Medizin

Funken für die Hirnforschung

Nobelpreisträger beginnt seine Kooperation mit Berliner Wissenschaftlern

An den Synapsen funkt’s. Über diese Kontaktstellen kommunizieren Nervenzellen miteinander. Elektrische Signale kommen an und bewirken das Ausschütten von Nervenbotenstoffen. Diese übermitteln Informationen an benachbarte Nervenzellen: etwa Signale zum Ausführen von Bewegungen, Verarbeiten von Sehreizen oder Aktivieren von Erinnerungen. Über Synapsen koordinieren sich die rund 100 Milliarden Nervenzellen im menschlichen Gehirn.

Nun soll es in Berlins Hirnforschung funken. Denn die Kooperation zwischen Wissenschaftlern des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIG) und Thomas Südhof, Neuroforscher von der Stanford University (Kalifornien), hat begonnen. Im Frühjahr hatte das BIG, eine gemeinschaftliche Einrichtung von Charité und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), verkündet, dass Südhof, Medizinnobelpreisträger des Jahres 2013, nach Berlin kommen würde.

Der gebürtige Deutsche bleibt zwar hauptamtlich in Stanford, aber als Gastwissenschaftler wird er für drei Jahre regelmäßig beratend und kooperierend hier sein. Mit einigen Mitarbeitern in Berlin ausgestattet will er mit dem Team von Christian Rosenmund die Forschung zu neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen voranbringen. Rosenmund ist Chef der Forschergruppe NeuroCure an der Charité, die sich mit den Ursachen von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen befasst.

Es beginne eine neu Ära der neurowissenschaftlichen Forschung, sagt Rosenmund. Nicht nur, weil ein Nobelpreisträger in Berlin sei, sondern auch, weil mit Südhof völlig neue Methoden verfügbar geworden seien. Die erlaubten es, viel genauer zu untersuchen, was bei Patienten mit Schizophrenie, Alzheimer, Parkinson, Autismus oder Zwangshandlungen an den Synapsen schief laufe.

„Synapsen sind die zentralen Informationsverarbeitungseinheiten des Gehirns“, sagte Südhof am Dienstag anlässlich der Vorstellung der gemeinsamen Arbeit. Ihr ordnungsgemäßes Funktionieren sei aber abhängig von Eiweißstoffen, die die Informationsverarbeitung „orchestrieren“. Erbliche, also genetisch bedingte Fehler verändern diese Eiweiße, sodass Synapsen fehlerhaft arbeiten. „Wir kennen Hunderte Gene, die auf Synapsen einwirken und mit Krankheiten zusammenhängen“, sagte Südhof, „jetzt wollen wir untersuchen, wie sich Genfehler im Detail auswirken.“

Die Forscher betreiben Grundlagenforschung mit Mäusen, wollen aber auch menschliche Zellen nutzen. Denn Südhofs Team ist es gelungen, Hautzellen mit Methoden der Stammzellbiologie in Nervenzellen umzuwandeln. So kann das Krankheitsgeschehen in Nervenzellen und an Synapsen von ganz konkreten Patienten analysiert werden.