanzt weiter.

In deutschnationalen Kreisen fehlt es nicht an heftiger Kritik, und der Reichsveteranenverband fordert im Volkswart: "Schluß mit solch unwürdigen Lustbarkeiten! Die Heimat tanzt auf den Schädeln ihrer Toten."

Als letzter der Tiertänze hält sich im Inselkönigreich der 1914 zum Schrittanz gezähmte Fox Trott. 1919 landet er dann wild und ungezügelt auf dem Kontinent. Mit Geschrei stürzt man sich auf ihn und ignoriert die allseitigen Gehässigkeiten: "Es ist eine Karikatur, diese Orgie der Gliederverrenkung." Jeden Tag wird ein neuer Pas verkündet, galt gestern ein Luftsprung als letzter Schick, ist man heute unmöglich, wenn man nicht unausgesetzt in die Knie geht. Auf dem Parkett rutscht ein Paar aus und plumpst auf den Boden. Alles lacht. Es stürzt ein zweites Mal, alles kreischt. Fortan ist Hinfallen eine neue Tanzfigur.

In Berlin berichtet die Vossische Zeitung von einem Brand zu Silvester 1919. "Der Dachstuhl des Böhmischen Brauhauses in der Memeler Straße fängt Feuer, es dehnt sich aus, ergreift eine Etage nach der anderen. Die Gäste im Saal des Erdgeschosses lassen sich nicht stören, sie tanzen weiter. Die Flammen ergreifen das Treppenhaus, die Gesellschaft tanzt und tanzt. Die Feuerwehr rückt an, sie lärmt, doch drinnen spielt die Musik um so lauter. Der Radau der Löscharbeiten steigert sich, die Gäste beschweren sich, sie rufen ,Musik! Musik!' Und tanzen weiter."

Rudolf Nelson und Fritz Grünbaum schreiben den Hit des Jahres 1920: "Das Foxfieber kommt, da nützt's dir nix./ Das Foxfieber kommt, du foxt mit und fix./ Erst wiegst du dich ganz leis,/ dann wirst du langsam heiß./ Das Foxfieber kommt aus der großen Zeh/ und steigt dir wie Quecksilber in die Höh'./ Ob Karten du zockst, studierst oder boxt,/ du foxst, foxst, foxst . . .

Plötzlich - in fast einem Tag auf den anderen - ist alles vorbei. Etwas absolut Neues überschwemmt den Kontinent: der Shimmy. Im Herbst 1921 spricht niemand mehr von One Step und Fox Trott, von Two Step und Affentrott. Das alles ist Vergangenheit, all das war nichts als fader Impressionismus. Nun kommt das Heil, kommt die Rettung.

Dieses Heil ist der Shimmy!

Es ist im April 1917. Gerade hatten die USA dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Doch bevor sie nach Flandern müssen, gönnen sich die amerikanischen Soldaten noch zwei vergnügliche Monate in England und bringen den Frauen und Mädchen, deren Männer längst in den Schützengräben liegen, dieses ausgelassene Abenteuer, diesen Shimmy. Er wird in den letzten anderthalb Kriegsjahren zum Tanz der Etappe. Wer von den englischen Soldaten in den folgenden Monaten mit Fronturlaub belohnt wird, lernt jenseits des Kanals, daß Shimmy mehr ist als ein energischer Fox Trott. Sie lassen sich von ihren schwarzen Kameraden zeigen, wie man dazu Hüften und Hinterbacken bewegt: "If you shimmy inside, you wobble outside", erklären sie. "Wenn du innen zitterst, wackelst du außen."

1920 überfällt die Shimmy-Ekstase Deutschland, und gleich schon sind die ersten Notenblätter auf dem Markt: Electric Girl, Murder-Shimmy und der Schlager: Bei jedem Shimmy, jedem Blues/ trittst du der Dame auf den Fuß. Paul Hindemith, 27-jährig, schreibt 1922 eine Suite mit den Sätzen: Marsch, Shimmy, Boston, Nachtstück, Ragtime.

Doch ganz überraschend kommt der Shimmy aus der Mode. Es ist 1925, kein gutes Jahr für die deutsche Republik. Im Januar stirbt Reichspräsident Friedrich Ebert und mit ihm eine halbwegs stabile Epoche. Im April wählt die Mehrheit des Volks einen alten Pulverkopf zum Repräsentanten des Reichs: Paul von Beneckendorff und Hindenburg, den "Sieger von Tannenberg". Es beginnt eine Zeit der Restauration. Dennoch überschwemmt von Hamburg ausgehend ein sich schnell verbreitender Modetanz die Weimarer Republik. Er kommt von den Brettern des Thalia-Theaters, wo eine schwarze Showtruppe, die Chocolate Kiddies, mit dem Broadway-Musical Running Wild gastiert, und mit ihm dieser neue Rhythmus - der Charleston.

Im Radio lehrt die Funktanzstunde: "Der Torso zittert nur: Dazu kommen die abwechselnden X- und O-Beine, damit verbunden die nach außen und innen gedrehten Knie und Füße."

