Medizin

42 Prozent aller Todesfälle sind Folge chronischer Krankheiten

| Lesedauer: 4 Minuten
Pia Heinemann

Weltgesundheitsorganisation legt globalen Zustandsbericht vor. Länder sollen Bevölkerung besser aufklären und Behandlung verbessern

Wie kann man die Gesundheit der Weltbevölkerung am schnellsten verbessern? Auf diese Frage gibt es natürlich keine einfache Antwort. Es gibt zu viele spezifische Gesundheitsprobleme in den einzelnen Regionen und extrem unterschiedlich entwickelte Gesundheitssysteme. Dennoch hat die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihrem neuesten Zustandsbericht zur Verteilung von chronischen Krankheiten neun Punkte aufgezählt, mit denen man die Gesundheit der Menschen effizient verbessern könnte.

Die Staaten sollten auf freiwilliger Basis dafür sorgen, dass die Menschen weniger Alkohol und Salz aufnehmen und weniger rauchen. Es müsse mehr gegen die Entstehung von Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht getan werden. Man müsse mehr dagegen tun, Herzinfarkte und Schlaganfälle zu vermeiden. Zudem müsse die Behandlung von chronischen Krankheiten verbessert werden. Nur so, sagt WHO-Generaldirektorin Margaret Chan, könne das Ziel erreicht werden, die Zahl vorzeitiger Todesfälle bis 2025 um 25 Prozent zu reduzieren.

Viele Sterbefälle vermeidbar

„Von den 38 Millionen Todesfällen, die sich 2012 ereignet haben, sind 16 Millionen beziehungsweise 42 Prozent vorzeitig eingetreten“, so Chan. „Sie lassen sich auf chronische Krankheiten zurückführen. Die meisten wären vermeidbar gewesen.“ Drei Viertel der vermeidbaren Todesfälle träten in Ländern mit niedrigem oder mittleren Einkommen auf.

Dass immer mehr Menschen an chronischen Krankheiten sterben, ist eine Folge der Globalisierung, der schnellen Verstädterung und der sogenannten Überalterung der Gesellschaft. Dagegen kann der Einzelne nur wenig tun. Jeder einzelne könne allerdings auf seine Gesundheit achtgeben – und damit das auch passiert, so die Weltgesundheitsorganisation, müssten die Staaten auf höchster Regierungsebene dafür sorgen, dass genügend Aufklärungsarbeit geleistet werde und die medizinische Versorgung gewährleistet sei. Die WHO richtet ihren Appell ausdrücklich an die Gesundheitsminister der Staaten, die „von oben“ für weniger vorzeitige Todesfälle in ihren jeweiligen Ländern sorgen könnten.

Ein ermutigendes Beispiel ist nach Angaben der WHO Brasilien. Hier stürben pro Jahr 1,8 Prozent weniger Menschen an chronischen Krankheiten, weil die Primärversorgung von Kranken nachhaltig verbessert wurde. In der Türkei habe das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden zu einem Rückgang der Raucherzahlen um 13,4 Prozent in den Jahren 2008 bis 2012 geführt. Eine Steuer auf ungesunde Getränke, die Zucker, Alkohol oder Salz enthalten, habe in Ungarn dazu geführt, dass 40 Prozent der Getränkehersteller ihre Rezepturen verändert haben. Die Konsumenten hätten zudem bis zu 35 Prozent weniger von diesen Getränken gekauft.

Als effizienteste Maßnahmen, durch die Regierungen die Gesamtgesundheit der Bevölkerung ihrer Länder verbessern könnten, gehörte das Verbot oder zumindest die Einschränkung von Tabak- und Alkoholwerbung und der Austausch von Transfettsäuren in Lebensmitteln durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Die Länder sollten zudem mehr Kraft und Geld in Aufklärungskampagnen gegen Herzinfarkte und Schlaganfälle stecken, das Stillen fördern und mehr über die Zusammenhänge von Gesundheit und körperlicher Aktivität aufklären.

Die Weltgesundheitsorganisation fordert die Länder zudem dazu auf, mehr Screeningprogramme durchzuführen – etwa zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs.

Die neun Punkte der WHO

1. 25 Prozent Reduktion der vorzeitigen Todesfälle durch Krankheiten wie Krebs, Diabetes und chronische Lungenkrankheiten

2. Mindestens 10 Prozent relative Reduktion von übermäßigem Alkoholkonsum

3. 10 Prozent relative Reduktion von schädlichem Bewegungsmangel

4. 30 Prozent relative Reduktion des Tabakkosums bei Menschen über 15 Jahren

5. 30 Prozent relative Reduktion der Salzaufnahme

6. 25 Prozent relative Reduktion von zu hohen Blutdruckwerten

7. Das Steigen der Diabetes-Erkrankungen komplett zu stoppen

8. Mindesten 50 Prozent der Menschen die Medikamente benötigen um beispielsweise ihren Blutzucker zu kontrollieren, sollen Zugang dazu erhalten

9. 80 Prozent aller notwendigen Medikamente die für die Behandlung von chronischen Krankheiten notwendig sind, sollten in allen privaten und öffentlichen Medizinzentren und Kliniken vorhanden sein