Wissen, das bewegt

„Denglisch“ tut nicht gut

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Peter-André Alt über Wissenschafts-Englisch

Vor einigen Monaten an der Freien Universität: Ein junger Wissenschaftler stellt dem Präsidium den Lehrplan einer naturwissenschaftlichen Doktorandenschule vor. Die Folien, die er präsentiert, sind nicht nur farblich, sondern auch sprachlich kunterbunt. Englisch und Deutsch wechseln sich ohne sichtbares System ab. Manchmal entstehen dabei Absurditäten, wie die Aussage: Der Besuch dieses Kurses sei „mandatorisch“. Bitte? Gemeint ist: „verbindlich“, nach dem englischen Wort „mandatory“. Eine Ableitung ins Deutsche, die es gar nicht gibt.

Dem jungen Mann, der hier die Sprachen panscht, ist kein Vorwurf zu machen. Er betreibt seine Wissenschaft ausschließlich auf Englisch. Wenn er vor deutschem Publikum spricht, ist das für ihn ungewohnt. Er muss sich neu orientieren und nach manchen deutschen Fachbegriffen mühsam suchen. Das ist heute ein durchaus typischer Fall. In den Naturwissenschaften, der Mathematik und Informatik, aber auch in den meisten Sozialwissenschaften – der Psychologie, Ökonomie und Politologie – findet die wissenschaftliche Diskussion ausschließlich in englischer Sprache statt.

Das hat Folgen für die Entwicklung des Deutschen, dessen Wortschatz auf dem Niveau von 500.000 Einzelwörtern stagniert, weil Fachsprachen nicht mehr aktiv wachsen. Das Englische umfasst dagegen mittlerweile eine Million Wörter – eine Zahl, die aufgrund des permanenten Ausbaus der Spezialbegriffe stetig zunimmt.

Die Internationalisierung der Wissenschaft ist zunächst einmal kein Fluch, sondern ein Segen. Sie ermöglicht eine globale Teilhabe an den Diskussionen der Forschung. Weil alle auf Englisch veröffentlichen und vortragen, ist eine breite Grundlage für den weltweiten Austausch gegeben.

Aber dieser Umstand hat auch seinen Preis. Er besteht im Verlust sprachlicher Vielfalt und Nuanciertheit. Und hier sind die Universitäten gefordert. Die wissenschaftliche Kommunikation darf nicht zur Verballhornung des Deutschen führen. Die aber ist unvermeidlich, wenn in Vorträgen ‚Denglisch‘ gesprochen wird. Gerade die Wissenschaft und ihre Vertreter sollten auch in dieser Hinsicht ein Vorbild sein.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität. Er schreibt hier wöchentlich über Ideen, Erkenntnisse und Innovationen, die Berlin und die Welt voranbringen.