Mitten in diesem Rummel betritt ein Star die Bühne, der für lange Zeit zum Repräsentanten des Charleston wird: Josephine Baker. Die Mulattin kommt über Broadway-Erfolge nach Paris und wird zur Attraktion in den Folies-Bergères. Jean Cocteau nennt sie "das schöne Idol aus braunem Stahl, Ironie und Gold". Sie verbreitet den Charleston über Europa im Naturkostüm mit dem legendären Gürtel aus Kunst-Bananen. Bei ihren Auftritten - auch in Rudolf Nelsons Chat Noir in Berlin - möchte sie keine Schwarze sein, und es kostet Mühe zu verhindern, daß sie sich weiß schminkt.

Doch bald sind im arisch-besessenen Deutschland die Auftritte einer Josephine Baker gezählt.

So sehr Charleston auch seine Zeit repräsentiert, so schnell gerät er wieder aus der Mode. 1927 singt man: "Der Shimmy modert längst im Mausoleum,/ Tango sieht man nun nur im Museum,/ und beim Charleston schläft man wundervoll ein./ Steht, o Mensch, dein Sinn nach was Feschem, Flottem,/ setzt dich hin und lern' Black Bottom." Im Jahr zuvor in Amerika entstanden, kommt der Tanz 1927 nach Europa.

Die Zwanziger neigen sich dem Ende zu, nur wenige Modetänze versuchen noch, die letzten Jahre zu füllen - schwierige, meist artistische Leistungen. So etwa der Heebie Jeebie oder Itsch, wobei die Arme wild herumgewirbelt werden, so daß die Hände den Körper an allen Stellen berühren.

Oktober 1929. An einem Mittwoch beginnt es, zwei Tage später, am 25. Oktober, kommt es dann zum Schwarzen Freitag, beginnt mit dem legendären Börsensturz in New York die Wirtschaftskrise. An ihrem Ende werden die Gesamtverluste der "sechs schwarzen Tage der Wallstreet" mit 50 Milliarden Dollar beziffert. Hinzu kommen die sozialen Auswirkungen. Auch sie greifen nach Europa über: steigende Preise, fallende Löhne. Im Deutschen Reich steigt die Zahl der Arbeitslosen auf 1,7 Millionen. In einem knappen Jahr wird sie die Dreimillionengrenze überschreiten. Das wirkt sich auch auf das Vergnügungsleben aus, auf Tanz und Tanzmusik. Der Umsatz von Schallplatten sinkt rapide. Von den Tanzetablissements schließt eines nach dem anderen. Eben noch kommentiert Erich Kästner die Frivolität der Endzwanziger in den Amüsierkneipen Berlins, besucht 1929 den Blauen Engel: "Hier tanzen die Jünglinge selbstbewußt/ im Abendkleid und mit Gummibrust/ und sprechen höchst diskant./ Hier haben die Frauen Smoking an/ und reden tief wie der Weihnachtsmann/ und stecken Zigarren in Brand." Da ist plötzlich für den Blauen Engel die Zeit ebenso vorbei wie für die legendären Tanzpaläste, allen voran das Palais de Danse an der Behrenstraße.

Die Ekstase verläßt das Parkett wie auch die Podien der Orchester. Und es beginnt die Ära des Swing.

Eigentlich hat der Swing etwas Langweiliges, aber er entspricht genau dem Empfinden der beginnenden 30er Jahre. Nach Amerika und Großbritannien wird er auf dem Kontinent erst ab 1935 populär und gewinnt verspätet im Dritten Reich seine legendär rebellische Bedeutung. Denn in der NS-Ära wächst auch eine Jugend heran, die sich der offiziellen NS-Bewegung entzieht, im passiven Widerstand trägt sie - die Uniform verachtend - korrekte Anzüge und statt der Untertanen-Frisur lange Haare. Der Stuttgarter NS-Kurier stellt fest: "Überall, wo wir eine Verniggerung der Melodik finden, die unserem Rassegefühl zuwiderläuft, sprechen wir von Jazz. Für Jazz, Shimmy und Swing also ist im deutschen Rundfunk kein Platz. An dieser Stelle hat eine national-völkische Musik zu treten und Lieder wie etwa "Ein Hitlermädel tanzt Polka'."

Auch wenn in Berlin die Verbote gelegentlich durchlöchert wurden - so spielten der verfemte Jazz-Musiker Jack Hilton und seine Band noch 1937 auf dem Berliner Presseball -, setzte das Großdeutsche Reich dann doch auf seine Erfolgsschlager, die der Bevölkerung die schweren Stunden bis zum "Endsieg" versüßen sollten. Eine Euphorie überdacht die Jahre: "Im Leben geht alles vorüber" (1940) und kurz vor der Niederlage, 1944: "Kauf dir einen bunten Luftballon,/ nimm ihn fest in deine Hand,/ stell dir vor, er fliegt mit dir davon/ in ein fernes Märchenland."

Rudolf Lorenzen wurde 1922 in Lübeck geboren. Seit 1955 lebt er als freier Schriftsteller in Berlin. Zu seinem Werk gehören u. a. die Romane "Alles andere als ein Held" und "Cake Walk oder: Eine katalanische Reise in die Anarchie". Unser Text ist ein stark gekürzter Auszug aus der bisher unveröffentlichten Anthologie des Autors "Rhythmen, die die Welt bewegten - Geschichten zur Tanz- und Unterhaltungsmusik 1800 - 1950".