Gesundheit

Grippeimpfung ist in diesem Jahr weniger wirksam

Aktueller Impfstoff wirkt gegen einen verbreiteten Virenstamm nicht

Die Impfsaison gegen die saisonale Grippe ist im vollen Gange – da vermelden die amerikanischen Seuchenbehörden (CDC) in Atlanta (Georgia), dass der Impfstoff nicht voll wirksam ist. Tom Frieden, der Direktor der CDC, warnt zudem, dass es in diesem Jahr eine besonders heftige Grippesaison geben könnte. „Wir wissen, dass in Grippesaisons, in denen Viren der H3-Gruppe vorherrschend sind, schlimm sind, es gibt dann in der Regel mehr Krankenhauseinweisungen und Todesfälle“, sagt der Infektionsmediziner. Und in diesem Jahr ist H3N2 offenbar stark aktiv.

In den USA wurden seit dem 1. Oktober rund 100 Blutproben von Grippeinfizierten in Laboren überprüft. 82 Prozent von ihnen waren, so die CDC, vom Typ H3N2. Der Impfstoff, der in diesem Jahr ausgegeben wird, wirkt aber nur gegen 48 Prozent dieser H3N2-Stämme. Das bedeutet, so Frieden, dass dieser Impfstoff weniger wirksam ist als in den Vorjahren. Trotzdem sei er der beste verfügbare Schutz gegen die Grippe.

Wie aber kann es sein, dass ein Grippeimpfstoff, der mit hohem Aufwand produziert wird, nicht voll wirksam gegen die Viren ist? Eigentlich hört sich das System, nachdem Grippeimpfstoffe für die Nordhalbkugel entwickelt werden, nach einem guten System an. Im Winterhalbjahr auf der Südhalbkugel prüfen Experten, welche Influenzaviren dort besonders häufig auftreten. Im Februar entscheidet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dann, gegen welche drei häufigsten Viren der Impfstoff für die Nordhalbkugel wirken sollte. Dann geht die Entwicklung des Impfstoffes los, im Herbst wird er ausgegeben.

In diesem Jahr wirkt der Impfstoff gegen das H1N1-Virus, das 2009/2010 als „Schweinegrippe“ bekannt geworden war. Es war, wie die zweite Komponente, dem Influenza-Stamm B/Massachusetts/2/2012, bereits im Vorjahresimpfstoff enthalten. Nun wurde der Impfstoff zudem gegen das Influenzavirus A/Texas/50/2012 entwickelt. Dieses gehört zur Gruppe der H3N2-Viren.

Alle diese drei Virentypen hatten sich auf der Südhalbkugel weit verbreitet, weshalb sie als die wahrscheinlichsten Stämme galten, die auf der Nordhalbkugel im Winterhalbjahr grassieren würden. Doch in diesem Winter scheint sich nicht genau der H3N2-Typ, gegen den der Impfstoff wirkt, auf der Nordhalbkugel zu verbreiten – sondern ein naher Verwandter. Gegen ihn wirkt die H3N2-Komponente des Wirkstoffes jedoch nicht.

Das könne immer passieren, und sei in der Vergangenheit auch schon häufiger passiert, heißt es beim Robert-Koch-Institut in Berlin. Wenn die WHO im Februar die Entscheidung trifft, wie der Grippeimpfstoff zusammengesetzt werden soll, ist es eigentlich noch zu früh für so eine Entscheidung. Verschiebt man sie aber, so können die Impfstoffe nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. Letztlich brauchen Impfstoffhersteller und Gesundheitsmanager im Wettlauf mit den Influenzaviren auch eine Portion Glück.