Sozialverhalten

Schon Zweijährige passen sich am liebsten Anderen an

Wenn Kleinkinder auf dem Spielplatz erfolglos versuchen, auf ein hohes Klettergerüst zu kommen, dann haben sie recht schnell eine Idee, wie das Problem zu lösen ist: einfach mal gucken, wie die anderen Kinder das so machen.

Imitation spielt beim Lernen eine wichtige Rolle. Wer gut beobachtet und Verhaltensweisen anderer kopiert, hat bei Herausforderungen oder Problemen mehr Strategien zur Auswahl. Aber wie ist das, wenn das Kind ganz von sich aus eine Lösung gefunden hat, auf das Klettergerüst zu kommen – und dann aber bemerkt, dass andere Kinder es anders machen?

Mit dieser Frage haben sich Forscher um Daniel Haun vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig beschäftigt. Sie untersuchten in einem Experiment, wie sich Kleinkinder im Vergleich zu Menschenaffen in einer solchen Situation verhalten. Schon Zweijährige, so schreiben sie jetzt im Fachmagazin „Psychological Science“, passen sich schnell an, wenn sie bemerken, dass Andere anders handeln - und geben eigene Vorlieben auf. Diese Bereitschaft gibt es tendenziell zwar auch bei den Menschenaffen, doch ist sie dort weniger stark ausgeprägt, so die Wissenschaftler.

Schokolade bei Erfolg

In ihrem Experiment sollten Kinder einen Ball in eine Kiste fallen lassen, die in drei Bereiche aufgeteilt war. Trafen die Kinder eine ganz bestimmten davon, gab es als Belohnung eine Schokoladenkugel. Auch Schimpansen und Orang-Utans konnten sich daran versuchen. Später waren andere Kinder an der Reihe - die allerdings ließen ihren Ball in einen anderen Bereich der Kiste fallen, und erhielten trotzdem die Schokoladenkugel. Dann sollte das Testkind – vor den Augen der Anderen – wieder den Ball in die Kiste fallen lassen. In mehr als der Hälfte der Fälle verhielten sich die Kleinen konform, obwohl ihre eigene Strategie zuvor erfolgreich gewesen war, und warfen den Ball in den Bereich, den die anderen Kinder gewählt hatten. Den Menschenaffen dagegen war es ziemlich egal, was ihre Artgenossen so taten.

Ein weiteres Experiment zeigte, dass Kinder sich vor allem dann anpassten, wenn andere ihnen zusahen. Trafen sie ihre Entscheidung allein, blieben sie häufiger bei ihren Strategien, auch wenn sie andere Kinder bei Alternativen beobachtet hatten. Keinen Unterschied machte es hingegen, ob es nur einer oder mehrere Kinder waren, die alternativ handelten. Diese frühe, stark ausgeprägte Tendenz zur Konformität zeigt den Autoren zufolge, wie groß die Motivation ist, sich Anderen anzupassen - nur um den Nachteil zu vermeiden, anders zu sein. „Konformität spielt im menschlichen Sozialverhalten eine zentrale Rolle“, sagt Haun. „Sie grenzt verschiedene Gruppen voneinander ab und hilft ihnen dabei, ihre Aktivitäten zu koordinieren.“ Damit fördert und stabilisiert sie Gruppen - was gut sein kann, aber auch Gefahren in sich birgt.