Umwelt

Das große Artensterben: Schmetterlinge verschwinden

| Lesedauer: 2 Minuten
Claudia Schülke

Noch vor 40 Jahren waren die rund 170 Tagfalterarten in Deutschland allgegenwärtig: auf Wiesen, am Waldrand, im Moor. Mit Intensivierung der Landwirtschaft, Trockenlegung von Sümpfen, Monokulturen und dem großflächigen Einsatz von Pestiziden haben sich die Schmetterlingspopulationen Europas allerdings dramatisch dezimiert: Allein zwischen 1990 und 2011 hat sich der Bestand halbiert, wie ein Tagfalter-Monitoring des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung ergab. „Den Offenlandarten geht es nicht gut“, sagt auch Julian Heiermann von der Bundesgeschäftsstelle des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Gemeint sind damit Schmetterlingsarten, die auf Böschungen, an Wegrändern, Wiesen und Weiden leben. Auf Mais- und Rapsmonokulturen könnten Schmetterlinge nicht überleben, sagt Heiermann, der seine Diplomarbeit über Schmetterlinge verfasst hat.

Schmetterlinge gehören zu den wichtigsten Anzeigern für die Artenvielfalt. Sie sind auf Wildkräuter angewiesen, aber die blühen nur noch am Feldrand. „Und je größer die Felder sind, desto schmaler werden die Ränder für die Wildkräuter“, erläutert Heiermann. Auch die öffentlichen Parks und Privatgärten seien überpflegt. Wer duldet schon Wilde Möhre für die Raupen des Schwalbenschwanzes oder Brennnesseln für die Raupen des Tagpfauenauges, des Kleinen Fuchses, des Landkärtchens und des C-Falters?

Wer weiß überhaupt, dass aus jenen schwarzen stacheligen Raupen, die Brennnesseln mit hässlichen Gespinsten überziehen, einmal bunte Tagfalter schlüpfen? Die Metamorphose vom Ei über die Raupe und deren Verpuppung bis zur sogenannten Imago, dem Falter, ist vielen nicht mehr bewusst. Immerhin finden Tagpfauenaugen & Co noch genug Brennnesseln an Bahndämmen und Brachen zur Eiablage. Später tummeln sich die Falter auf dem Sommerflieder, um Nektar zu tanken.

Den Bläulingen geht es schlechter. Sie leben von Schmetterlingsblütlern wie Hornklee, Platterbse und Wicke, die auf Trockenrasen wachsen und mit diesem verschwinden. Durch die Überdüngung gibt es immer weniger Blumen-, Kräuter- und Gräserarten. Schmetterlingsexperte Werner Schulze vom Nabu ist wenig optimistisch. Auch in sich selbst überlassenen Naturschutzgebieten könnten die Falter häufig nicht überleben, weil die natürliche Verbuschung ihre Futterpflanzen verdränge: „Die Schmetterlinge wissen dann nicht mehr wohin“, sagt Schulze. Naturschutzgebiete müssten gepflegt und vernetzt werden, um die Lebensräume von Schmetterlingen zu schützen, verlangt er.