Museum Neukölln muss umziehen

Den Gutshof Britz hat sich Heinz Buschkowsky als Treffpunkt ausgesucht. Denn auf dem Areal soll ein Kulturzentrum entstehen.

An dieser Stelle im Bezirksjournal haben ab sofort die Bürgermeister das Wort. Sie wählen einen Ort aus, der ihnen entweder besonders am Herzen liegt oder den sie verändern wollen. Den Anfang macht Heinz Buschkowsky. Der 59 Jahre alte SPD-Politiker ist seit Dezember 2001 Bezirkschef.

Den Gutshof Britz hat sich Heinz Buschkowsky als Treffpunkt ausgesucht. Denn auf dem Areal soll ein Kulturzentrum entstehen. Die ersten Arbeiten auf dem Gelände neben dem Schloss Britz haben bereits begonnen. Buschkowsky zeigt auf das Gebäude der alten Gutsverwaltung. "Dort ziehen im Sommer die Musikschule und der Britzer Bürgerverein ein."

Altes Haus wird aufgegeben

Ebenfalls noch im Sommer starten die Umbauarbeiten am historischen Pferdestall inklusive angrenzendem Ochsenstall - für das Museum Neukölln. Seit 1961, also fast fünf Jahrzehnte, kennen es die Neuköllner am Standort Ganghoferstraße 3 im Norden des Bezirks. Dort war es im hinteren Teil eines Ensembles von 1914 mit dem Stadtbad vorne untergebracht. Beide Teile sind durch ein Atrium verbunden. Doch jetzt heißt es langsam Abschied nehmen von der Ganghoferstraße. "Bis Herbst 2009 wird umgezogen", da ist sich der Bezirkschef sicher. Kritikern, die lange Wege für die Nordneuköllner (speziell Schulklassen und Senioren) monieren, nimmt Buschkowsky den Wind aus den Segeln. "Das Kulturzentrum samt Museum liegt dann genau in der Bezirksmitte." Außerdem musste ein neuer Standort gefunden werden, da das jetzige Museumsgebäude "per Gesetz", so Buschkowsky, an die Berliner Bäderbetriebe zurückgehe.

Neben dem Pferdestall, etwas nach hinten versetzt, entsteht bis zum Sommer eine Weidefläche mit einem Unterstand für robuste Nutztiere wie Ziegen oder Schafe, die auch im Winter draußen gehalten werden können. Auch ein Streichelzoo ist geplant. Gegenüber vom Pferde- und Ochsenstall wird der Gutshof vom alten Kuhstall begrenzt. Mit Blick auf das Gebäude erklärt Buschkowsky, wie es dort weitergehen soll: "Der Kuhstall wird mittelfristig zum Kulturstall für Veranstaltungen umgebaut." Das i-Tüpfelchen für das neue Kulturzentrum wird eine Freilichtbühne für mehr als 300 Zuschauer sein, die dort Theater und Konzerte erleben können. Alles in allem soll der Kulturstandort bis 2012 fertig sein. Acht Millionen Euro soll der Umbau insgesamt kosten.

Gutshof und Schloss Britz sind, so Buschkowsky, eine der drei historischen Wurzeln des Bezirks und daher als Kulturstandort bestens geeignet. Dort lebte die Familie Britzke im 16. Jahrhundert, Außenminister Ewald Friedrich Graf von Hertzberg wurde 1758 Gutseigentümer, zwischen 1840 und 1875 entstanden die heutigen Gebäude auf dem Hof. 1924 wurde das Areal von den Erben an Berlin verkauft. Im Schloss Britz finden bereits seit seiner Sanierung und Wiedereröffnung 1988 Konzerte, Ausstellungen und Lesungen statt.

Der Bezirk verändert sich

"Neukölln muss sich in seiner Struktur verändern, so wie sich die Lebensbedingungen und die Bevölkerung in den letzten Jahren verändert haben", davon ist Buschkowsky überzeugt. Das betreffe dringend auch die Altstadt und das Böhmische Dorf in Nord-Neukölln - die beiden anderen historischen Ur-Neuköllner Bereiche. Tafelsilber habe der Bezirk keines mehr, keine Grundstücke mehr zu verkaufen und das Personal bis an die äußerste Grenze ausgedünnt, sagt Buschkowsky. Aber dafür sei in die öffentliche Infrastruktur investiert worden: in Bildungsprojekte und mehr Lebensqualität. Denn: "Jammern nützt doch nichts, wir müssen etwas tun."