Acht wichtige Tipps vom Kanu-Experten

Glauben Sie Detlef Stöcker kein Wort: Wenn er sagt, er habe nur kurz Zeit, stimmt das nicht.

Glauben Sie Detlef Stöcker kein Wort: Wenn er sagt, er habe nur kurz Zeit, stimmt das nicht. Stöcker kann endlos erzählen von seinem Lieblingsthema, dem Paddeln. Derzeit ist der erfahrene Kanute, der schon mehrere Bücher verfasst hat, mit dem Kajak auf einer Gewalttour: von Rosenheim in Bayern bis Rostock. Am 9. August, pünktlich zur Eröffnung der Bootsmesse Hansesail, wollen Stöcker und seine Freundin Britt Grünke das Ziel erreichen.

Als Werbetour fürs Paddeln sieht Stöcker seine Fahrt. Dabei muss man in Deutschland gar nicht mehr so viele Menschen für diese stille Art der Freizeitbeschäftigung begeistern. 114 000 Menschen sind im Deutschen Kanuverband organisiert, und die Leistungssportler unter den deutschen Kanuten räumen bei internationalen Vergleichen immer die meisten Goldmedaillen ab.

Allerdings: Niemand muss fahren können wie Birgit Fischer, die Ausnahme-Athletin aus Potsdam, um Spaß am Paddeln zu haben. Ein wenig Vorwissen hilft aber vor der ersten Kanutour.

Kajak, Kanu oder Kanadier?

Das Kajak ist ein kleines, meist einsitziges Boot mit einer Einstiegsluke für die Beine und einem ansonsten geschlossenen Rumpf. Man fährt es sitzend mit einem Doppelpaddel. Der Kanadier ist offen, hat Sitzbänke und wird in der Regel von mehreren Personen per Stechpaddel bewegt. Für beide Bootstypen gilt im deutschen Sprachraum das Wort Kanu als Oberbegriff.

Wie paddelt man richtig?

Beim Kajak mit seinem Doppelpaddel kann man nicht viel verkehrt machen. Den Kanadier aber fahren viele Menschen falsch. Detlef Stöcker: "Sie sitzen auf den Bänken und können so dem Boot nicht genügend Stabilität geben." Wichtig sei der Kontakt zwischen Oberschenkel und Bordwand, um Wellen- und Windbewegungen gut ausgleichen zu können. Darum werde der Kanadier kniend gefahren, die Sitzbänke dienten nur zur Abstützung. "Bei guten Booten sind die Bänke auch um 30 Grad geneigt, so wie bei den echten Booten der Indianer."

Ist Kanufahren gefährlich?

Die kippeligen Boote machen nicht den sichersten Eindruck, und sie können auch mal kentern, also umkippen. Doch ein gutes Kajak hat laut Detlef Stöcker mehrere abgeschottete Kammern, so dass es nicht untergehen kann. "Trotzdem fahre ich immer mit Schwimmweste, auch wenn ich in dem Bach stehen kann." Das Kentern lasse sich verhindern, indem man im Kajak die Beine spreize und direkten Kontakt zur Bordwand herstelle. So sei ein Kajak leichter zu beherrschen.

Wie schnell geht es vorwärts?

Flussabwärts ist es natürlich leichter, aber die Paddelei ist auch gegen die Strömung kaum aufwendiger als eine Wandertour. "Der Strom vermittelt dem Boot etwa die Hälfte seiner eigenen Geschwindigkeit", sagt Detlef Stöcker. Wenn also das Wasser im Fluss mit sechs Kilometern in der Stunde strömt, kann man in derselben Zeit drei Kilometer schaffen, ohne eine Hand zu rühren. In umgekehrter Richtung muss man mäßiges Fußgängertempo vorlegen, um überhaupt auf der Stelle zu bleiben. Insgesamt kann man wenigstens 20 Kilometer am Tag schaffen, Profis wie Detlef Stöcker machen auch mal 60 oder 70. "Das Hauptproblem ist Gegenwind. Man glaubt gar nicht, was der Wind für Energie hat."

Darf man überall fahren?

Ja, wenn es nicht aus Naturschutzgründen verboten ist. Unwissenheit schützt auch hier nicht vor Strafe. "Nach dem Gesetz ist der Kajakfahrer ein Schiffsführer und muss sich vor dem Start informieren, wo er fahren kann", sagt Stöcker. Ein Bootsführerschein ist aber nicht nötig, jeder kann lospaddeln, wie er will. Wichtig: "Wir hinterlassen nichts als Fußspuren, und wir nehmen nichts mit außer Fotos."

Was ist, wenn es nicht weitergeht?

Wer von Fluss zu Fluss wechseln oder nicht an der Schleuse warten will, kann das Kanu aus dem Wasser ziehen und über Land weiter transportieren. Dafür gibt es spezielle Rollwagen, die zusammenklappbar sind und im Gepäckraum des Kajaks Platz finden.

Was ist das ideale Kanuwetter?

Es ist wie beim Radfahren oder Wandern: Kühlere Sommertage sind ideal. Und dem Kajakfahrer macht auch Regen nichts aus, weil die Einstiegsluke wasserdicht abschließt, und weil vom Paddel ohnehin immer mal Wasser auf den Körper spritzt. Fleece-Pullover, atmungsaktive Jacke, Mütze - fertig ist die Paddelausrüstung.

Wie teuer ist ein Kanu?

Bei der etwa 15 Kilo schweren Polyethylen-Hülle gibt es laut Detlef Stöcker keine Qualitätsunterschiede. Höhere und niedrigere Preise hängen eher vom Innenausbau ab. Gibt es genug Abschottungen? Ist der Sitz bequem, eventuell verstellbar? Hat das Kajak kleine wasserdichte Ablagefächer? Gibt es gute Beschläge an der Oberseite oder zusätzliche Gepäcknetze? All diese Zusatzausstattungen werden in Handarbeit nachgerüstet, was den Preis schnell steigen lässt: Ein neues Kajak kostet zwischen 500 und 1500 Euro.