Jugendschutz

Ärzte fordern E-Shisha-Verbot

Schön bunt und aromatisch: Elektrische Mini-Verdampfer sind bei immer mehr jungen Leuten beliebt. Doch sie sind nicht ungefährlich

Der Dampf aus elektronischen Shishas schmeckt etwa nach Wassermelone oder Lakritze. Anders als E-Zigaretten enthalten die vernebelten Flüssigkeiten zwar meist kein Nikotin, doch auch unabhängig davon seien sie gesundheitlich bedenklich, sagt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. Sie enthielten krebserregende Substanzen und begünstigten Atemwegs- und Kreislauferkrankungen. Die Deutsche Krebshilfe, das Aktionsbündnis Nichtrauchen, Ärzte und Eltern fordern deshalb jetzt von der Bundesregierung, die Abgabe von E-Zigaretten und E-Shishas an Kinder und Jugendliche komplett zu verbieten.

Was ist eine E-Zigarette oder eine E-Shisha?

Ein kleiner Elektro-Verdampfer mit Mundstück – entweder in Zigarettenoptik oder als etwa zigarrengroße Mini-Wasserpfeife. Ein Akku oder eine Batterie bringen eine Heizspirale zum Glühen, um die ein flüssigkeitsgetränkter Docht gewickelt ist. Diese aromatisierte Flüssigkeit, Liquid genannt, kann über das Mundstück inhaliert werden.

Wo bekommt man sie?

Problemlos über das Internet. Während E-Zigaretten zudem meist dort verkauft werden, wo Tabakzigaretten im Angebot sind, gibt es E-Shishas auch in Drogeriemärkten, Supermärkten oder auch an Kiosken vor Schulen. Durch ihre bunte Optik und die vermeintlich „gesunden“ Aromen sprechen sie auch jüngere Konsumenten an.

Wie viele Jugendlichen „dampfen“ bereits?

Umfassende Zahlen dazu sind noch nicht bekannt: Einer kleineren Umfrage des Deutschen Krebsforschungszentrums zufolge haben etwa zehn Prozent der 16- bis 19-Jährigen Erfahrungen mit E-Shishas oder -Zigaretten. Eine umfangreichere, noch unveröffentlichte Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, für die auch Zwölf- bis 17-Jährige befragt wurden, reicht den Angaben zufolge eher an die für die USA erhobenen Zahlen heran, die bei 40 Prozent liegen.

Was sagen die E-Shisha-Kritiker?

Der Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Ulrich Fegeler, weist darauf hin, dass noch nicht alle Gesundheitsrisiken bekannt seien. Nach den Erfolgen der Tabakprävention in den vergangenen Jahren kritisiert er, „dass Kinder und Jugendliche überhaupt wieder dazu geführt werden, etwas zu inhalieren“, wodurch das Rauchritual eingeübt werde. Ebenso wie Elternverbände plädiert Fegeler für einen vorbeugenden Gesundheitsschutz durch ein Verbot von E-Zigaretten und E-Shishas. Zudem sollten sie massiv verteuert und die Zugangsmöglichkeiten eingeschränkt werden.

Welche Gesundheitsgefahren können drohen?

Die Trägersubstanz in den meisten Liquids ist Propylenglykol – ein Erdölprodukt, das unter anderem als Frostschutzmittel für Autos eingesetzt wird und die Atemwege reizt. „Mit dem Dampf entstehen ultrafeine Partikel, die in die unteren Bereiche der Lunge eindringen und sich dort ablagern können“, sagt Pötschke-Langer. Vor allem bei jungen Menschen beeinträchtige das die Lungenentwicklung. In einigen der nicht immer komplett deklarierten Liquids wurden zudem geringe Mengen krebserzeugender Nitrosamine gemessen. Weil viele Nutzer ihre Liquids außerdem aus nicht überprüften Bestandteilen selber mischen, sei das Dampfen eine Art „Chemikalien-Versuch am eigenen Körper“, sagen Krebsexperten.

Welche Vorteile nennen Befürworter der E-Zigarette?

Im Vergleich zu Tabakzigaretten sind E-Zigaretten trotz möglicher unbekannter Risiken insgesamt weniger schädlich. Manche Forscher sehen sie deshalb als „gesündere“ Alternative zur herkömmlichen Zigarette – auch für Menschen, die es nicht schaffen, mit dem Rauchen komplett aufzuhören. Durch einen Umstieg auf die E-Zigarette könnten hier viele Menschenleben gerettet werden, sagen die Befürworter.

Helfen E-Zigaretten beim Entwöhnen vom Rauchen?

Kritiker sehen bisher keine ausreichenden Hinweise dafür, dass die E-Zigarette dauerhaft entwöhnt. (Tabak) Rauchen und (E-Zigarette) Dampfen seien vom Ablauf her fast gleich. Dieses Ritual „füttert das Suchtgedächtnis“, erklärt Gabriele Bartsch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Neben der körperlichen Abhängigkeit zwingt Raucher auch dieses Suchtgedächtnis zum regelmäßigen Griff zur Zigarette – oder eben E-Zigarette.

Wie ist die gesetzliche Regelung?

Im Augenblick gibt es keine. Seit längerem arbeitet die Bundesregierung an einer Novelle des Jugendschutzgesetzes, die dann die Abgabe von E-Inhalationsprodukten an Jugendliche und Kinder komplett verbieten könnte. Hier ist aber noch offen, ob sich dies nur auf nikotinhaltige Produkte oder auch auf die meist nikotinfreien E-Shisha-Liquids bezieht. Ein umfassendes Verbot fordert auch der Verband des eZigarettenhandels, der etwa 70 Prozent der Händler vertritt. „Die E-Zigarette ist in keiner Form für Jugendliche geeignet“, heißt es hier: Händler, die an Jugendliche verkauften, würden nicht mehr beliefert. Auf Jugendliche ausgerichtete Werbung gibt es in der Branche jedoch.