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Forscher erstellen Mückenatlas für Deutschland

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Hauchdünne Beinchen, bräunliche Borsten und ein fieser Saugrüssel zum Stechen: Bis zu 50 Mücken verschiedener Arten landen im Sommer pro Tag bei Doreen Werner im Labor – tot in der Post.

Bürger unterstützen die Arbeit der Biologin, indem sie ihr erlegte Mücken schicken, in Einmachgläsern, Schächtelchen oder Küchenkrepp. Intakt sollten die Mücken sein, denn die Experten um Werner im brandenburgischen Müncheberg wollen unter dem Mikroskop die jeweilige Art bestimmen: All das kommt dem sogenannten Mückenatlas zugute. Doreen Werner leitet das 2012 gestartete Projekt des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und des Friedrich-Löffler-Instituts. Allein für 2014 hat Werners Team bundesweit mehr als 1250 Mückenfangorte mit Datum und Art auf einer Onlinekarte verzeichnet. Seit Projektbeginn schickten Bürger mehr als 25.000 Mücken mehr als 40 verschiedener Arten ein. „Jede Mücke landet in der Referenzsammlung“, sagt Werner. Mit deren Hilfe könnten weitergehende Untersuchungen zu Mücken aus bestimmten Regionen gemacht werden.

Bürger geben Hinweise

Exoten gehen Bürgern wie Profiforschern immer wieder mal ins Netz: etwa die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus), die sich seit einigen Jahren vor allem in westdeutschen Bundesländern ausbreitet. Noch nicht umfassend angesiedelt hat sich die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die warme Temperaturen liebt. Einzelne Exemplare mit den charakteristisch schwarz-weißen Beinchen hat Werner 2014 aus Baden-Württemberg zugeschickt bekommen. „Die Bürgerhinweise waren genial für uns, weil wir jetzt gezielt suchen können“, sagte Werner. Auf diese Weise muss sie auch ausschließen, dass Urlaubsmitbringsel als deutscher Fang deklariert wurden. Ergebnisse gebe es frühstens Ende August.

Auch die Forscher um den Parasitologen Egbert Tannich vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) betreiben mit Partnern rund 150 Fallen in Deutschland. Im Blick haben sie ebenfalls die Tigermücke, die in anderen Ländern das Dengue- und das Chikungunya-Fieber übertragen kann. Spezielle Fallen haben sie entlang von Autobahnen aufgestellt. „Tigermücken kommen immer wieder in Autos über die Alpen und werden an Raststätten freigesetzt“, sagt Tannich. Die Mücke selbst könne den deutschen Winter schwerlich überstehen, glaubt er. Ihre Eier an geschützten Orten hingegen schon.

( dpa )