Medizin

„Bei Problemen mit gefährlichen Keimen alle Register ziehen“

Die Aufmerksamkeit darf nie nachlassen, Schlendrian kann tödliche Folgen haben.

So umschreiben Experten von Berliner Kliniken die permanenten Herausforderungen der Krankenhaushygiene. Die Gefahr, die von multiresistenten Keimen in Kliniken ausgehe, sei groß, sagte kürzlich Petra Gastmeier, Leiterin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Charité, der Berliner Morgenpost. „In den letzten drei Jahren merken wir, dass vermehrt solche Erreger auftauchen, bei denen alle Antibiotika versagen.“ Die Antwort darauf lautet: permanente Schulung über das richtige Vorgehen des Klinikpersonals und über Hygienemaßnahmen, die dafür sorgen, dass die Keime nicht andere Patienten erreichen.

Die Berliner Hygieneverordnung in medizinischen Einrichtungen schreibt die Zahl der Hygienefachkräfte, Hygienepläne, die Dokumentation von bestimmten Erregern sowie Schulungen vor. Früherkennung ist das Wesentliche, sagt Professor Klaus-Dieter Zastrow, Leiter der Krankenhaushygiene am Vivantes-Klinikum. Er hat selbst einige wenige begrenzte Fälle von Infektionen mit multiresistenten Keimen beobachtet. „Täglich kontrollieren wir die Werte der mikrobiologischen Labortests. Ich bekomme alle täglich auf meinen Rechner. Wenn ein Problem mit gefährlichen Keimen auftaucht, ziehen wir alle Register. Dann schicke ich die Hygienefachkraft los und leite alle notwendigen Therapie- und Begrenzungsmaßnahmen wie die Isolierung des Infizierten ein.“

Wenn offensichtlich jemand bei der Krankenhaushygiene mal nicht aufgepasst hat, stehen Kontrolle, Aufklärung und Schulung an, um eine Ausbreitung der Keime auszuschließen und neuen Fällen in der Zukunft vorzubeugen. „Wir sind dann den ganzen Tag auf der betroffenen Station und schauen den Mitarbeitern auf die Finger. Und da zeigt es sich eben oft, dass die Händedesinfektion zu kurz war oder der Kittel nicht oft genug gewechselt wurde. Die Mitarbeiter sind dann oft sehr betroffen, aber dann werden die geltenden Hygieneregeln in Zukunft umgesetzt.“

( wom/lary )