Vom Handwerksbetrieb zum Weltkonzern

Aus kleinen Anfängen wurden später die Großkonzerne und damit die Motoren der deutschen Wirtschaft, die sie oft heute noch sind.

Aus kleinen Anfängen wurden später die Großkonzerne und damit die Motoren der deutschen Wirtschaft, die sie oft heute noch sind. Beispiel Siemens: Am 12. Oktober 1847 gründet Werner von Siemens zusammen mit Johann Georg Halske die Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin. Grundlage für die Gründung bildet seine Erfindung des Zeigertelegrafen. Das Berliner Unternehmen wächst innerhalb weniger Jahrzehnte von einer kleinen Werkstatt, die neben Telegrafen auch Eisenbahnläutwerke, Drahtisolierungen und Wassermesser herstellt, zu einem der weltweit größten Konzerne der Elektrobranche. Beispiel Schering: Zu den großen Gründerpersönlichkeiten zählt auch Ernst Schering. Er kauft 1851 die Schmeissersche Apotheke in der Chausseestraße am Oranienburger Tor am Nordrand des damaligen Berlins (heute Berlin-Mitte). Hier wohnt er auch mit seiner Familie. In einem kleinen Laboratorium hinter seinem Verkaufsraum experimentiert er ab 1854 mit Chemikalien. Sein Ehrgeiz: Sie sollen von besonderer Reinheit sein, um die Gesundheit der Patienten nicht zu belasten. Außerdem stellt er Chemikalien für die sich entwickelnde Fotografie her. Auf der Pariser Weltausstellung 1855 stellt Schering dann seine "reinen Präparate" vor und erhält eine Silbermedaille. Wegen der großen Nachfrage nach seinen Produkten beginnt er im selben Jahr eine eigene chemische Produktionsstätte zu errichten - getrennt von seiner Apotheke -, für die er am 21. September 1864 als "Chemische Fabrik Ernst Schering" die staatliche Konzession erhält, mit der er den Stammbetrieb in der Müllerstraße in Berlin-Wedding errichtet. 1867 gehört Schering zu den Mitbegründern der "Deutschen Chemischen Gesellschaft". Beispiel Voith: Nicht viel anders als Schering startet auch Johann Matthäus Voith 1825. Er beginnt als Schlossermeister mit einer kleinen Werkstatt und fünf Angestellten in Heidenheim. Im Eigenbetrieb entwickelt er vor allem Maschinen für die Papierindustrie und Schleifmaschinen für die Holzwirtschaft. Als er die Fabrik 1867 an seinen Sohn Friedrich veräußert, arbeiten bereits 30 Mitarbeiter. Der Sohn entdeckt einen neuen Markt: die Versorgung des Landes mit Strom. Er steigt 1870 in die Produktion von Turbinen ein. 1903 ist in Heidenheim die Zahl der Mitarbeiter auf 1000 gestiegen. Voith erhält einen spektakulären Auftrag zum Bau der größten Turbinen der Welt. Das Unternehmen baut zwölf Turbinen mit je 12 000 PS für die Kraftwerke an den Niagarafällen (USA/Kanada). Was zeigte, dass deutsche Technologie schon damals ein Exportschlager war. Beispiel Zeiss: Auch Carl Zeiss, Gründer des gleichnamigen Unternehmens, fing klein an. In Jena beginnt er 1846 mit einem Einmannbetrieb. Dort baut und repariert er physikalische und optische Geräte und verkauft nebenbei Produkte auswärtiger Hersteller. Zeiss entwickelt selbst ein Mikroskop, das sich so erfolgreich verkauft, dass er 1847 einen Gehilfen einstellen kann. 1852 beschäftigt er bereits zehn Mitarbeiter. 1866 gelingt es Carl Zeiss und seinem Freund, dem Physikprofessor Ernst Abbe, eine Theorie der Mikroskopoptik zu entwickeln. Damit ist seine Firma weltweit als einzige in der Lage, Mikroskope nach Katalog und mit definierten Eigenschaften zu produzieren. Schon 1875 beschäftigt Carl Zeiss 60 Mitarbeiter, 1888 waren es bereits 327.

Stefan Seewald