Zwei Monate in der Bundesregierung

Die Deutsche Soziale Union (DSU) wurde am 20. Januar 1990 in Leipzig gegründet, als Zusammenschluß von elf liberal-konservativen und christlich-sozialen Parteien und Gruppierungen aus der Umbruchphase der DDR. Ihr erster Vorsitzender war der Leipziger Pfarrer Hans-Wilhelm Ebeling. Die Volkskammerwahl vom 18. März bestritt sie innerhalb des Wahlbündnisses "Allianz für Deutschland" (CDU, Demokratischer Aufbruch, DSU) und kam auf 6,31 Prozent der Stimmen. Programmatisch orientierte sich die Partei an den beiden bundesdeutschen Unionsschwestern. Unterstützung erfuhr sie aber vor allem durch die CSU, deren Parteispitze sich von der Zusammenarbeit eine Erweiterung der eigenen Möglichkeiten auf gesamtdeutscher Ebene versprach. Zwei Monate lang war die DSU an einer Bundesregierung beteiligt: Am 3. Oktober 1990 wurde Hansjoachim Walther, der bis dahin die Fraktion in der Volkskammer geführt hatte, als Bundesminister für besondere Aufgaben in das Kabinett von Helmut Kohl berufen. Nach der für die Deutsch-Sozialen erfolglosen Bundestagswahl im Dezember 1990 schied Walther jedoch aus der Regierung wieder aus. 1993 kam es zum endgültigen Bruch mit der Union. Theo Waigel trat von seinem Amt als Ehrenvorsitzender der DSU zurück, nachdem diese beschlossen hatte, sich auf das gesamte Bundesgebiet auszudehnen. Die DSU ist heute noch in einigen kommunalen Parlamenten vertreten, v. a. in Sachsen.